Nachrichten
07.06.2012 | permalink
Hilft nur ein neues Wirtschaften aus der Umweltkrise?
Wie viel ist uns der Schutz der Natur wert? (Photo: Makrodepecher/pixelio.de)
In einem Interview mit „Schattenblick“ erläutert Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll Stiftung, ihre Erwartungen an den Umweltgipfel in Rio. Ein wichtiges Thema auf dem internationalen Kongress wird wohl die aufkommende Idee einer „Green Economy“ sein. Das Prinzip will Wirtschaft und Ökologie verbinden, doch was genau das bedeutet, darum wird noch gestritten. In dem Interview und ihrer jüngst erschienen Publikation „Kritik der grünen Ökonomie“ erläutert Unmüßig, es sei entscheidend ein Wirtschaftssystem aufzubauen, das ohne Wachstumszwang auskommt. Stattdessen werde bei der “Grünen Ökonomie“ bisher aber nur über technologische Lösungen diskutiert. Auch hier sollten aber andere Prioritäten gesetzt werden: „Jede Regierung im Norden und auch im Süden legt riesige Forschungsbudgets auf, um in diese Hochtechnologien zu investieren, statt auch mal Gelder beispielsweise in Forschungen zu investieren, wie angepasste, klimaresistente Pflanzen aussehen, die auch ein Kleinbauer anwenden kann. Da bin ich wieder bei der Frage, wem nutzt welche Forschung?“, so Unmüßig.
06.06.2012 | permalink
Neue Gentechnik-Zulassung droht
GVO Neuzulassungen im Juni? Foto:istockphoto-BartCo
Die europäischen Grünen berichten, in der Europäischen Union könnten Zulassungen von gentechnisch veränderten Pflanzen bevorstehen. Schon Anfang Juli könnte die Europäische Kommission den Anbau von sechs gentechnisch veränderten Pflanzen genehmigen. Die umstrittene Lebensmittelbehörde hat die Zulassung bereits befürwortet. Auf der Liste der möglichen Zulassungen steht auch der umstrittene MON 810 Mais. Als besonders bedenklich gelten die Pflanzensorten, die sowohl gegen Totalherbizide als auch Insekten resistent sind. Martin Häusling, der agrarpolitische Sprecher der Grünenfraktion in Europa, bezeichnete die Gentechnik-Zulassungen als "ein nicht kalkulierbares Risiko für Mensch und Umwelt". Eine Entscheidung des Europäischen Rates am 11. Juni, den Mitgliedsstaaten das Recht einzuräumen, Anbauverbote auf nationaler Ebene zu erlassen, könnte die Zulassungen stoppen.
06.06.2012 | permalink
Woche der Umwelt: Drängen auf Entscheidungen in Rio
Woche der Umwelt eröffnet: Bundespräsident Gauck fordert Handeln in Sachen Klimaschutz. (Foto:© DBU/Peter Himsel )
Am Dienstag eröffnete Bundespräsident Gauck die vierte „Woche der Umwelt“. Thema ist dieses Jahr vor allem die Energiewende, aber es wurde auch über die Landwirtschaft gestritten. In Hinblick auf den internationalen Erdgipfel „Rio+20“, der Ende des Monats stattfinden wird, sagte Gauck, es sei hoffnungsvoll. „Weltgipfel verändern die Welt zwar nicht von heute auf morgen. Aber dort werden Versprechen abgegeben, gemeinsame Versprechen. Versprechen, die dann die Messlatte für politisches Handeln abgeben. Das ist wichtiger denn je.“, so Gauck. Benedikt Haerlin von „Save our Seeds“ betonte die Dringlichkeit, endlich entscheidende Veränderungen in der Landwirtschaft zu vollziehen. Die Tatsache, dass die sogenannte konventionelle Landwirtschaft längst ausgedient habe, fasste er mit den einfachen Worten zusammen: „Die Party ist vorbei“. Die heutige industrielle Landwirtschaft habe nichts mehr mit der Landwirtschaft von vor 25 Jahren zu tun und sei insofern alles andere als konventionell. Sie habe sich sie vielmehr in ein System entwickelt, das nicht zukunftsfähig sei.
