Nachrichten
28.05.2013 | permalink
DZ-Bank steigt aus Agrarspekulation aus
Die Genossenschaftsbanken wollen keinen Profit durch Hunger(Foto:Pixelio/Heiko Winter)
Nachdem in der Vergangenheit bereits die Commerzbank, zwei Landesbanken sowie die Sparkassen aus der Nahrungsmittelspekulation ausgestiegen sind, handelt nun auch das viertgrößte deutsche Geldinstitut – die DZ Bank. Das genossenschaftliche Zentralinstitut der mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken, bestätigte dieses Vorhaben in einem Brief an die Verbraucherorganisation Foodwatch. Desweiteren forderte der DZ-Bank-Vorstand Lars Hille eine strenge Regulierung der Agrarrohstoffmärkte, insbesondere „durch die Einführung wirksamer Positionslimite an Börsen oder zentralen Clearing-Plattformen“ auch Maßnahmen für mehr Transparenz im Sektor der Spekulation mit Nahrungsmitteln fordert die Bank. Selbst Agrarministerin Ilse Aigner lobte die DZ-Bank für ihren Ausstieg aus den Geschäften. Der Ausstieg einer weiteren Großbank beweist vor allem gesellschaftliche Verantwortung, angesichts 900 Millionen Hungernden auf der Welt. Die größten Nahrungsmittelspekulanten, die Deutsche Bank und die Allianz-Versicherung hingegen halten auch weiterhin an den Geschäften fest.
27.05.2013 | permalink
Weltweiter Protest gegen Monsanto
Dem Regen zum Trotz: March against Monsanto in Berlin
Am Wochenende fand in 436 Städten in 52 Ländern der „Marsch gegen Monsanto“ (#March against Monsanto) statt, Tausende Menschen beteiligten sich um gemeinsam gegen den Saatgut-Konzern zu protestieren. Mit Transparenten mit Aufschriften wie „Echtes Essen für echte Menschen“ forderten die Demonstranten ein Ende der kriminellen und unfairen Geschäftspraktiken des Konzerns, in der argentinischen Stadt Córdoba protestierten beispielsweise mehrere Tausend Menschen gegen den Bau einer Gen-Saatgutfabrik und in Wangeningen, dem Zentrum der niederländischen Lebensmittelindustrie versammelten sich rund 3.000 Menschen vor dem Sitz von Monsanto um gegen den Konzern und Gentechnik in der Landwirtschaft zu demonstrieren. Auch in Berlin brachten trotz des anhaltenden Regens etwa 300 Gegner ihren Protest auf die Straße.
24.05.2013 | permalink
Protest gegen Gentechnik bei Video World
Aktive fordern Verkaufsstopp von GVO-Snacks. (Foto:Greenpeace Berlin)
Bereits vor 2 Jahren deckte die Berliner Greenpeace-Gruppe auf, dass die Filmverleih-Kette „Video World“ in 26 ihrer 36 Filialen, Schokolade und Chips mit gentechnisch veränderten Zutaten anbietet. Greenpeace Berlin macht seitdem immer wieder mit Aktionen auf die einhergehenden Probleme durch Gentechnik aufmerksam und sammelte Unterschriften, die der Geschäftsleitung klar machen sollen, dass auch die KundInnen keinen Appetit auf gesundheitliche Risiken und Gefahren für die Umwelt haben. Bisher zog jedoch nur eine Filiale die, aus den USA importierten, „Butterfinger“ und „Reeses“ Riegel aus ihrem Angebot. So protestierten am 19. Mai wieder Greenpeace-AktivistInnen vor einem Geschäft in Berlin-Schöneberg um KundInnen und Öffentlichkeit über die Gentechnik in den süßen Snacks aufmerksam zu machen.
