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Nachrichten

28.04.2016 |

Naturbewusstsein und Landwirtschaft 2015

Bewusstsein um Verantwortung der Landwirtschaft gegenüber der Natur wächst (Foto: flickr.com, helst1 on holiday, CC BY-NC-ND 2.0) Bewusstsein um Verantwortung der Landwirtschaft gegenüber der Natur wächst (Foto: flickr.com, helst1 on holiday, CC BY-NC-ND 2.0)

Gestern erschien die Naturbewusstseinsstudie 2015 des Bundesamts für Naturschutz. Zum ersten Mal wurde sich intensiver damit beschäftigt, wie die deutsche Bevölkerung die Agrarlandschaft wahrnimmt. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus sind, dass fast allen 2000 Befragten das Wohl der Nutztiere besonders wichtig ist (93%) und dass die Auswirkungen auf die Natur bei landwirtschaftlichen Entscheidungen berücksichtigt werden sollen (92%).

Besonders hervorzuheben ist der Fakt, dass agrarpolitische Instrumente, die auf Naturschutz abzielen, besonders starken Zuspruch in der Bevölkerung finden. Selbst unter dem Hinweis, dass Subventionierungen durch Steuergelder bezahlt werden und strengere Gesetze zu einer Erhöhung der Lebensmittelpreise führen können, befürwortet die große Mehrheit sowohl strengere Regeln und Gesetze zum Schutz der Natur als auch die finanzielle Förderung einer naturverträglicheren Landwirtschaft durch den Staat.

Die Situation der Landwirte sieht unterdessen so aus, dass sich ein existenzbedrohender Preisverfall auf dem Markt für Fleisch und Milch breit macht. Laut topagrar klagt der rheinische Landwirtschaftsverband: „Den Nutztieren in Deutschland geht es heute besser als je zuvor, die Tierhaltungsstandards werden immer höher. Nur diese Mehrkosten müssen die Verbraucher nicht zahlen.“ Seit dem Wegfall der Milchquote sinkt der Milchpreis stetig und liegt aktuell bei 28 Cent/l. Der Preis für ein Kilo Schweinefleisch liegt derzeit bei 1,28 €, Tendenz fallend. Als Grund für den Preisverfall wird aktuell die Überproduktion genannt. Landwirte beklagen, dass der Handel und der Verarbeitungssektor die Überschwemmung des Marktes ausnutzen und den Preis nach unten drücken. Der Handel weist alle Schuld von sich: «Selbst wenn wir den Milchpreis um 20 Cent raufsetzen, wird das den Bauern nicht helfen», so Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Die Naturbewusstseinsstudie zeigt, dass die Verbraucher sehr wohl bereit sind den Preis für ihre Forderungen nach mehr Tierwohl und naturschützender Ausgestaltung der Landwirtschaft zu zahlen. Die meisten Landwirte sind schon seit Jahren bereit sich den Wünschen der Verbraucher anzupassen und mehr Tierwohl umzusetzen und die Landwirtschaft wieder natur-, und umweltfreundlicher sowie bäuerlicher auszugestalten. Höhere Auflagen müssen den Landwirten entgolten werden und der Verbraucher muss, z.B. durch eine bessere Kennzeichnung der Form der Tierhaltung auf den Produkten, wählen können.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die sich schon lange für höhere Erzeugerpreise stark macht, sieht klare Verantwortungen: „Es geht nicht an, dass Handelskonzerne mit ihrer Teilfinanzierung einer „Initiative Tierwohl“ werben und sich gleichzeitig durch Preissenkungen ein Mehrfaches der für den Tierwohl-Fonds gespendeten Summen wieder hereinholen!“, so AbL-Sprecher Eckehard Niemann. Des Weiteren forderte die AbL schon im vergangenen Jahr Handels- und Verarbeitungsunternehmen auf, die gesellschaftlich immer stärker eingeforderten politischen Maßnahmen zugunsten fairer Preise für eine artgerechtere Tierhaltung in bäuerlichen Strukturen nicht weiter zu behindern, sondern endlich ihrer Verantwortung für „Klasse statt Masse“ gerecht zu werden.

