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Nachrichten

24.03.2016 |

Weniger resistente Keime in Bio-Milch

Milch Tasse Milch (Foto: Andreas Levers / flickr, bit.ly/1TLvA1b, creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0)-+-

Krankheitserreger, die gegen wichtige Antibiotika resistent sind, entwickeln sich für das Gesundheitssystem zu einem immer größeren Problem. Aus Sicht vieler Experten spielt der massive Medikamenteneinsatz in der Tierhaltung dafür eine entscheidende Rolle. Doch es gibt Unterschiede: Bio-Rohmilch enthält deutlich weniger immune Keime als konventionelle, erklärte die oberste Lebensmittelbehörde letzte Woche.

In Rohmilch aus konventionellen Ställen wurde 2014 laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit beispielsweise in 9,7 Prozent der Proben Methicillin-resistentes Staphylococcus aureus (MRSA) nachgewiesen. Bei Bio-Betrieben waren nur 1,7 Prozent der Proben positiv. „Eine mögliche Ursache hierfür könnten Unterschiede in der Wirtschaftsweise bei konventionell und ökologisch gehaltenen Milchkühen sein“, so das Amt.

„Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft ist der Verzehr oder die Handhabung von mit MRSA kontaminierten Lebensmitteln zwar nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden, durch diese Bakterien besiedelt oder infiziert zu werden“, erklärte die Behörde weiter. Allerdings: „Ein solches Risiko besteht aber für Menschen, die einen häufigen Kontakt zu positiven Tierbeständen haben, wie Landwirte und Tierärzte.“

Unterschiede gab es auch bei Listeria monocytogenes, einem Bakterium, das insbesondere bei schwangeren Frauen und geschwächten Menschen Krankheiten auslösen kann. In konventionell produzierter Rohmilch kam der Erreger in 3,5 Prozent der Proben vor, in Bio-Milch in 1,3 Prozent. Zwar töte das Erhitzen, das bei Trinkmilch stattfindet, die Bakterien, beschwichtigt das BVL. In Rohmilchkäse könnten sie aber drin sein.

Insgesamt hatten die Kontrollbehörden der Bundesländer im Jahr 2014 über 6.800 Proben genommen und auf Belastung mit antibiotika-resistenten Keimen untersucht. „Weitere gezielte Untersuchungen sind notwendig, um mögliche Unterschiede in der Belastung von Tieren und Lebensmitteln mit humanpathogenen Keimen zwischen ökologischer und konventioneller Erzeugung zu ermitteln“, empfiehlt das BVL.

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23.03.2016 |

EU-Umweltausschuss gegen Glyphosat-Verlängerung

Herbizid im Einsatz Herbizid im Einsatz (Foto: Chafer Machinery / flickr, Chafer Sentry, Applying Defy at 250l/ha on wheat land in Lincolnshire, bit.ly/29E6Sk4, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat sich am Dienstag gegen eine Verlängerung des Totalherbizids Glyphosat ausgesprochen. Nachdem die Entscheidung über die Neuzulassung wegen Uneinigkeit innerhalb der EU-Kommission von letzter Woche auf Mitte April verschoben wurde, fordert nun der Umweltausschuss, dass jede Ungewissheit beseitigt sein müsse, bevor das Genehmigungsverfahren fortgesetzt werden könne. Das gebiete das Vorsorge-Prinzip.

Der Umweltausschuss fordert die Anfertigung einer unabhängigen Studie. Zudem sollen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse offengelegt werden, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für ihre Beurteilung des Pflanzengifts verwendet habe – auch wegen des großen öffentlichen Interesses. Die Behörde kam aufgrund der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu der Einschätzung, dass von Glyphosat keine Gefährdung ausgehe. Anders als die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstufte.

„Während die Industrie behauptet die Substanz würde komplett abgebaut, ist nun klar, dass Glyphosat-Rückstände überall zu finden sind: in der Umwelt, in vielen Produkten des täglichen Lebens, in unseren Körpern", so EU-Parlamentarier Pavel Poc. Das Europäische Lebensmittel- und Veterinäramt solle nun beauftragt werden, Glyphosat-Rückstände in Essen und Trinken zu testen und zu überwachen, heißt es weiterhin.