23.05.2013 | permalink
Düngereinsatz so hoch wie noch nie
Düngung einer Ölpalmen- plantage in Indonesien (Foto: Agus Andrianto/CIFOR)
Noch nie wurde weltweit so viel Dünger verwendet wie heute. Eine gemeinsame Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und des WWFs warnt vor den Auswirkungen des falschen Mineraldüngereinsatzes in den Tropen und Subtropen. Der vermehrte Einsatz von Stickstoffdüngern wirkt sich negativ auf die Bodenqualität und somit auch auf die langfristige Ernährungssicherheit aus. Neben der zunehmenden Bodenversauerung warnt die Studie vor dem Abbau von Humus, der für Nährstoffe und Wasser wichtig ist. „Der synthetische Stickstoff zerstört die Bodenfruchtbarkeit, eine zentrale Grundlage der Landwirtschaft und gefährdet ganze Ökosysteme“, so Birgit Wilhelm, Referentin für nachhaltige Landwirtschaft beim WWF. Es ist daher eine grundlegend falsche Entscheidung, wenn einzelne afrikanische Regierungen bis zu 70 Prozent ihres Agrarbudgets für die Subventionierung von Dünger ausgeben, statt in ein nachhaltiges Bodenmanagement zu investieren“, so Christine Chemnitz von der Böll-Stiftung. Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist die Investition von großen Agrarkonzernen in Afrika bedenklich, für eine Einheit Dünger zahlen zahlen Kleinbauern heute doppelt so viele Einheiten Nahrung als vor zehn Jahren, obwohl die einseitige Düngung kaum zu Ertragssteigerung führt. Dadurch landen kleinbäuerliche Produzenten häufig in der Schuldenfalle, so ein Ergebnis der Studie. Für die Erhaltung und den Aufbau von Humus, schlägt die Studie Kompostierungsverfahren, tierische Dünger, Agroforstwirtschaft, Gründüngung und Intensivbrache vor.
11.05.2013 | permalink
Protest gegen Syngenta's Chillipatent
Capsicum annuum - Spanischer Pfeffer oder Paprika nach Franz Eugen Köhlers Medizinalpflanzen 1887
„Es hat es wieder getan!“, beschwert sich eine NGO-Koalition um die Münchner Gruppe „Kein Patent auf Saatgut“. Obwohl das Europäische Parlament und der Deutsche Bundestag dagegen intervenierten und das Europäische Patentabkommen Patente auf Pflanzensorten grundsätzlich ausschließt, erteilt das Europäische Patentamt weiterhin Patente auf Pflanzen, die das Ergebnis herkömmlicher Züchtung sind. Diesmal war es eine Chili-Sorte von Syngenta.
10.05.2013 | permalink
Lebensmittelindustrie in Schulen
Gummibärchen – auch zum täglichen Verzehr zu empfehlen wegen ihrer Vitamine? (Foto: Jörg Siebauer / pixelio.de)
Trotz offiziellen Verboten machen einige Lebensmittelhersteller mal mehr mal weniger verdeckt Werbung für ihre Produkte an vielen Schulen. Wie die Verbraucherschutzorganisation foodwatch in einem Hintergrundpapier zu den Marketing-Methoden der Lebensmittelindustrie an Schulen und Kindergärten darstellt, versuchen einige Firmen an diesen eigentlich geschützten Orten Kinder zum Konsum von Süßigkeiten, Snacks und Soft-Drinks mit zweifelhaften Mitteln anzuregen. Das geschieht z.B. durch interessengeleitete, fragwürdige Ernährungsbildung oder durch gezielte Platzierung des Markenlogos in Unterrichtsmaterialien und bei Veranstaltungen in Schulen.
So ordnet beispielsweise ein Soft-Drink-Hersteller in seiner Unterrichtsmappe sein Zuckerwasser mit Mini-Fruchtanteil statt an der Spitze in einer Ernährungspyramide ganz unten ein und empfiehlt es wegen seiner Vitamine und leistungssteigernden Wirkung zum täglichen Verzehr.
Foodwatch lässt die VerbraucherInnen in einer Aktion dazu noch bis zum 15. Mai abstimmen, wer den Goldenen Windbeutel als Preis für die dreisteste Werbemasche des Jahres bei einem Kinderprodukt erhält.
06.05.2013 | permalink
Saatgutverordnung veröffentlicht - Ab in die Nische?
Vorrang für Vielfalt
Der massive Protest gegen die Verarmung der Saatgutvielfalt in Europa hat bei der EU Kommission sichtlich Wirkung gezeitigt: Spezielle Ausnahmen für den Aufwand bei der Registrierung von „Nischenprodukten“ und alten Sorten sollen den Sturm der Entrüstung besänftigen, der durch Medien und Internet ging. Die Auseinandersetzung um die Ziele und Methoden der Saatgutpolitik der EU hat damit allerdings erst begonnen.
- Tagesspiegel (TSP): Neue EU-Verordnung: Naturschützer fürchten Einheits-Saatgut der Großkonzerne
- Kurier.at: Brüssel rudert beim Saatgut zurück
- Widerstand gegen Entwurf der EU-Kommission für Saatgut-Verordnung - SPIEGEL ONLINE
- Stern.de: Angst vor der Einheitssaat
- European Commission: Press pack Smarter rules for safer food
- Save Our Seeds: Ab in die Nische?