27.04.2016 |

Ernährungsrat Berlin gegründet

Handbuch zum Ernährungsrat von INKOTA Handbuch zum Ernährungsrat von INKOTA

Am vergangenen Freitag wurde in Berlin der Ernährungsrat für eine zukunftsfähige Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik in der Region Berlin/Brandenburg gegründet. Er bildet die Plattform aller lokal und regional tätigen Akteure, die einen Wandel des lokalen Ernährungssystems einleiten möchten. Der Ernährungsrat hat sich zur Aufgabe gemacht dafür gemeinsame Ziele und Strategien zu entwickeln und diese in Form politischer Aktivitäten und Aktionen umzusetzen. Der Ernährungsrat Berlin möchte dabei eng am Konzept der Ernährungssouveränität arbeiten. Das bedeutet u.a., dass lokale Märkte gestärkt werden sollen, dass faire Preise zu existenzsichernden Einkommen beitragen und Ressourcen nachhaltiger eingesetzt werden.

Die Idee zur Gründung eines Ernährungsrats entstand aus dem Bewusstsein darum, dass heutige Lebens-und Konsumstile weder nachhaltig noch gerecht sind. Politisch wird dem oft zu wenig entgegen gewirkt und alternativen Ideen werden in Form bürokratischer Strukturen und gesetzlicher Hürden oft Steine in den Weg gelegt, so dass sie am Ende wenig politische Schlagkraft haben.

Die Idee der Ernährungsräte stammt aus dem amerikanischen Raum. Der erste Rat soll dort bereit 1982 entstanden sein. Mittlerweile werden sie als wichtiges Instrument zur Gestaltung von Ernährungssystemen auf lokaler Ebene und zur Gestaltung von Stadtpolitik gesehen. Ein Ernährungsrat hat den Vorteil, dass durch die Vernetzung verschiedener Akteure eines Ernährungssystems, wie Erzeuger, Verarbeiter, Verbraucher und Politik, die unterschiedlichen Thematiken systematisch miteinander verknüpft werden. Durch den kooperativen Ansatz können sowohl Ernährungspolitik als auch Regional- und Stadtentwicklung wieder lokaler und unabhängiger gestaltet werden.

Bei der feierlichen Gründungsveranstaltung des Ernährungsrats Berlin im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in Berlin-Moabit wurden 12 Sprecherinnen und Sprecher gewählt, die den Ernährungsrat nach außen repräsentieren und die inhaltliche Linie begleiten. Berlin ist damit nach Köln die zweite Stadt in Deutschland, die einen Ernährungsrat hat. Weitere Ernährungsräte sind geplant, u.a. in Hamburg, Leipzig und Kassel. Berlin gehört zu weltweit 100 Städten, die im Oktober 2015 den „Milan Urban Food Policy Pact“ unterschrieben und sich damit zu einer nachhaltigen und sozial gerechte Ernährungspolitik verpflichtet haben.

25.04.2016 |

Zehntausende gegen TTIP & CETA

Landwirte führten den Protestzug gegen TTIP an. (c) Gerhardt/vip-pressefoto.de Landwirte führten den Protestzug gegen TTIP an. (c) Gerhardt/vip-pressefoto.de

Am Vortag des Treffens von US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Hannover Messe rief ein breites Bündnis von Aktivistennetzwerken, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, Jugendverbänden, Wohlfahrts-, Sozial- und Kulturverbänden, Gewerkschaften, Bürgerrechts- und kirchlichen Organisationen zur Demo gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA auf. Mit rund 90.000 Protestierenden sei die erwartete Teilnehmerzahl weit überschritten worden, so die Veranstalter.

„TTIP und CETA gefährden demokratische, ökologische und soziale Standards und sollen eine konzernfreundliche Paralleljustiz schaffen“, erklärten die Organisatoren. „Dagegen protestieren Menschen aus ganz Europa und von jenseits des Atlantiks gemeinsam.“ Besonders für die Landwirtschaft sei die Situation bedrohlich. Die Bauern fürchten unter anderem, dass „ die Amerikaner ihre Produkte günstiger anbieten können, weil sie geringere Umweltstandards haben“, so der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Martin Schulz.

Ganz aktuell wurden die Bundesregierung und das Europäische Parlament von den Rednern dazu aufgerufen dem gerade fertig verhandelten CETA-Entwurf nicht zuzustimmen. Umfassende internationale Verträge müssten transparent verhandelt werden und den Schutz von Demokratie und Rechtsstaat gewährleisten.

Für den Herbst 2016 kündigten die Organisatoren weitere Demonstrationen in mehreren deutschen Städten an. „Nachdem in Berlin im letzten Oktober eine Viertelmillion Menschen gegen TTIP und CETA auf die Straße gegangen sind, tragen wir den Widerstand gegen die demokratiegefährdenden Abkommen nun in die Breite“, so das Bündnis.

