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Nachrichten

14.03.2016 |

Klage gegen „Kükentöten“ abgelehnt: nächste rechtliche Schritte folgen

50 Millionen Küken werden in Deutschland direkt nach ihrer Geburt getötet (Foto: flickr.com, Doris Meta Franz, CC BY-NC 2.0) 50 Millionen Küken werden in Deutschland direkt nach ihrer Geburt getötet (Foto: flickr.com, Doris Meta Franz, CC BY-NC 2.0)

Nachdem das Landgericht Münster, die im Februar eingereichte Klage gegen das massenhafte und routinemäßige Töten von Küken abgelehnt hatte, legte die Staatsanwaltschaft Münster nun Beschwerde beim Oberlandesgericht Hamm ein. Die Staatsanwälte hatten gegen die Brüterei Brinkschulte in Nordrhein-Westfalen geklagt, um die Frage nach der Legalität dieses Verfahrens grundsätzlich und bundesweit zu stellen. Gegebenenfalls solle bis vor den Bundesgerichtshof gegangen werden.

Die derzeitige Praxis in deutschen Brütereien ist es, männliche Nachkommen von Legehennen direkt nach dem Schlüpfen zu vergasen oder zu schreddern. Jährlich betrifft das ungefähr 50 Millionen Tiere. Sie sind aus ökonomischer Sicht wertlos, da sie keine Eier legen und durch ihre Züchtung nicht als Masthähnchen geeignet sind.

Dieses Verfahren stellt derzeit keinen Straftatbestand dar, gleichwohl bereits mehrfach Klage dagegen erhoben wurde. Das Tierschutzgesetz hält grundsätzlich den Schutz des Tieres als „Mitgeschöpf“ fest, dem „ohne vernünftigen Grund“ kein Schmerz oder Leid zugefügt werden darf. Derzeit wird jedoch die im Grundgesetz gesicherte Berufsfreiheit vor den Tierschutz gestellt und somit der „vernünftige Grund“ ausgehebelt.

Im November 2015 wurde die Forderung des Bundesrates, das Töten männlicher „Eintagsküken“ sofort zu stoppen von der Bundesregierung abgelehnt. Agrarminister Christian Schmidt begründete die Entscheidung damals so, dass ein Verbot ohne Alternative die Geflügelhaltung ins Ausland verlagern würde. Sein Ziel sei hingegen, dass Töten 2017 zu beenden, durch eine Geschlechterbestimmung der Tiere im Ei.

Kritiker verweisen darauf, dass diese Früherkennung des Geschlechts für den einzelnen Betrieb zu kostenintensiv sei und grundsätzlich nichts am Problem des überflüssigen Lebens durch einseitige Züchtungen ändern würde. „Nachhaltig und im Sinne des Verbrauchers sind einzig und allein die Erhaltung und die Zucht von Zweitnutzungsrassen, wo das genetische Material nicht in der Hand weniger großer Konzerne liegt“, so Friedrich Ostendorff, Agrarsprecher der Grünen.

09.03.2016 |

Neue Gentechnik und Patentanträge Pflanzen und Tiere

Das DNA-Labor der Universität Michigan (Foto: flickr.com, University of Michigan School of Natural Resources & Environment (CC BY 2.0)) Das DNA-Labor der Universität Michigan (Foto: University of Michigan School of Natural Resources & Environment, CC BY 2.0, flickr)

Neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas9 oder die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese sollen das Basteln am Erbgut von Pflanzen und Tieren einfacher, schneller und billiger machen als je zuvor. Damit könnte auch die Dominanz mächtiger Saatgut- und Chemiekonzerne gebrochen werden, argumentieren Fans. Ein Blick auf die Patente zeigt aber: die Alten haben die Nase weit vorn.

Dutzende Patente auf neue neue Gentechnik-Anwendungen wurden zwischen 2010 und 2015 bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum beantragt, hat der Verein Testbiotech aus München ermittelt. 33 mal wurde der patentrechtliche Schutz für die Anwendung von Nuklease-Techniken beantragt – dazu gehören CRISPR-Cas oder die Zinkfingernukleasetechnik. 20 Anträge bezogen sich auf RNA-Interferenz-Techniken (RNAi), zwölfmal wurde der Gebrauch von synthetischen Oligonukleotiden als geistiges Eigentum beansprucht.