23.03.2016 |

Neue Gentechnik-Verfahren auch als Gentechnik kennzeichnen

67.000 Unterschriften gegen neue Gentechnik-Technologien 67.000 Unterschriften gegen neue Gentechnik-Technologien

67.000 Unterschriften übergab ein breites Bündnis von 27 Verbänden dem Agrarministerium. Sie fordern, neue Gentechnik-Verfahren wie „CRISPR“ gemäß dem Vorsorgeprinzip einer Risikoprüfung und entsprechender Kennzeichnung zu unterlegen. Im Unterschied zu bisher herkömmlichen Gentechnik-Verfahren ändern sie das Erbgut von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen mit Enzymen und werden derzeit vom Verbraucherschutzministerium nicht als Gentechnik eingestuft.

In der „klassischen Gentechnik“ gelangen mit Hilfe der sogenannten „Gen-Kanone“ ganze Gene ungerichtet in eine Zelle und verändern die Erbinformation eines Organismus. Im Gegensatz dazu nutzen die neuen Technologien, die als „Genome Editing“ zunehmende Popularität erfahren, den natürlichen Reperaturmechanismus der Zellen aus, um Änderungen am Erbgut zu erzielen. Doch auch diese Form des Eingriffs in die DNA kann zu ungewollten Genveränderungen und unvorhersehbaren Nebeneffekten führen.

So wurde beispielsweise der herbizidresistente Cibus-Raps der US-Firma CIBUS entwickelt und löste eine europäische Kontroverse aus, da „Gentechnik“ zunächst ein juristischer Begriff und eine Entscheidung ist. Die Definition neuer Techniken als Gentechnik legt zugleich fest, welche Pflanzen das Gentechnik-Zulassungsverfahren durchlaufen müssen. Da Gentechnik in der EU als Risikotechnologie gilt, ist es sehr viel teurer Gentech-Pflanzen auf den Markt zu bringen und es ist mit hohen Auflagen verbunden. Damals hatte eine Klage gegen den CIBUS-Raps dafür gesorgt, nicht ausgesät wird – das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte den Raps unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgewunken.

"Konventionell und ökologisch wirtschaftende Bauern und Verbraucherinnen akzeptieren keine Gentechnik durch die Hintertür. Wir sind gut beraten, uns keine neuen Risikotechnologien auf den Acker, in den Stall und auf den Teller zu holen. Die Erfahrung mit den Gentechnik-Konzernen zeigt: Gewinne werden gerne einkassiert, Risiken und Kosten auf die Allgemeinheit verteilt. Mit uns nicht“, so Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

21.03.2016 |

Gründung des ersten deutschen Ernährungsrates in Köln

Wie sich die Stadt in Zukunft ernährt, entscheidet in Köln jetzt der Ernährungsrat mit (Foto: flickr.com, srfvirus, (CC BY-NC-ND 2.0)) Wie sich die Stadt in Zukunft ernährt, entscheidet in Köln jetzt der Ernährungsrat mit (Foto: flickr.com, srfvirus, (CC BY-NC-ND 2.0))

In Köln hat sich am 7. März der erste deutsche Ernährungsrat gegründet. Das 30-köpfige Gremium, besteht zu einem Drittel aus Vertretern der Landwirtschaft, Gastronomen und Lebensmittelherstellern, zu einem Drittel aus Vertretern der zivilen Bevölkerung, wie engagierten BürgerInnen und Initiativen, sowie zu einem Drittel aus Vertretern aus Politik und Verwaltung. Ziel ist es, eine Ernährungsstrategie für die Region zu erarbeiten, die eine regionale und nachhaltige Lebensmittelversorgung gewährleistet.