04.06.2012 | permalink
Agrarminister streiten über Öko-Auflagen
EU-Agrarkommissar Dacian (Foto: Volker Gehrmann)
Im dänischen Ort Horsens beraten sich gerade die Agrarminister der Europäischen Union bei einem informellen Treffen. Auf dem Programm steht Wichtiges: Die Minister beraten, wie die Agrarpolitik ab 2014 aussehen soll. EU-Agrarkommissar Ciolos, der im Oktober letzten Jahres Vorschläge vorgelegt hatte, warnte, wenn sich die Kommission, das Parlament und die Mitgliedstaaten nicht auf eine Finanzplanung für die Jahre 2014 bis 2020 einigen können, drohten den europäischen Bauern Ausfälle bei den Subventionen. Diskutiert werden wieder auch die Vorschläge des Kommissars, einen Teil der Subventionen an ökologische Kriterien zu binden. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Aigner sprach sich dagegen aus. Sie lies nun in einer Pressemitteilung erklären, sie sei angesichts der steigenden Nachfrage in Entwicklungsländern für eine Produktionssteigerung in der Landwirtschaft. Umwelt- und Entwicklungsverbände entgegnen dem, in Deutschland herrsche bereits eine Überproduktion. Um Hunger in Entwicklungsländern zu bekämpfen, bedürfe es daher einer ökologischen Entwicklung der Landwirtschaft vor Ort statt einer Produktionssteigerung in Europa.
04.06.2012 | permalink
Mit Ökolandbau aus der Hungerkrise
Besonders Kleinbauern leiden unter Lebensmittelspekulationen (Foto: Volker Gehrmann)
Wie die schweizerische Wochenzeitung „WOZ“ berichtet, versucht die NGO „Bioeconomy Africa“ in Äthiopien derzeit eine Gegenbewegung zur Intensivierung der Landwirtschaft, die der Ministerpräsident Meles Zenawi befürwortet, zu etablieren. Die Organisation hat Ausbildungszentren eingerichtet, in denen sogenannte „Vorbild-Bauern“ Techniken für einen produktiveren Anbau, eine effizientere Bewässerung, natürliche Schädlingsbekämpfung und fachgerechte Kompostierung – die Prinzipien des ökologischen Landbaus – erlernen können. Diese „Vorbild-Bauern“ verpflichten sich, ihr Wissen an mindestens 10 weitere Kleinbauern aus ihrer Region weiterzugeben. So soll ein Schneeballsystem entstehen, das die Bauern langfristig unabhängig macht und die Ernährungssicherheit garantiert. Dieses Prinzip der „Integrierten Landwirtschaft“ findet internationale Unterstützung, wie beispielsweise durch die Stiftung Biovision aus der Schweiz.
31.05.2012 | permalink
Nichts Neues aus Frankreich?
Wie geht es weiter mit der französischen Agrarpolitik? (Photo: Klicker/pixelio.de)
Nach dem Sieg des Sozialisten François Hollande bei der Präsidentschaftswahl wurden in Frankreich Ministerposten vergeben. Neuer Minister für Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft wird Stéphane Le Foll. Er war bisher Abgeordneter im europäischen Parlament und als Mitglied des Agrarausschusses tätig. Als langjähriger Büroleiter von Hollande, gilt er als enger Vertrauter des Präsidenten und sehr treu. Pressestimmen berichten, inhaltlich stehe er nicht allzu weit entfernt von seinem konservativen Vorgänger Le Maire. Auch er wolle bei der anstehenden Agrarreform darauf drängen, dass das Agrarbudget nicht gekürzt wird. Die Landwirte in Frankreich tendierten bei der Präsidentschaftswahl eher zum konservativen Kandidaten Sarkozy, wie die Tageszeitung „The Gurdian“ berichtet. Insgesamt fühlten sie sich aber von beiden Parteien schlecht verstanden und zu wenig beachtet. Beide Kandidaten hatten im Wahlkampf kein Wort über die Landwirtschaft verloren.
31.05.2012 | permalink
Imenses Vogelsterben: Zahl der Tiere hat sich halbiert
Die Zahl der Stare ist um 53% zurückgegangen. (Foto: Uwe Kunze /pixelio.de)
Die Zahl der Vögel ist dramatisch zurückgegangen. Aus dem „Pan-European Bird Monitoring Schemes“ geht hervor, dass sich die Zahl der Vögel um rund 300 Millionen Tiere im Zeitraum von 1980 bis 2009 halbiert hat, wie die Tageszeitung „The Guardian“ berichtet. Schuld daran sei der Wandel in der Landwirtschaft. Vor allem der Übergang zu immer mehr Monokulturen habe sich negativ ausgewirkt. So seien Brutplätze zerstört worden und, durch den gestiegenen Einsatz von Pestiziden, Insekten getötet worden, die den Vögeln als Futtermittel dienten. Die Schuld solle allerdings nicht bei den Landwirten selbst gesucht werden. Vielmehr sei die Agrarpolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten verantwortlich für den massiven Rückgang der Artenvielfalt. Genau diese Politik werde jetzt aber auch in den östlich gelegenen Mitgliedstaaten der EU verfolgt, befürchten die Wissenschaftler. Darum blicken die Wissenschaftler auch pessimistisch in die Zukunft. Eine Besserung bei diesem Problem sei in näherer Zukunft nicht in Sicht.