22.04.2016 |

Wird CRISPR/Cas die Gentechnik-Kennzeichnung bekommen?

Wir-haben-satt-Demo 2015 (Foto: Die Auslöser) Wir-haben-satt-Demo 2015 (Foto: Die Auslöser)

Nur wenige Tage, bevor in New York die nächste Verhandlungsrunde über das TTIP-Abkommen beginnt, sind interne Dokumente an die Öffentlichkeit gelangt. Diese zeigen: die USA drängen die EU, neuartige Gentechnik-Verfahren wie CRISPR möglichst schnell durchzuwinken – ohne Risikoprüfung. Die von Brüssel mehrmals verschobene Entscheidung würde der Industrie wohl gar nicht schmecken: die Vermerke und Briefe lassen vermuten, dass die EU dazu tendiert, die „Genome Editing“-Verfahren als Gentechnik zu regulieren.

Aus den Dokumenten geht hervor: die EU-Kommission wollte ihre Entscheidung darüber, ob eine Reihe von „Neuen Pflanzenzuchttechniken“ unter das Gentechnik-Recht der Union fallen, eigentlich schon im November bekannt geben. US-Vertreter bekamen Wind davon, dass Brüssel eines dieser „Genome Editing“-Verfahren, nämlich die Oligonukleotid-gesteuerte Mutagenese, als Gentechnik einstufen würde.

Das würde die Pläne der amerikanischen Firma Cibus durchkreuzen, ihren mit dieser Methode entwickelten Raps – er ist gegen Spritzmittel resistent – schnell und unkompliziert auf europäische Felder zu bringen. Die US-Delegation äußerte daraufhin ihren Unmut gegenüber der Kommission. Diese verschob ihre Entscheidung auf Ende des Jahres, schließlich erneut auf Ende März. Passiert ist bis heute nichts.

„Die Kommission darf nicht einknicken und muss neue gentechnische Verfahren schnellstens als das regulieren, was sie sind: Gentechnik“, fordert Dirk Zimmermann, Gentechnik-Experte von Greenpeace. Für die USA sind die Exporte von landwirtschaftlichen Produkten nach Europa – darunter gentechnisch veränderte Futtermittel wie Soja und Mais – ein zentrales Anliegen. Washington wird Brüssel deshalb weiter beackern. Am Wochenende wird zudem US-Präsident Barack Obama zur Messe in Hannover erwartet – TTIP-Gegner rufen zu einer großen Protestdemo gegen den Abschluss des Freihandelsabkommens auf.
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19.04.2016 |

Agrarministerkonferenz für Milchmengenbeschränkung

Landwirte und Molkereien sind künftig dazu angehalten die angebotene Milchmenge zu reduzieren (Foto: flickr.com, Martin Abbeglen, CC BY-SA 2.0) Landwirte und Molkereien sind künftig dazu angehalten die angebotene Milchmenge zu reduzieren (Foto: flickr.com, Martin Abbeglen, CC BY-SA 2.0)

Bei der diesjährigen Frühlingsagrarministerkonferenz (AMK) vom 13.-15 April ging es u. a. darum eine Lösung für die existenzbedrohende Marktsituation im Milchsektor zu finden. Bund und Länder rufen den Milchsektor zu freiwilligen Mengenbeschränkungen auf. Dafür gibt es eine Frist bis zum Sommer. Sollte es in dieser Zeit nicht zu einer spürbaren Drosselung kommen, so wird es zu einer zeitlich befristeten, entschädigungslosen Mengenreduzierung kommen. Die Agrarminister waren sich einig darüber, dass das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot nur über die Reduzierung der angebotenen Milchmenge zu regulieren sei.


Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ließ in der Pressekonferenz erkennen, dass er den Auftrag der Agrarministerkonferenz, Gelder für eine Mengenreduzierung bereit zu stellen, bzw. diese bei der EU einzuwerben, zwar pflichtgemäß ausführen will, in der Sache aber nicht überzeugt ist. Unter dem Gesichtspunkt der freiwilligen Mengenregulierung ruft Minister Schmidt Molkereien und Landwirte dazu auf sich die erleichterten Rahmenbedingungen hinsichtlich Preis-und Mengenabsprachen zu Nutze zu machen. In der kommenden Woche beschließt das Bundeskabinett das Agrarmarktstrukturgesetz, welches diese Bedingungen liefern soll.


Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte die Beschlüsse der AMK und sprach von einem „großen Fortschritt“. „Milcherzeuger, die den übervollen Milchmarkt nicht noch weiter mit Mehrmenge belasten, müssen über einen Bonus honoriert werden, und einen Malus müssen die zahlen, die nicht einsehen wollen, dass in dieser Krise alle ihren Beitrag zur Marktentlastung leisten müssen“, erläutert Ottmar Ilchmann, Milchbauer in Ostfriesland und stellvertretender Bundesvorsitzender der AbL. Kritik kam hingegen vom Deutschen Bauernverband (DBV). "Wiederholte Diskussionen über nationale Begrenzung der Milchproduktion sind im EU-Binnenmarkt völlig wirkungslos. Sie wecken darüber hinaus Hoffnungen, die nicht erfüllt werden können“, so der Vizepräsident des DBVs, Udo Folgart. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) hingegen wies darauf hin, dass sich die vorgeschlagenen Maßnahmen mit den Vorstellungen der EU-Kommission deckten. Niedersachsens Ressortchef Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) zeigte sich auch mit der Zustimmung der AMK zu dem von Niedersachsen verlangten "Bonusprogramm Milch" zufrieden. Es solle für Molkereien und Milcherzeuger gelten, die ihre Milchmenge nach dem Modell der Molkerei FrieslandCampina nennenswert drosseln und dafür mit einem Bonus honoriert werden.

14.04.2016 |

Volksbegehren und Landesregierung finden Einigung

Nach langen Verhandlungen wurde im Volksbegehren eine Einigung erzielt (Foto by Kurt Wilhelmi, flickr.com, CC BY-SA 2.0) Nach langen Verhandlungen wurde im Volksbegehren eine Einigung erzielt (Foto by Kurt Wilhelmi, flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Kurz vor der Landtagssitzung am 19. 4., bei der über Annahme oder Ablehnung des Volksbegehrens entschieden worden wäre, ist es in den vorrangegangenen Verhandlungen zwischen dem Aktionsbündnis Agrarwende und den einzelnen Landtagsfraktionen zu einer Einigung gekommen. Die Landesregierung wird das Volksbegehren unter Abänderung einiger Punkte annehmen. Der Volksentscheid wird folglich nicht stattfinden.

Das Volksbegehren gegen Massentierhaltung hatte im Januar 2016 die benötigten 80.000 Unterschriften gesammelt und konnte damit den Antrag erneut vor dem Landtag einbringen. Die Kernforderungen wie das Verbot des Kupierens von Schwänzen und Schnäbeln, die ausschließliche Förderung von artgerechten Haltungssystemen, der Einsatz eines Tierschutzbeauftragten und die Einführung des Verbandsklagerechts für Tierschutzverbände wurden letztendlich von 103.000 Brandenburgern unterstützt.
Die zentralen Elemente der Einigung umfassen die Erarbeitung eines Tierschutzplans mit dem Ziel, dass das Kupieren bis 2019 verboten, die Anwendung von Antibiotika weiter reduziert und die Haltungsbedingungen allgemein verbessert werden sollen. Die Schaffung eines Landestierschutzbeauftragten soll das Tierwohl, besonders in sehr großen Mastanlagen, sicherstellen und kontrollieren. Er soll unabhängig und nicht weisungsgebunden als Anlaufstelle für Bürger und Verbände fungieren und Missständen nachgehen. Mit dem Einbau von Filteranlagen ab 10.000 Mastschweinen sollen Investoren durch einen hohen Investitionsbedarf abgeschreckt werden. Zudem sieht die Einigung vor, dass Förderungen künftig flächengebunden vergeben und gedeckelt werden. Lediglich das Verbandsklagerecht konnte nicht durchgesetzt werden. „Es schmerzt, dass wir es nicht geschafft haben, die SPD davon zu überzeugen, dass es sich um ein verfassungsrechtliches Grundrecht und somit Selbstverständlichkeit in einem Rechtsstaat handelt.“, so Ellen Schütze, stellvertretende Vorsitzende des Brandenburger Tierschutzbundes.