Ganz vorne dabei: die Agrochemiekonzerne Dow und Dupont – die zudem bereits eine Fusion beschlossen haben. Auch Bayer, Monsanto und Syngenta haben bereits mehrere Patentanträge gestellt. Es sind just jene fünf Unternehmen, die bereits heute gut die Hälfte des kommerziell gehandelten Saatguts kontrollieren – und zahlreiche Patente auf gentechnisch veränderte sowie konventionell gezüchtete Pflanzen halten. Anders als traditionelle Züchter und kleine Technologiefirmen hätten die Konzerne die Ressourcen, nicht nur einzelne Patentanträge zu stellen, sondern auch „Serien von strategischen Anträgen“ und die damit einhergehenden, kostspieligen Rechtsstreitigkeiten durchzustehen, meint Testbiotech. Zudem hätten sie es dank der bestehenden Infrastruktur wesentlich leichter, Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen.

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08.03.2016 |

Recht auf Nahrung nicht ohne Frauenrechte umsetzbar

In Afrika übernehmen Frauen einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit, Foto: flickr. com / IFPRI Images (CC BY-NC-ND 2.0) In Afrika übernehmen Frauen einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit, Foto: flickr. com / IFPRI Images (CC BY-NC-ND 2.0)

Zum internationalen Frauentag verweist die Menschenrechtsorganisation FIAN Deutschland darauf, dass Frauen und Mädchen sehr viel häufiger von Hunger und Armut betroffen sind. 70 Prozent und vor allem Bewohnerinnen ländlicher Regionen leiden dabei unter mehrfacher Diskriminierung – sozialer, politischer und gesetzlicher Natur. Aber auch, was die Unterstützung durch Projekte internationaler Entwicklungszusammenarbeit betrifft.

„Obwohl Frauen in den meisten Ländern für die Ernährung ihrer Familien verantwortlich sind, haben sie häufig keinen gleichberechtigen Zugang zu Land, landwirtschaftlichen Förderprogrammen oder Krediten“, erläutert FIAN-Referentin Gertrud Falk. Durch die zunehmende Ausrichtung von Entwicklungsprogrammen auf exportorientierte und industrialisierte Landwirtschaft wird insbesondere Frauen die Möglichkeit genommen, Nahrungsmittel zur Selbstversorgung anzubauen. Durch die Verknappung landwirtschaftlicher Flächen durch Landnahme und großflächige Infrastrukturprojekte im globalen Süden verlieren vor allem Frauen ihre Existenzgrundlage. Denn aufgrund gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen sind sie für die Versorgung von Kindern, behinderten und alten Familienangehörigen zuständig. Sie können daher nicht im gleichen Ausmaß auf andere Einkommensquellen ausweichen wie Männer. „Frauenrechte werden auf diese Weise gerade auch durch vermeintliche Entwicklungsprojekte mehrfach verletzt“, ergänzt Falk.

Hilal Elvers, die Sonderberichterstatterin zum Recht auf Nahrung der Vereinten Nationen, weist zudem in ihrem neuesten Bericht darauf hin, dass die starke Ausrichtung internationaler Entwicklungszusammenarbeit auf technische Fortbildungen außer Acht lässt, dass Frauen vor allem Zugang zu Land und ausreichenden finanziellen Ressourcen benötigen, um sich und ihre Familien zu versorgen.

Landwirtschaftsprojekte sollen daher im Vorfeld besonders auf die menschenrechtlichen Folgen für Frauen geprüft und betroffene Frauen insbesondere in die Planung entsprechender Projekte mit einbezogen werden.

26.02.2016 |

Regierungsprogramm für nachhaltigen Konsum

Äpfel aus Hessen statt aus Neuseeland, Foto: flickr, Peter Sieling (CC BY-ND 2.0) Äpfel aus Hessen statt aus Neuseeland, Foto: flickr, Peter Sieling (CC BY-ND 2.0)

Konsumentscheidungen von Privathaushalten seien für einen Großteil des Ressourcenverbrauchs und der Umweltbelastungen verantwortlich. Deshalb beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch ein „Nationales Programm für nachhaltigen Konsum“. Verankert worden seien dabei „Leitideen“, die relevante Handlungsfelder benennen und den notwendigen Strukturwandel in Gesellschaft und Wirtschaft anregen sollen. Kritik an dem 50seitigen Dokument kam vom Naturschutzbund (NABU) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ), da im Dokument kaum wirksame Maßnahmen vorgestellt würden.

