Nachrichten
29.08.2013 | permalink
Deutsche Geflügelexporte nach Afrika im Aufwind
Kleinbäuerliche Hühnerhaltung in Uganda (Foto: Bread for the World/flickr.com)
Die deutschen Geflügelfleischexporte nach Afrika haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Dies zeigt eine Auswertung von Daten des Europäischen Statistikamtes Eurostat, die das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt am Donnerstag veröffentlichte. Demnach exportierte die Bundesrepublik im Jahr 2012 knapp 43 Millionen Kilo Geflügelfleisch nach Afrika, im Jahr zuvor waren es noch 19 Millionen Kilo gewesen. Zusätzlich überschwemmen europäische Geflügelreste die afrikanischen Märkte. Mit den Dumpingpreisen von unter einem Euro je Kilo können die lokalen Produzenten nicht mithalten. „Deutsches und EU-Fleisch verdrängt auf immer neuen Märkten die einheimischen Tierhalter und beraubt besonders Kleinbäuerinnen in Afrika zusätzlicher Einnahmen aus dem Geflügelverkauf“, kritisiert Brot für die Welt-Agrarhandelsexperte Francisco Mari. Anreize zur Überproduktion müssen abgeschafft werden Diese sei ohnehin nur möglich, da importierte gentechnisch veränderte Soja in den Futtertrögen lande, während die Menschen in den Anbauländern die ökologischen und sozialen Folgen zu spüren bekommen. Hingegen würde „eine nachhaltige, tiergerechte, auf einheimische Futtermittel aufbauende Tiermast bei uns Billigexporte nach Afrika weniger lukrativ machen“.
29.08.2013 | permalink
300 Menschen umzingeln Agrarminister
Viele Menschen setzen ein Zeichen für die Agrarwende (Foto:Campact)
Über 300 Bürgerinnen und Bürger umzingelten heute die Konferenz der Landwirtschaftsminister in Würzburg und forderten von den MinisterInnen eine Kehrtwende in der Agrarpolitik weg von Tierfabriken, hin zu einer umwelt- und tiergerechten bäuerlichen Landwirtschaft. Zur Aktion hat die Kampagne ‚Meine Landwirtschaft‘ aufgerufen. Astrid Goltz vom Kampagnennetzwerk Campact kritisiert die ‚Weiter so‘-Agrarpolitik von Bundesministerin Ilse Aigner und einem Teil ihrer LänderkollegInnen ‚Darum appelieren wir vor der Bundestagswahl an alle Parteien: Die Zeit ist reif, die Agrarindustrie abzuwählen. Die große Mehrheit der Menschen will Bauernhöfe statt Agrarfabriken‘. Um bäuerliche Strukturen zu stärken, schlägt Georg Janßen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) vor, Kleinbauern besser zu unterstützen um auch ‚außerwirtschaftlichen Investoren im Bodenkauf einen wirksamen Riegel vor[zu]schieben‘. Wenn auch Sie Agrarindustrie satt haben, kommen Sie am 31. August ins niedersächsische Wietze um zusammen mit tausenden Menschen Europas größten Hühnerschlachthof mit einer Menschenkette zu umzingeln.
28.08.2013 | permalink
Harte Verhandlungen stehen an
Kommen Sie zur symbolischen Umzingelung der AMK (Foto:campact)
Im bayrischen Würzburg begann heute die Herbstkonferenz der Agrarminister (AMK). Das Thema ist die nationale Umsetzung der Beschlüsse zur EU-Agrarreform ab 2015. Weil Brüssel den Nationalstaaten einen großen Spielraum bei der aktuellen Reform lässt, stehen in den nächsten Tagen harte Verhandlungen an. Die Vorstellungen der Agrarminister gehen dabei weit auseinander. Der Vorschlag von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) sieht beispielsweise keine Umschichtung von Geldern der 1. in die 2. Säule vor. Nur in der 1. Säule sollen 2,5% der nationalen Obergrenzen zusätzlich für Grünlandstandorte in benachteiligten Gebieten zur Verfügung gestellt werden. Die fünf Grünen Agrarminister hingegen fordern, 15% der 1. Säule in die 2. Säule umzuschichten. Damit sollen Agrarumwelt-, Klimaschutz- und Tierschutzmaßnahmen sowie der Öko-Landbau unterstützt werden. Sie kritisieren zudem, dass ohne diese Umschichtung die Mittel der Länder für die regionale Entwicklung um 15% sinken würden. Die Minister setzen sich außerdem für strengere Greening-Vorschriften ein. Am morgigen Donnerstag ruft die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ zu einer symbolischen Umzingelung der Agrarminister-Konferenz auf, um den Politikern den Wunsch der Bevölkerung vor Augen zu halten.