Bauernverband und Bauernbund sehen in der Einigung einen faulen Kompromiss. Laut Bauernbund-Vorstand Reinhard Benke schaffe man „weitere Verbote und Vorschriften mit denen der Staat den Bauern künftig noch mehr in die Produktion reinreden kann.“ Man sehe nicht, wie Großmastanlagen künftig verhindert werden sollten, wenn die Auflagen für alle Bauern gelten. Der Bauernbund hatte vorgeschlagen ausschließlich sehr großen Mastanlagen die Baugenehmigung zu verwehren.

Am 19. 4. wird das Ergebnis parlamentarisch beschlossen. Das Aktionsbündnis wolle vor allem den Prozess um die Erarbeitung des Tierschutzplans konstruktiv begleiten und die Umsetzung der beschlossenen Einigung kritisch verfolgen.

12.04.2016 |

Neue Gentechnik in der Öko-Landwirtschaft?

Foto: flickr.com, Hiltrud Möller-Eberth, (CC BY 2.0) Foto: flickr.com, Hiltrud Möller-Eberth, (CC BY 2.0)

Während die EU-Kommission nach wie vor darüber entscheidet, ob die neuartigen Gentechnikverfahren wie CRISPR-Cas als Gentechnik einzustufen sein, entfacht die Debatte unter den Öko-Verbänden gerade neu. Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FibL), hatte gegenüber verschiedenen Medien das Potenzial der neuen Technologien hervorgehoben. Öko-Verbände und Gentechnik-Kritiker sprechen sich vehement dagegen aus.

In einem in der taz erschienenen Interview betonte der vormalige Gentechnik-Gegner Niggli, dass die neuen Verfahren nicht insgesamt als Technik abzulehnen seien, sondern einzeln je nach Anwendung betrachtet werden müssten. Vor allem im Bereich Krankheitsresistenzen bei Pflanzensorten sei sinnvoller Gebrauch denkbar. Zugleich sieht er in den neuen Züchtungsverfahren eine „demokratische Methode“ der Gentechnik – nachdem die alte Gentechnik wegen ihrer enormen Kosten nur von großen Konzernen finanzierbar war.

Für Jan Plagge, Präsident von Bioland, ist CRISPR-Cas ein „absolutes No-Go“. Es sei eindeutig als Gentechnik einzustufen und deshalb laut Vorsorgeprinzip auch als solches zu kennzeichnen und zu behandeln. „Die Natur und auch die Kulturpflanzen stehen in zahllosen Wechselwirkungen, darin ist die Steuerung durch die Gene ein wichtiges Element“ fasst Plagge die Bedenken gegen die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen in die Umwelt zusammen.

„Der Ökolandbau verfolgt eine ganzheitliche Strategie für die Ernährung der Menschen, die im Einklang mit ökologischen Prinzipien steht. Gentechnische Verfahren sind deshalb im ökologischen Landbau nicht erlaubt“, so der Verband Demeter in einer Stellungnahme. „Nach allem was wir darüber bisher wissen, sollten gentechnisch veränderte Organismen in geschlossenen Systemen verbleiben und sich nicht unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten.“, äußert sich die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, die sich für die ökologische Saatgutforschung einsetzt.

Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft, warnt gegenüber Deutschlandradio Kultur vor einem „naiven Fortschrittsglauben“. Von ihren großen Versprechungen habe die Gentechnik in Bezug auf die Welternährung wenige Lösungen anbieten können, die über Erhöhung des Herbizid-Einsatzes hinausgingen. Neben einer gründlichen Risikobewertung für Gesundheit und Umwelt müssten gentechnisch veränderte Organismen rückverfolgbar und rückholbar sein. Daneben sei die Wahlfreiheit von Bauern und Verbrauchern, solche Produkte vermeiden zu können, ausschlaggebend.

11.04.2016 |

Höfe schließen, Gummistiefel bleiben leer

Gummistiefelaktion im Vorfeld zur Agrarministerkonferenz, Foto: A. Volling Aktion im Vorfeld zur Agrarministerkonferenz, Foto: A. Volling

Immer mehr Gummistiefel bleiben leer und ungenutzt, da immer mehr Höfe ihre Tore schließen müssen – so die Aussage der symbolischen Aktion vor dem Schweriner Agrarministerium am letzten Freitag. Im Vorfeld zur Agrarministerkonferenz (AMK) in Göhren-Lebbin, in Mecklenburg-Vorpommern, brachten Landwirte und Aktivisten ihren Protest gegen die derzeitige Agrar- und Handelspolitik zum Ausdruck. Sie fordern, dass der dramatischen Situation auf den Höfen endlich wirksam entgegen gesteuert werden muss.