Die Publikation ist ein ressortübergreifendes Papier, unter Beteiligung des Bundesumweltministeriums, des Agrarministeriums und des Bundesverbraucherschutzminisiteriums. Das sei begrüßenswert, dennoch lese es sich „eher wie eine Wunschliste, als ein ernst gemeinter und wirkmächtiger Plan“, so Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer. In den Bereichen Mobilität, Ernährung, Wohnen und Haushalt, Arbeit und Büro, Bekleidung sowie Freizeit und Tourismus sollen eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen werden und Handlungsansätze erarbeitet werden.

Laut der Autoren sei der Bereich Ernährung von maßgeblicher Wichtigkeit für das Konzept eines nachhaltigen Konsums, da allein 13 Prozent der CO2-Emmission bei Anbau, Verarbeitung, Transport und Zubereitung sowie durch (Lebensmittel-)Abfall anfallen. Zugleich sorge die Landwirtschaft auch für den Verlust von Biodiversität und belaste Gewässer, Luft und Böden – oder das Gegenteil, je nach Form der Landwirtschaft.

Folgende Leitideen ergeben sich daraus: Für die Ernährungsbildung in Kitas und Schulen soll mehr Informationsmaterial zur Verfügung gestellt und es sollen Vernetzungsstellen geschaffen werden. Im Bereich Landwirtschaft sollen bereits laufende Programme wie die Tierwohl-Initiative, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) und die Eiweißpflanzenstrategie (EPS) weiterhin unterstützt werden. Zugleich sei eine Stärkung der Wertschätzung von Lebensmitteln und die Reduzierung von vermeidbaren Lebensmittelabfällen zu durch VerbraucherInnen zu fördern, etwa durch das Programm „Zu gut für die Tonne“. Und schließlich spricht sich das Papier für den Ausbau der Regionalität aus, was Transportwege verkürzen und die Saisonalität von Obst und Gemüse einbeziehen würde.

25.02.2016 |

Unkrautvernichter Glyphosat in Bier nachgewiesen

Im Bier: Wasser, Hopfen, Malz und Glyphosat;  Foto: flickr.com, leisergu,  (CC BY 2.0) Im Bier: Wasser, Hopfen, Malz und Glyphosat; Foto: flickr.com, leisergu, (CC BY 2.0)

Das Umweltinstitut München e.V. hat die 14 beliebtesten Biersorten auf dem Markt von einem Labor auf Rückstände des Ackergifts Glyphosat testen lassen. In allen Proben konnte das Herbizid nachgewiesen werden. Die Messwerte lagen zwischen 0,46 Mikrogramm pro Liter (µg/l) und 29,74 µg/l – die Höchstwerte lagen ein 300faches über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser, der bei 0,1 µg/l liegt. Trotzdem will die EU-Kommission die Zulassung um weiter 15 Jahre verlängern.

Glyphosat ist das in der Welt am häufigsten eingesetzte Herbizid und steht in scharfer Kritik, da es von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ und hormonell wirksam eingestuft wurde. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht hingegen keine Gefahr für die Gesundheit von Verbrauchern, wenn Glyphosat bestimmungsgemäß angewendet würde. Zivilgesellschaftliche Kritiker werfen dem BfR deshalb vor, nur industriefinanzierte Studien zu berücksichtigen, was das Institut verneint.

Die Bier-Studie des Umweltinstituts ist nicht die erste, die belegt, dass Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Lebensmittel nachgewiesen werden können und über die Nahrung in den Körper gelangen. Bereits 2013 wurden in einer Studie des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Getreide und Mehl positiv auf das Spritzgift getestet. Weiterhin wiesen Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) im Februar 2016 bei bis zu 60 Prozent der Deutschen das Pestizid im Körper nach.

Die Studienergebnisse veranlassten in den letzten Monaten eine Reihe von Baumärkten, darunter Obi, Toom und Hornbach, das Pflanzenschutzmittel aus dem Sortiment zu nehmen. Auch haben sich vereinzelt Städte wie Tübingen und Hamburg von dem Einsatz des Unkrautvernichters auf öffentlichen Flächen verabschiedet.

Im Sommer läuft die derzeitige Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union (EU) aus – über eine Neuzulassung wird in den nächsten Wochen verhandelt. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament, gibt an, dass das EU-Parlament am 7. und 8. März eine Entscheidung bezüglich der Zulassungsverlängerung des Herbizids treffen will. Seiner Ansicht nach ist mit einer Zustimmung, entgegen aller bekannten Risiken zu rechnen, die Verlängerung würde dann bis ins Jahr 2031 reichen. „Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids, Monsanto“, bemängelt der Politiker. Am Donnerstag werden die Grünen einen Antrag zur Ablehnung der Wiederzulassung in den Bundestag einbringen.