Der Ernährungsrat will insbesondere die Verbindung zwischen den Bauern und Städtern stärken. „Über unser Essen wird in Konzern-Zentralen und europäischen Behörden entschieden, immer weiter weg von uns“, erklärt der Kölner Dokumentarfilmer Valentin Thurn. „Wir wollen das wieder in unsere Hände nehmen und auf lokaler Ebene nachhaltige Strukturen in der Landwirtschaft unterstützen.“ Deshalb zählen zum Rat auch aktive Landwirte, wie Biokreis Bauer Peter Schmidt, der sich für „intensivere Kontakte zwischen Kundschaft und Landwirten und besseres gegenseitiges Verständnis“ engagieren will. Zentral für den Rat ist zudem das Thema der Ernährungsbildung – und das ab Kindesalter. Peter Zens, Landwirt und Ernährungsratmitglied, dazu: „Ich möchte mit meinem Engagement dafür sorgen, dass sich etwas in den Kindergärten und Schulen tut. Unsere Kinder sollen durch aktives Mittun wieder einen Bezug zu Lebensmitteln und zum Thema Ernährung bekommen.“

Die Idee der Ernährungsräte stammt aus dem amerikanischen Raum. Der erste Rat soll dort bereit 1982 entstanden sein. Mittlerweile werden sie als wichtiges Instrument zur Gestaltung von Ernährungssystemen auf lokaler Ebene und zur Gestaltung von Stadtpolitik gesehen. Ein Ernährungsrat hat den Vorteil, dass durch die Vernetzung verschiedener Akteure eines Ernährungssystems, wie Erzeuger, Verarbeiter, Verbraucher und Politik, die unterschiedlichen Thematiken systematisch miteinander verknüpft werden, um Ernährungssysteme nachhaltig gerechter, ökologisch und effektiv zu gestalten. Durch den kooperativen Ansatz können sowohl Ernährungspolitik als auch Regional- und Stadtentwicklung wieder lokaler gestaltet werden.

Am 22. April soll nun auch Berlin seinen Ernährungsrat bekommen. Aus dem Politischen Suppentopf in Berlin, von Meine Landwirtschaft und INKOTA initiiert, hat sich durch die Vernetzung der Akteure die AG Stadt und Ernährung gegründet. Aus dieser AG heraus wurden Visionen für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem erarbeitet, die Punkte wie Ernährungssouveränität, regionale Landwirtschaft und Verarbeitung, Umweltschutz, den Erhalt der Vielfalt der Ernährungsstrukturen, faire Marktstrukturen, alternative Regional- und Stadtplanung, Demokratie und Gerechtigkeit umfassen.

17.03.2016 |

Anhörung des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung

Aktive des Aktionsbündnisses springen über die nächste Hürde des Volksbegehrens (Foto: Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg) Aktive des Aktionsbündnisses springen über die nächste Hürde des Volksbegehrens (Foto: Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg)

Mit einer Demo und einem offenen Brief an die Mitglieder des Brandenburger Landtags machten die Initiator*innen des Volksbegehrens gegen Massentierhaltung ihre Forderungen nach einer Kehrtwende in der Nutztierhaltung in Brandenburg deutlich. Am gestrigen Mittwoch fand die Anhörung der Forderungen in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Potsdam statt. Am 19. April wird der Landtag dann über das Volksbegehren entscheiden.

Das Volksbegehren gegen Massentierhaltung ist mit knapp 103 545 Unterschriften im Januar erfolgreich zu Ende gegangen. Das Volksbegehren fordert auf Landesebene ein Verbot des Abschneidens von Schwänzen und Schnäbeln in der Nutztierhaltung (Kupieren), sowie einen Landestierschutzbeauftragten. Zudem soll das Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände für die effektive Durchsetzung von Tierschutzaspekten und ein Plus an Rechtssicherheit bei Stallbauten sorgen. Die Agrarförderung soll sich an der artgerechten Tierhaltung orientieren. Auf Bundesebene wird die Landesregierung aufgefordert, sich z.B. über Bundesratsinitiativen für einen stärkeren Immissionsschutz, die Reduzierung des Antibiotikagebrauchs und die Stärkung der gemeindlichen Mitbestimmung einzusetzen.