3.200 Milchviehbetriebe haben im letzten Jahr aufgeben müssen, die bestürzende Zahl legen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Aktion Agrar und Attac vor. Dies kommt nicht von ungefähr: Die Preise, die mittlerweile für den Liter Milch von den Molkereien ausgezahlt werden, decken die Kosten längst nicht mehr, sie sind im Vergleich zu 2014 um 40 Prozent gesunken. Der Markt wird überschwemmt, mit immer mehr Milch, weil der Einkommensrückgang über mehr Menge ausgeglichen versucht wird.

„Wir müssen runter von den Überschüssen, und zwar mit Vernunft und koordiniert. Wir Bauern sind bereit dazu.“, fordert Martin Schulz, selbst Landwirt und AbL-Bundesvorsitzender. Deswegen sollten Molkereien auch Betriebe mit Boni belohnen, die ihre Produktionsmenge freiwillig zurückfahren. Bund und Länder müssten sie dabei in ihren Möglichkeiten unterstützen. „Wer in Politik und Wirtschaft dagegen weiter nur abwartet, der drängt bewusst Tausende gesunde Betriebe zum Aufgeben. Das ist eine brutale Wertevernichtung.“, so Schulz weiter.

Auch die Handelsketten seien gefordert, die Molkereien zum aktiven Überschussabbau zu bewegen. „Anstatt einen Preiskampf bei Lebensmitteln auszurufen, sollte der Handel von denjenigen Molkereien und Schlachthöfen beziehen, die auf besondere Qualitäten und Mengenvernunft setzen. Einfach fünf Cent mehr je Kilo sind uns zu wenig, es geht um Verantwortung für die bäuerliche Landwirtschaft“, so Ottmar Ilchmann, Milchbauer und stellvertretender AbL-Vorsitzender.
Die AMK findet zweimal jährlich unter wechselndem Vorsitz statt. In diesem Jahr trägt ihn Minister Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern. Neben der Frage nach der Bewältigung der Milchkrise und der andauernden Preiskrise auf dem Fleischmarkt stehen u.a. Opt-Out-Regelung, Glyphosat und Ökokontrollverfahren auf der Tagesordnung.

07.04.2016 |

Monsantos Baumwolle ungewollt

Qualitätsmaßstab bei Baumwolle ist die Faserlänge (Foto: flickr.com, chapstickaddict, (CC BY-NC-ND 2.0)) Qualitätsmaßstab bei Baumwolle ist die Faserlänge (Foto: flickr.com, chapstickaddict, (CC BY-NC-ND 2.0))

Monsanto hat als einer der größten Saatgut- und Chemiekonzerne den afrikanischen Saatgutmarkt relativ flächendeckend erschlossen, doch in Nigeria und Burkina Faso regt sich Widerstand gegen die von Monsanto verkaufte gentechnisch veränderte Baumwolle. Schadenersatzforderungen und deutliche Ablehnung schlagen dem Konzernriesen entgegen. Im Herbst wird er wegen "Ökozid" angeklagt.

83 Millionen Dollar fordert Burkina Faso von Monsanto als Ausgleich für die Umsatz-Einbuße, die durch das vom Konzern verkaufte, gentechnisch veränderte Baumwoll-Saatgut entstanden seien. Die schädlingsresistent gemachte Baumwolle lieferte zunächst höhere Ernteerträge, jedoch stellte sich bald heraus, dass die Qualität der Fasern rapide abnahm. So fielen die Preise, die die Bauern für die Wolle erzielen konnten. Für diese Ausfälle solle Monsanto nun zur Rechenschaft gezogen werden. In der kommenden Anbauperiode wollen die Bauern die Monsanto-Baumwolle wieder durch konventionelle ersetzen.

Mit dem Wissen von den Geschehnissen im Nachbarland wehren sich in Nigeria 100 Bürgerinitiativen und 5 Millionen Zivilisten gegen einen Zulassungs-Antrag Monsantos im eigenen Land. Sie wollen die Einführung der Gentechnik-Baumwolle und von Gen-Mais stoppen. Es sind auch die Bedenken gegenüber dem Ackergift Glyphosat, das von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft wurde, die den Widerstand schüren. Die Monsanto-Kritiker befürchten, dass die Behörden trotz anderslautender Ankündigungen die Zulassung befürworten könnten.