22.02.2016 |

Runter mit der Menge, rauf mit dem Preis

Traktoren blockieren die größte deutsche Molkerei, Foto: AbL Traktoren blockieren die größte deutsche Molkerei, Foto: AbL

Seit heute Morgen blockieren Milchbauern mit 30 Traktoren die Zufahrt zum Werk des Deutschen Milchkontors (DMK), der größten deutschen Molkerei. Am morgigen Dienstag treffen sich Vertreter des DMK zu einer außerordentlichen Vertreterversammlung. Die Bauern nutzen diesen Moment, um sich gegen die seit Mitte 2014 um 13 Cent gefallenen Auszahlungspreise für den Liter Milch zu protestieren. Sie fordern von der Molkerei ihre Marktmacht zu nutzen, die Bauern zu unterstützen und ihnen Boni für einen Produktionsstopp auszuzahlen.

"Die Milchbauern stecken in einem Teufelskreis. Viele reagieren auf die stark gefallenen Milchpreise, indem sie immer mehr Milch erzeugen, um noch irgendwie zahlungsfähig zu bleiben. Die weiter ansteigenden Milchmengen drücken aber die Milcherzeugerpreise für alle Betriebe noch tiefer in die Verlustzone. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, braucht es eine übergeordnete, überbetriebliche Instanz. Die Bauern sind bereit, dann mitzuziehen. Wenn nicht bald gehandelt wird, verlieren wir Tausende Milchviehbetriebe, die eigentlich gesund sind und eine gute wirtschaftliche Zukunft verdienen“, beschreibt Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Ostfriesland und stellvertretender AbL-Vorsitzender, die Situation.

In den Niederlanden hatte die größte Genossenschaftsmolkerei Friesland-Campina einen Bonus für das Absenken der Milcherzeugung den einzelnen Milchviehbetrieben ausgezahlt. Über sechs Wochen erhielten dortige Milcherzeuger je 2 Cent pro Liter gleichgebliebener oder reduzierter Milchmenge. Das sorgte dafür, dass sich etwa 60 Prozent der Milcherzeuger an dem Programm beteiligten und die produzierte Milchmenge um 35 Millionen Liter fiel. Auch EMMI, die größte Molkerei der Schweiz, kündigte an, im März und April 10 Rappen (etwa 9 Cent) Boni für Mengenreduzierung auszuzahlen. Die Maximalmenge liegt bei der Hälfte der Vorjahrsproduktion.

„Die Milchbauern sind bereit. Es braucht aber eine überbetriebliche Koordination, damit eine Mengenreduzierung des einzelnen nicht verpufft. Das DMK hat die Größe und die Marktmacht, hier in Deutschland voranzugehen und damit auch ein klares Zeichen in weitere europäische Länder und in Richtung Berlin und Brüssel zu setzen. Runter mit der Menge, rauf mit dem Preis!“, fasst Ilchmann die Situation auf dem deutschen Milchmarkt zusammen. Die DMK solle bei ihrer Versammlung am Dienstag Beschlüsse im Sinne der Milcherzeuger fassen. Dabei sollten auch Bund und Länder Molkereien unterstützen, dass befristete Mengenreduzierungen realistisch umsetzbar würden.

17.02.2016 |

Öffentliche Täuschung bei privatem Konzernklagerecht?

TTIP wird von der Öffentlichkeit als undemokratische Bedrohung empfunden. Foto: Christian Mang / Campact TTIP wird von der Öffentlichkeit als undemokratische Bedrohung empfunden. Foto: Christian Mang / Campact

Nächste Woche beginnt in Brüssel die nächste TTIP-Verhandlungsrunde. Im Mittelpunkt wird dabei das umstrittene Konzernklagerecht stehen. Unter der Abkürzung ISDS (investor state dispute settlement) war bei den ersten Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU von privaten, internationalen Schiedsgerichts bekannt geworden. Im vergangenen Herbst legte die Europäische Kommission unter dem Namen ICS (Investment Court System) einen neuen Vorschlag zum Investitionsschutz im TTIP vor. In einer heute vorgestellten Studie belegen zivilgesellschaftliche Organisationen nun, dass diese von der EU-Kommission vorgebrachten Neuerungen eine Täuschung der Öffentlichkeit darstellen – lediglich mit neuer Etikette würden dieselben Inhalte auf den Tisch gebracht.