Während vor dem Landtag 70 Aktive aus dem Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg symbolisch die Kernforderungen über die nächste Hürde trugen, stellten die vom Bündnis benannten Experten Peter Kremer, Rechtsanwalt, und Eckehard Niemann, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, ihre Einschätzungen zu den Forderungen vor.

Insbesondere das vom Volksbegehren geforderte Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzverbände stellt in der Auseinandersetzung mit der Landesregierung eines der Hauptstreitpunkte dar. Auch von Seiten des Landesbauernverbandes wurde immer wieder ein erhebliches Potential von Missbrauchstatbeständen und eine Klageflut in den Raum gestellt.“Es wird aber keine Klagewelle geben. Seit Einführung der ersten Klagemöglichkeit im Land Bremen im Jahr 2007 gab es – nach hier vorliegenden Erkenntnissen – kaum Klagen. In den einschlägigen Datenbanken finden sich zwei Urteile.” sagte Rechtsanwalt Peter Kremer.

In anderen Bundesländern, wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und teilweise Mecklenburg-Vorpommern, gibt es bereits Tierschutzbeauftragte, Verbandsklagerecht und eine Umstellung der Landwirtschaftsförderung. „Gerade angesichts der in Brandenburg besonders dominanten agrarindustriellen Tierhaltungs-Strukturen ist die rasche Umsetzung der Forderungen der Volksinitiative umso dringlicher.“ So Experte Eckehard Niemann.

Der Landtag wird am 19. April über den Antrag des Volksbegehrens entscheiden. Nimmt er den Antrag nicht an, kommt es zu einem Volksentscheid. In dem Fall würde es einen festgesetzten Abstimmungstag geben, an dem alle Stimmberechtigten mit „Ja“ oder „Nein“ über den Antrag abstimmen können. Der Landtag kann dem Volksbegehren einen alternativen Gesetzentwurf oder sonstigen Antrag entgegensetzen, über den zugleich mit dem Antrag des Volksbegehrens abgestimmt wird. Erfolgreich wäre die Abstimmung, wenn die Mehrheit der abgegeben Stimmen „ja“ wählt und diese 25 Prozent aller Abstimmungsberechtigten ausmacht.

15.03.2016 |

Verbraucher vor Antibiotikaresistenzen schützen

Zunehmende Unwirksamkeit von Antibiotika befürchtet (Foto: flickr.com, Crosa, CC BY-NC-ND 2.0) Zunehmende Unwirksamkeit von Antibiotika befürchtet (Foto: flickr.com, Crosa, CC BY-NC-ND 2.0)

Der heutige Weltverbrauchertag steht unter dem Motto Antibiotikaresistenzen. Aus diesem Anlass hat die Verbraucherorganisation Consumers International, zu der auch die Stiftung Warentest und die Bundesverbraucherzentrale gehören, die weltweit größten Fast Food Unternehmen aufgerufen, ihre Marktmacht zu nutzen und nur noch Fleisch aus einer Tierhaltung zu verwenden, in der nicht routinemäßig Antibiotika gegeben werden. Wegen der übermäßigen Gabe von Medikamenten, die auch in der Humanmedizin gebraucht werden, und von Reserveantibiotika sei die Befürchtung einer immer weiter steigenden Zahl von Resistenzen sehr groß.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte anlässlich des G7-Gipfels im letzten Jahr Zahlen, nach denen jährlich rund 700.000 Menschen an Resistenzen sterben und warnt vor dem derzeitigen Aufbruch in ein „post-antibiotisches Zeitalter“. Die für die Behandlung von eigentlich therapierbaren Krankheiten verabreichten Antibiotika wirken dann nicht mehr. Allein in Deutschland wird die Zahl der Todesfälle auf 10.000 geschätzt. Das Gesundheitswesen sei besorgniserregend bedroht, da die Pharmaindustrie wenig in die Entwicklung neuer Antibiotika investiere.