30.05.2012 | permalink
Irreführende Werbung bei Lebensmitteln verboten
Aussagen wie "Joghurt stärkt das Immunsystem"sind künftig verboten. Erhöht das den Verbraucherschutz?
Die Bilanz ist ernüchternd: 44.000 Anträge zur Zulassung hatten die Hersteller der EU eingereicht. Es ging um Werbesprüche, die positive gesundheitliche Effekt der beworbenen Lebensmittel vermittelten. Die EU fasste die Anträge mit starker Ähnlichkeit zusammen und übrig blieb eine Liste mit rund 4500 Anliegen. Gerade einmal 222 der sogenannten Health-Claims wurden als wissenschaftlich fundiert eingeschätzt und dürfen weiterhin verwendet werden. Rund 1.600 Anträge wurden abgelehnt – der Rest steht kurz vor der Entscheidung. Doch auch bei den zugelassenen Slogans sind „einige Anpassungen bei der Formulierung“ erlaubt, so die EU-Kommission. Das kritisiert Anne Markwardt von Foodwatch. „Am besten wären gar keine Gesundheitsaussagen“, sagt sie der Tageszeitung „taz“. Die Hersteller können jetzt noch bis Dezember schon verpackte Produkte verkaufen. Danach sind nur noch Aussagen erlaubt, die auf der ständig aktualisierten Liste der EU-Kommssion zu finden sind.
29.05.2012 | permalink
Europäischer Artenschutz nicht zufriedenstellend
Vielfalt in der Landwirtschaft
Vor 20 Jahren hat die EU-Kommission die „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ erlassen, um dem massiven Artensterben Einhalt zu gebieten. Es wurde ein Netzwerk von Artenschutzgebieten ausgeschrieben, in dem schutzbedürftige Tier- und Pflanzenarten lebten. Bei der Umsetzung des Artenschutzes in diesen sogenannten Natura-2000 Gebieten hapert es aber an allen Ecken und Enden, wie der NABU Deutschland berichtet. Es ist nämlich weiterhin erlaubt die ausgeschriebenen Flächen wirtschaftlich zu nutzen, solange dabei die Erhaltung der jeweiligen Art nicht gefährdet ist. Für Kontrollen und Entschädigungen für mögliche Verluste der Landwirte fehle aber das Geld. Das habe dazu geführt, dass in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mehr als ein Drittel der Grünlandflächen in den beobachteten Natura-2000-Gebieten zerstört worden sei. Die Nachrichtenplattform „top-agrar“ berichtet, der Generaldirektor für Umwelt der EU-Kommission, Karl Friedrich Falkenberg, habe sich dafür ausgesprochen die anfallenden Kosten in den EU-Haushalt ab 2014 einzuplanen.
24.05.2012 | permalink
Gentechnik-Klüngel in deutschen Behörden
Monsanto und Co trafen britischen Wissenschaftsminister (Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio)
Nach Recherchen von Testbiotech gibt es ernst zu nehmende Hinweise auf Interessenskonflikte in einer Expertenkommission, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu Fragen der Sicherheit von Gentechnik in Futter- und Lebensmitteln beraten soll. Dieser Verdacht besteht demnach bei neun der insgesamt 13 Experten. Sie könnten „als voreingenommen und in vielen Fällen industrienah gelten.“ Außerdem gebe es auch bei zwei leitenden Angestellten des BfR nicht die nötige Distanz zur Gentechnik-Industrie. Neben der Expertenkommission haben die Autoren des Berichts noch bei weiteren Forschungseinrichtungen Bedenken: „Insgesamt ergibt sich das Bild einer organisierten und zumindest zum Teil verdeckten Einflussnahme der Industrie in zentralen Einrichtungen des Bundes, die mit der Risikoabschätzung und der Forschungsförderung im Bereich der Agrogentechnik befasst sind.“