Die Autoren der Studie, darunter Corporate Europe Observatory, Campact, PowerShift. Forum Umwelt & Entwicklung und 13 weitere, beschreiben den “neuen” Ansatz der Kommission als PR-Übung, da mit Begriffen wie “Handeslgerichtshof” oder “Investitionsgericht” Vertrauen auf Seiten der Öffentlichkeit hergestellt werden soll. In Wirklichkeit haben diese Schiedsgerichte mit Schiedsrichtern wenig mit unabhängigen Richtern und Gerichten gemein. So formulierte auch der Deutsche Richterbund in einer Stellungnahme zum Investitionsgericht: „Weder das vorgesehene Verfahren zur Ernennung der Richter des ICS noch deren Stellung genügen den internationalen Anforderungen an die Unabhängigkeit von Gerichten. Das ICS erscheint vor diesem Hintergrund nicht als internationales Gericht, sondern vielmehr als ständiges Schiedsgericht.“

Die privaten Schiedsgerichte stehen in scharfer gesellschaftlicher Kritik, da sie es privaten Unternehmen ermöglichen, in einer Art Parallel-Justiz die Politik von Staaten zu beklagen. Damit drohen Entschädigungsklagen gegen Umwelt- oder Gesundheitsgesetze. Prominente Beispiele sind der Tabakkonzern Philip Morris, der vom Staat Uruguay wegen einer Kampagne gegen Rauchen auf Zigarettenschachteln zwei Milliarden Dollar fordert, der Energielieferant Vattenfall, der Deutschland wegen des Atomausstiegs auf 4,7 Milliarden Dollar verklagte oder der Rohstoffkonzern TransCanada, der von den USA wegen Einstellung des Keystone Pipeline-Projekts auf 15 Milliarden Dollar verlangt.

Derlei Exempel der Macht großer Konzerne trieben im Herbst letzten Jahres 250.000 Menschen in Berlin auf die Straße. „Die Menschen empfinden all diese Klagen gegen Politik zum Schutz des öffentlichen Interesses als zutiefst ungerecht und demokratiefeindlich. Nicht so die EU-Kommission: Die macht Vorschläge, mit denen genau solche Klagen weiter möglich sind. Ihr sind die Konzerne offenbar wichtiger als die Bürger Europas“, so Maritta Strasser von campact.

Die Verfasser der Studie betonen, dass es prinzipiell keine Veranlassung für eine rechtliche Sonderbehandlung ausländischer Investoren geben dürfe. Falls es Lücken im derzeitigen Rechtssystem gebe, die ausländischen Investoren keine zuverlässige Rechtssicherheit ermögliche, sei dieses Problem vom Gesetzgeber im bewährten System des nationalen und internationalen Rechts zu lösen.

16.02.2016 |

Gentechnik auf deutschen Feldern unerwünscht

Die Biofach in Nürnberg hatte 2016 so viele Besucher wie nie zuvor Die Biofach in Nürnberg hatte 2016 so viele Besucher wie nie zuvor

Auf der größten Bio-Lebensmittelmesse der Welt, der Biofach in Nürnberg, wurde heute auch über Gentechnik und TTIP diskutiert. Einig waren sich Branchenvertreter und Experten der bayerischen sowie baden-württembergischen Regierung, dass es in Deutschland weiterhin keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen geben soll. Dafür müsse die Bundesregierung sorgen, appellierten sie an Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Bei der Beurteilung neuer Gentechnikverfahren zeigten sich die Politikvertreter allerdings wesentlich offener als die Öko-Produzenten.

Dass in Deutschland in den letzten Jahren keine Gentechnik mehr auf dem Acker wuchs – zuletzt gab es 2011 auf kleinen Flächen einige transgene Kartoffeln von BASF – sei „ein großer Erfolg der Zivilgesellschaft“, erklärte Peter Röhrig, der den Bio-Dachverband „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW) leitet. Auch für 2016 rechne er nicht mit dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen hierzulande.

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10.02.2016 |

Gesetz zum Wegwerfstopp von Lebensmitteln

Der Deut­sche Bundestag ­ for­derte bereits 2012, das Weg­werfen bis zum Jahr 2020 auf die Hälfte zu redu­zie­ren — passiert ist aber kaum etwas. Der Deut­sche Bundestag ­ for­derte bereits 2012, das Weg­werfen bis zum Jahr 2020 auf die Hälfte zu redu­zie­ren — passiert ist aber kaum etwas.