Im Oktober 2016 soll Monsanto in Den Haag zudem der Prozess gemacht werden. Das „Monsanto Tribunal“ klagt den Konzern wegen Verbrechen gegen die Umwelt in Form des Ökozids an. Ziel ist es, die Statuten auf die sich der Internationale Strafgerichtshof beruft zu reformieren, sodass natürliche und juristische Personen für Schäden an Mensch und Umwelt verantwortbar gemacht werden können.

06.04.2016 |

Initiative Tierwohl verzichtet weiterhin auf Kennzeichnung von Produkten

Fleisch aus tierwohlverbesserter Haltung soll weiterhin nicht gesondert gekennzeichnet werden (Foto: flickr.com, mappe-cn, CC BY-ND 2.0) Fleisch aus tierwohlverbesserter Haltung soll weiterhin nicht gesondert gekennzeichnet werden (Foto: flickr.com, mappe-cn, CC BY-ND 2.0)

Ab April kann der Lebensmitteleinzelhandel verstärkt auf die Teilnahme an der Initiative Tierwohl aufmerksam machen. Bisher war die Kommunikation auf Flyer und Plakate in den Märkten beschränkt. Die Produkte von Landwirten, die am Programm teilnehmen und laut Initiative mehr Tierwohl umsetzen, sollen jedoch weiterhin nicht gesondert gekennzeichnet werden. Verbraucherschützer kritisieren, dass so keine bewusste Kaufentscheidung zur Förderung der artgerechten Tierhaltung getroffen werden kann.

Künftig kann im direkten Produktumfeld, auf Verpackungen oder an der Theke auf die Inhalte der Initiative verwiesen werden, „was aber nicht bedeutet, dass das Produkt dann auch von einem der teilnehmenden Betriebe stammt“, so Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. Da es Siegel in großer Zahl gebe, wird weiterhin auf eine Kennzeichnung verzichtet. Das Wohl der Tiere solle unabhängig von der Kaufentscheidung des Verbrauchers verbessert werden. 4 Cent pro verkauftem Kilogramm Fleisch fließen in einen Fond, aus dem z.B. Stallumbauten finanziert werden. Haben Bauern sich für die Teilnahme beworben, müssen sie die Haltungsbedingungen nach Vorgabe der Initiative umsetzen.

Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer gibt gegenüber der „taz“ zu bedenken, dass ohne Kennzeichnung keine Wahlfreiheit und Honorierung des Tierschutzes durch den Verbraucher möglich ist. Nach Spiegel online kritisiert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch die Intransparenz und merkt an, dass auf Basis der Freiwilligkeit kaum einschlägige Verbesserungen in der Tierhaltung zu erzielen seien. "So lange die gesetzlichen Standards so sind wie sie sind, wird der Wettbewerb immer auf Kosten der Tiere gehen. Bei der Initiative geht es mehr ums Image und darum, Gesetze zu verhindern, als um eine nachhaltige Verbesserung.", so Luise Mölling von Foodwatch.

Der Deutsche Tierschutzbund stellt in Frage, inwiefern die Kriterien tatsächlich zur Tierwohlverbesserung beitragen werden: "Im Schweinebereich ist der bunte Strauß an Einzelmaßnahmen, aus denen der Landwirt bei der Umsetzung frei wählen kann, nicht zielführend im Sinne eines für die Tiere spürbaren, nachhaltigen Tierschutzes. Eine notwendige Beratung der Landwirte, um die Umstellungen zu begleiten, fehlt völlig." so Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes gegenüber der Badischen Zeitung.

Die Initiative Tierwohl, vom Namen her ähnlich klingend wie die Tierwohlinitiative des Bundes, umfasst Akteure der Landwirtschaft, der Fleischwirtschaft und des Lebensmitteleinzelhandels. Die Produkte sind in allen großen Lebensmitteleinzelhandelsketten wie LIDL, ALDI, Penny, EDEKA, Kaufland und anderen zu erwerben. Die Nachfrage seitens der Bauern zur Teilnahme am Programm sei laut Spiegel online sehr hoch und tatsächlich seien von 4600 Bauern nur knapp 2100 per Los ausgewählt worden. Eine Aufstockung der Abgabe bzw. des Fonds durch den Einzelhandel, um möglicherweise mehr Bauern am Programm teilhaben zu lassen, sei nicht geplant. Es gibt eine Warteliste, von der Landwirte nachrücken können, wenn die Gelder zur Verfügung stehen. Das Programm ist zunächst für drei Jahre angelegt.

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