Die Gabe von Antibiotika in der Tierhaltung spielt eine erhebliche Rolle bei der Ausbreitung multiresistenter Keime. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gibt an, dass Pharmafimen jährlich über 1.450 Tonnen Antibiotika an Tierärzte ausgeben. In der Humanmedizin sind es nur rund halb so viele. In der Intensivtierhaltung werden Medikamente bei Erkrankung einzelner Tiere häufig dem ganzen Bestand verabreicht, obwohl prophylaktische Behandlung in Deutschland gesetzlich verboten ist. Einem Schwein werden durchschnittlich 3,4 Male Antibiotika verabreicht. Neun von zehn Puten sind mit Antibiotika behandelt worden, bevor sie geschlachtet werden.

Der Bundesrat fordert von der Bundesregierung strengere Regeln beim Einsatz von Reserveantibiotika und auch die letztjährige Frühjahrskonferenz der Agrarminister forderte „schnellstmöglich“ eine Liste von besonders kritischen Antibiotika vorzulegen, die nicht oder nur unter strikten Auflagen in der Veterinärmedizin verwendet werden dürfen. Als noch nicht weitreichend genug befinden zivilgesellschaftliche Verbände, diese Forderungen. Langfristig könne nur eine Unterstützung der Bauern beim Systemwechsel in der Tierzucht und der Tierhaltung zu weniger Antibiotika-Einsatz im Stall führen.

14.03.2016 |

Klage gegen „Kükentöten“ abgelehnt: nächste rechtliche Schritte folgen

50 Millionen Küken werden in Deutschland direkt nach ihrer Geburt getötet (Foto: flickr.com, Doris Meta Franz, CC BY-NC 2.0) 50 Millionen Küken werden in Deutschland direkt nach ihrer Geburt getötet (Foto: flickr.com, Doris Meta Franz, CC BY-NC 2.0)

Nachdem das Landgericht Münster, die im Februar eingereichte Klage gegen das massenhafte und routinemäßige Töten von Küken abgelehnt hatte, legte die Staatsanwaltschaft Münster nun Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm ein. Die Staatsanwälte hatten gegen die Brüterei Brinkschulte in Nordrhein-Westfalen geklagt, um die Frage nach der Legalität dieses Verfahrens grundsätzlich und bundesweit zu stellen. Gegebenenfalls solle bis vor den Bundesgerichtshof gegangen werden.

Die derzeitige Praxis in deutschen Brütereien ist es, männliche Nachkommen von Legehennen direkt nach dem Schlüpfen zu vergasen oder zu schreddern. Jährlich betrifft das ungefähr 50 Millionen Tiere. Sie sind aus ökonomischer Sicht wertlos, da sie keine Eier legen und durch ihre Züchtung nicht als Masthähnchen geeignet sind.

Dieses Verfahren stellt derzeit keinen Straftatbestand dar, gleichwohl bereits mehrfach Klage dagegen erhoben wurde. Das Tierschutzgesetz hält grundsätzlich den Schutz des Tieres als „Mitgeschöpf“ fest, dem „ohne vernünftigen Grund“ kein Schmerz oder Leid zugefügt werden darf. Derzeit wird jedoch die im Grundgesetz gesicherte Berufsfreiheit vor den Tierschutz gestellt und somit der „vernünftige Grund“ ausgehebelt.

Im November 2015 wurde die Forderung des Bundesrates, das Töten männlicher „Eintagsküken“ sofort zu stoppen von der Bundesregierung abgelehnt. Agrarminister Christian Schmidt begründete die Entscheidung damals so, dass ein Verbot ohne Alternative die Geflügelhaltung ins Ausland verlagern würde. Sein Ziel sei hingegen, dass Töten 2017 zu beenden, durch eine Geschlechterbestimmung der Tiere im Ei.