Im Mai vergangenen Jahres schickte die französische Regierung ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg – nun ist es zum Beschluss gekommen. Französische Supermärkte mit einer Größe von über 400 Quadratmetern sind nun verpflichtet, unverkaufte Ware entweder an gemeinnützige Organisationen abzugeben oder günstiger im Laden anzubieten. Bei Verstoß drohe eine Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro oder zwei Jahre Gefängnis. So könne die Abfallmenge bis 2025 um die Hälfte gesenkt werden.

In Deutschland verwehrt sich das Agrarministerium weiterhin, gesetzlich gegen die Lebensmittelverschwendung im Einzelhandel vorzugehen. Die seit 2012 laufende Initiative „Zu gut für die Tonne“ informiert und adressiert Privathaushalte, das eigene Konsum- und Verschwendungsverhalten zu hinterfragen.

Das allein reiche allerdings nicht aus, um eine wirkliche Verbesserung zu erwirken. „Das französische Vorbild hat im letzten Jahr Zehntausende Menschen motiviert, nach der Rolle des Handels beim Wegwerfen von Lebensmitteln zu fragen. Jetzt zeigt Frankreich, dass man dort nicht bereit ist, auf freiwillige Maßnahmen der Supermärkte zu warten. Weil das Gesetz für alle Märkte ab einer bestimmten Größe gilt, ist es nun für die Händler kein Wettbewerbs-Nachteil mehr“, so Jutta Sundermann von Aktion Agrar.

Das französische Vorbild beflügelt indes den Kampf vieler Organisationen, die seit Sommer letzten Jahres mit Appellen und Unterschriftenaktionen ihre Forderung nach gesetzlichen Wegwerfstopps in die Öffentlichkeit bringen. Die Kampagne „Leere Tonne“ von Aktion Agrar, BUNDjugend, foodsharing und Slow Food Youth sammelte bereits über 40.000 Unterschriften und diskutierte am Welternährungstag sowie in der Vorweihnachtszeit mit Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen.

zur Seite von Aktion Agrar mit der Kampagne "Wegwerfstopp für Supermärkte!": www.aktion-agrar.de/wegwerfstopp/

09.02.2016 |

Fragwürdiger Rekord deutscher Schlachtunternehmen

Gewerbliche Fleischproduktion, Copyright: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016 Gewerbliche Fleischproduktion, Copyright: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016

Deutsche Schlachtunternehmen erzielten 2015 einen neuen Höchstwert: die Fleischproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25.300 Tonnen (0,3%) auf insgesamt 8,22 Millionen Tonnen. Diese Menge übersteigt nicht nur die Produktion des vorhergehenden Jahres, sondern übertrifft auch das bisher höchste Ergebnis der Gesamtschlachtmenge aus dem Jahr 2011, die damals bei 8,20 Millionen Tonnen Fleisch lag. Diese Zahlen zur Fleischerzeugung legt das Statistische Bundesamt vor.

Allein bei der Schlachtung von Schweinen nahm die Zahl des produzierten Fleisches im Vergleich von 2014 zu 2015 um 0,8% (das sind etwa 480 Tiere) zu. Dabei wurde in der ersten Jahreshälfte die Produktion so sehr gesteigert, dass die stark rückläufige Produktion des zweiten Halbjahres ausgeglichen werden konnte. (1. Halbjahr 2015: + 67 000 Tonnen; 2. Halbjahr 2015: - 23 300 Tonnen). Zugleich fiel Import von Schweinen zur Schlachtung – der Zuwachs ergab sich aus der Steigerung der heimischen Produktion. Die Schweinefleischerzeugung konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (1,9 Millionen Tonnen) und Niedersachsen (1,8 Millionen Tonnen), die 66,2 % des Schweinefleischs produzierten.

Bei Rindfleisch war die Produktionszahl mit 1,5% geschlachteten Tieren rückläufig. Führende Verarbeitungsregion ist das Bundesland Bayern (306 600 Tonnen), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (230 000 Tonnen). Erstmals seit 2006 fiel die dynamische Entwicklung bei Geflügelfleisch und die Produktion ging um 0,6% zurück.

Zur Seite des Statisches Bundesamts und der Statistik Gewerblicher Schlachtungen: bit.ly/1uuSi2k

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