- Tagesschau: EU-Kommission stellt umstrittene Saatgut-Pläne vor
03.05.2013 | permalink
Studie zur Klimawirkung landwirtschaftlicher Exporte
Die neu erschienene Studie "Schweine im Weltmarkt"
„Schweine im Weltmarkt... und andere Rindviecher.“
heißt eine aktuelle Studie zu den Klimawirkungen der exportorientierten Landwirtschaft in Deutschland, die vom Forum Umwelt und Entwicklung und Germanwatch herausgegeben wurde. Demnach gehen 14 Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft auf das Konto der Erzeugung hauptsächlich tierischer Produkte für den Export.
Die deutsche Agrarpolitik verfolgt seit einigen Jahren ausdrücklich das Ziel, den Export landwirtschaftlicher Produkte zu steigern. Angesichts weitgehend gesättigter Märkte und damit stagnierender Nachfrage im Inland sind zunehmende Exporte nötig, um ein weiteres quantitatives Wachstum des Sektors zu ermöglichen. Ein weiteres Ziel der deutschen Agrarpolitik ist es, die Emission von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft zu reduzieren.
Die vorliegende Studie stellt die derzeit verfügbaren Informationen zu den Klimawirkungen der deutschen Agrarexporte zusammen und bewertet sie. Mit der Studie soll eine Diskussion darüber angestoßen werden, ob die Ausrichtung der Landwirtschaft auf Konkurrenzfähigkeit am Weltmarkt und die damit einhergehende Steigerung der Produktion der zu exportierenden Produkte mit den Zielen des Klimaschutzes kompatibel ist.
30.04.2013 | permalink
EU schützt Bienen für zwei Jahre
Etappensieg im Duell Biene gegen Bayer (Foto: Anita Stöwesand/pixelio)
Bienen werden künftig besser vor gefährlichen Agrargiften geschützt. Nach einer Studie der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die bei Bienen und anderen Insekten auf Grund von im Saatgut eingebrachten Neonikotinoide Orientierungsschwierigkeiten nachweisen konnte, stimmte gestern die Mehrheit der Mitgliedsstaaten für ein Verbot von drei Insektiziden, sogenannten Neonikotinoiden. Während sich die Vertertung Deutschlands vor eineinhalb Monaten noch enthalten hatte, stimmte sie nun im Berufungsausschuss auch für das zunächst zweijährige Verbot dieser Gifte. Da aber wieder keine qualifizierte Mehrheit zustande kam, liegt die endgültige Entscheidung nun bei der Kommission, die aber schon signalisierte, die Entscheidung umzusetzen. Das Verbot soll ab Dezember für Raps, Mais, Sonnenblumen und Baumwolle gelten. Für Agrochemie-Konzerne wie Bayer, BASF und Syngenta ist dieses Verbot eine Niederlage, trotz intensiver Lobbyarbeit konnten sie es nicht aufhalten.
29.04.2013 | permalink
Neue Regeln für Bau von Großställen
Künftig muss auch für Großställe ein Bebaungsplan genehmigt werden bevor gebaut werden darf. (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)
Vergangene Woche beschloss der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend die Novellierung des Bundesbaugesetzbuches, das auch den Bau von Ställen regelt. Anders als bisher sollen große gewerbliche Tierhaltungsanlagen im Außenbereich nicht mehr privilegiert und in Zukunft auch für die Errichtung dieser Anlagen ein Bebauungsplan erforderlich sein, den die betroffenen Kommunen auch ablehnen können. Diese Neuregelung greift frühestens ab Tierzahlen von beispielsweise 1500 Schweinen, 30.000 Masthühnern oder 15.000 Legehennen. Ausgenommen sind Betriebe, die mehr als die Hälfte ihrer Futtermittel theoretisch auf eigenen Flächen anbauen können.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ begrüßen die Änderungen und fordern die Gemeinden auf ihre neuen Rechte zur Verhinderung von Agrarfabriken zu nutzen. Auch der Niedersächsische Landkreistag befürwortet die Neuregelung während der Bauernverband verhalten reagiert und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands gravierende Nachteile für wachstumswillige Betriebe mit geringer Flächenausstattung sieht.
In der Baugesetznovelle, die am Freitag im Bundesrat abgestimmt werden soll, wurden außerdem besondere Prüfauflagen für Bauprojekte beschlossen, um die Versiegelung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen generell zu reduzieren.