Kritiker verweisen darauf, dass diese Früherkennung des Geschlechts für den einzelnen Betrieb zu kostenintensiv sei und grundsätzlich nichts am Problem des überflüssigen Lebens durch einseitige Züchtungen ändern würde. „Nachhaltig und im Sinne des Verbrauchers sind einzig und allein die Erhaltung und die Zucht von Zweitnutzungsrassen, wo das genetische Material nicht in der Hand weniger großer Konzerne liegt“, so Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher der Grünen.

09.03.2016 |

Neue Gentechnik und Patentanträge Pflanzen und Tiere

Das DNA-Labor der Universität Michigan (Foto: flickr.com, University of Michigan School of Natural Resources & Environment (CC BY 2.0)) Das DNA-Labor der Universität Michigan (Foto: University of Michigan School of Natural Resources & Environment, CC BY 2.0, flickr)

Neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas9 oder die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese sollen das Basteln am Erbgut von Pflanzen und Tieren einfacher, schneller und billiger machen als je zuvor. Damit könnte auch die Dominanz mächtiger Saatgut- und Chemiekonzerne gebrochen werden, argumentieren Fans. Ein Blick auf die Patente zeigt aber: die Alten haben die Nase weit vorn.

Dutzende Patente auf neue neue Gentechnik-Anwendungen wurden zwischen 2010 und 2015 bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum beantragt, hat der Verein Testbiotech aus München ermittelt. 33 mal wurde der patentrechtliche Schutz für die Anwendung von Nuklease-Techniken beantragt – dazu gehören CRISPR-Cas oder die Zinkfingernukleasetechnik. 20 Anträge bezogen sich auf RNA-Interferenz-Techniken (RNAi), zwölfmal wurde der Gebrauch von synthetischen Oligonukleotiden als geistiges Eigentum beansprucht.

Ganz vorne dabei: die Agrochemiekonzerne Dow und Dupont – die zudem bereits eine Fusion beschlossen haben. Auch Bayer, Monsanto und Syngenta haben bereits mehrere Patentanträge gestellt. Es sind just jene fünf Unternehmen, die bereits heute gut die Hälfte des kommerziell gehandelten Saatguts kontrollieren – und zahlreiche Patente auf gentechnisch veränderte sowie konventionell gezüchtete Pflanzen halten. Anders als traditionelle Züchter und kleine Technologiefirmen hätten die Konzerne die Ressourcen, nicht nur einzelne Patentanträge zu stellen, sondern auch „Serien von strategischen Anträgen“ und die damit einhergehenden, kostspieligen Rechtsstreitigkeiten durchzustehen, meint Testbiotech. Zudem hätten sie es dank der bestehenden Infrastruktur wesentlich leichter, Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen.

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08.03.2016 |

Recht auf Nahrung nicht ohne Frauenrechte umsetzbar

In Afrika übernehmen Frauen einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit, Foto: flickr. com / IFPRI Images (CC BY-NC-ND 2.0) In Afrika übernehmen Frauen einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit, Foto: flickr. com / IFPRI Images (CC BY-NC-ND 2.0)

Zum internationalen Frauentag verweist die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland darauf, dass Frauen und Mädchen sehr viel häufiger von Hunger und Armut betroffen sind. 70 Prozent und vor allem Bewohnerinnen ländlicher Regionen leiden dabei unter mehrfacher Diskriminierung – sozialer, politischer und gesetzlicher Natur. Aber auch, was die Unterstützung durch Projekte internationaler Entwicklungszusammenarbeit betrifft.

„Obwohl Frauen in den meisten Ländern für die Ernährung ihrer Familien verantwortlich sind, haben sie häufig keinen gleichberechtigen Zugang zu Land, landwirtschaftlichen Förderprogrammen oder Krediten“, erläutert FIAN-Referentin Gertrud Falk. Durch die zunehmende Ausrichtung von Entwicklungsprogrammen auf exportorientierte und industrialisierte Landwirtschaft wird insbesondere Frauen die Möglichkeit genommen, Nahrungsmittel zur Selbstversorgung anzubauen. Durch die Verknappung landwirtschaftlicher Flächen durch Landnahme und großflächige Infrastrukturprojekte im globalen Süden verlieren vor allem Frauen ihre Existenzgrundlage. Denn aufgrund gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen sind sie für die Versorgung von Kindern, behinderten und alten Familienangehörigen zuständig. Sie können daher nicht im gleichen Ausmaß auf andere Einkommensquellen ausweichen wie Männer. „Frauenrechte werden auf diese Weise gerade auch durch vermeintliche Entwicklungsprojekte mehrfach verletzt“, ergänzt Falk.

Hilal Elvers, die Sonderberichterstatterin zum Recht auf Nahrung der Vereinten Nationen, weist zudem in ihrem neuesten Bericht darauf hin, dass die starke Ausrichtung internationaler Entwicklungszusammenarbeit auf technische Fortbildungen außer Acht lässt, dass Frauen vor allem Zugang zu Land und ausreichenden finanziellen Ressourcen benötigen, um sich und ihre Familien zu versorgen.

Landwirtschaftsprojekte sollen daher im Vorfeld besonders auf die menschenrechtlichen Folgen für Frauen geprüft und betroffene Frauen insbesondere in die Planung entsprechender Projekte mit einbezogen werden.

26.02.2016 |

Regierungsprogramm für nachhaltigen Konsum

Äpfel aus Hessen statt aus Neuseeland, Foto: flickr, Peter Sieling (CC BY-ND 2.0) Äpfel aus Hessen statt aus Neuseeland, Foto: flickr, Peter Sieling (CC BY-ND 2.0)

Konsumentscheidungen von Privathaushalten seien für einen Großteil des Ressourcenverbrauchs und der Umweltbelastungen verantwortlich. Deshalb beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch ein „Nationales Programm für nachhaltigen Konsum“. Verankert worden seien dabei „Leitideen“, die relevante Handlungsfelder benennen und den notwendigen Strukturwandel in Gesellschaft und Wirtschaft anregen sollen. Kritik an dem 50seitigen Dokument kam vom Naturschutzbund (NABU) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ), da im Dokument kaum wirksame Maßnahmen vorgestellt würden.

Die Publikation ist ein ressortübergreifendes Papier, unter Beteiligung des Bundesumweltministeriums, des Agrarministeriums und des Bundesverbraucherschutzminisiteriums. Das sei begrüßenswert, dennoch lese es sich „eher wie eine Wunschliste, als ein ernst gemeinter und wirkmächtiger Plan“, so Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. In den Bereichen Mobilität, Ernährung, Wohnen und Haushalt, Arbeit und Büro, Bekleidung sowie Freizeit und Tourismus sollen eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen werden und Handlungsansätze erarbeitet werden.

Laut der Autoren sei der Bereich Ernährung von maßgeblicher Wichtigkeit für das Konzept eines nachhaltigen Konsums, da allein 13 Prozent der CO2-Emmission bei Anbau, Verarbeitung, Transport und Zubereitung sowie durch (Lebensmittel-)Abfall anfallen. Zugleich sorge die Landwirtschaft auch für den Verlust von Biodiversität und belaste Gewässer, Luft und Böden – oder das Gegenteil, je nach Form der Landwirtschaft.

Folgende Leitideen ergeben sich daraus: Für die Ernährungsbildung in Kitas und Schulen soll mehr Informationsmaterial zur Verfügung gestellt und es sollen Vernetzungsstellen geschaffen werden. Im Bereich Landwirtschaft sollen bereits laufende Programme wie die Tierwohl-Initiative, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) und die Eiweißpflanzenstrategie (EPS) weiterhin unterstützt werden. Zugleich sei eine Stärkung der Wertschätzung von Lebensmitteln und die Reduzierung von vermeidbaren Lebensmittelabfällen zu durch VerbraucherInnen zu fördern, etwa durch das Programm „Zu gut für die Tonne“. Und schließlich spricht sich das Papier für den Ausbau der Regionalität aus, was Transportwege verkürzen und die Saisonalität von Obst und Gemüse einbeziehen würde.

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