22.08.2013 | permalink
Stallzuwachs bei Masthühnern
Auch die Zahl – zumindest kurz – lebender Masthühner in Deutschland steigt rasant. (Foto Oliver Weber/pixelio.de)
Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Masthühner steigt rasant. Nach Recherchen des BUND erhöhten sich die Stallplätze für Masthühner seit 2010 in Deutschland um 38 Millionen bzw. 60% auf über 100 Millionen. Eine jüngst veröffentlichte Karte zeigt landkreisgenau, wieviele Masthühnerplätze zwischen 2009 und 2012 neu beantragt bzw. genehmigt wurden, und setzt diese Zahlen auf Bundesländerebene ins Verhältnis zum Tierbestand 2010. In absoluten Zahlen Spitzenreiter ist und bleibt mit Abstand Niedersachsen mit einem Zuwachs von 20,7 Millionen Stallplätzen, dahinter folgt NRW (+4,7 Mio.) und Brandenburg (+3,5 Mio.). Das größte relative Plus hat allerdings mit 239% Zuwachs Hessen zu verzeichnen.
Kritiker schlagen angesichts dieser Zahlen Alarm: Mit dem massiven Ausbau der industriellen Tierhaltung ginge auch eine drastische Verschärfung der Risiken und Folgen wie Nitratbelastung, Antibiotikaresistenzbildung aber auch ein Preisverfall einher: „Neben Umweltschäden und millionenfachem Tierleid entstehen beim ungebremsten Wachstum der industriellen Massentierhaltung auch inakzeptable Überkapazitäten“, so Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin.
Diese Entwicklung insbesondere in der Tierhaltung ist auch Grund der kritischen „Wir haben es satt“-Bewegung in gut einer Woche an einem Brennpunkt der Agrarindustrie für eine andere Landwirtschaftspolitik zu demonstrieren. Am Samstag, den 31.8., soll im niedersächsischen Wietze unter dem Motto „Agrarindustrie abwählen!“ der größte Hühnerschlachthof Europas umzingelt werden.
20.08.2013 | permalink
Blockade an Deutschlands größtem Futtermittelhafen
Ein Traktor und 40 Aktivisten blockierten die Hafenzufahrt (Foto: P. Brändle)
Ein breites Bündnis aus Bauern, Verbrauchern, Wissenschaftlern und Agrar-Studenten blockierten heute friedlich aber selbstbewusst die Zufahrt des Hafens im niedersächsischen Brake – dem größten europäischen Futtermittelhafen. Das Bündnis kritisiert damit die weitreichenden negativen sozialen und ökologischen Folgen des Soja-Imports. Allein in diesem Jahr wird die EU vorraussichtlich 26,8 Mio. Tonnen Schrot sowie 11,3 Mio. Tonnen Bohnen importieren, davon für Deutschland 3,5 Mio Tonnen Schrot und 3,2 Mio. Tonnen Bohnen der meist in Brasilien und Argentinien angebauten Pflanze. „In Europa sind die massenweise importierten Soja-Futtermittel der Schmierstoff für die industrielle Massentierhaltung, die die bäuerlichen Strukturen hier und weltweit vernichtet. Dieser Wahnsinn muss gestoppt werden!“, so Annemarie Volling, Sprecherin im Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft Niedersachsen, Bremen, Hamburg. Der Landwirt Ernst Steenken aus dem Oldenburger Land ergänzt: „Der Soja-Import ist das Einfallstor der Gentechnikkonzerne, da über 80% des weltweit angebauten Sojas bereits gentechnisch verändert ist. Das müssen wir unterbinden.“ Auch Wissenschaftler kamen während der Kundgebung zu Wort und fordern die Züchtung, den Anbau und die Fütterung von einheimischen Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen, Klee oder Luzerne voranzutreiben. Die Organisatoren haben Agrarindustrie satt und rufen deshalb alle Interessierten auf, am 31. August ins niedersächsische Wietze zu kommen, um dort als Zeichen für „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ gemeinsam Europas größten Geflügelschlachthof zu umzingeln.
15.08.2013 | permalink
Entwicklungsminister rügt Entwicklungsorganisation
Kaffee-Anbau in Uganda sorgt für Unmut. (Foto: Marianne J./pixelio)
„Sie zündeten mein Haus an, schlachteten meine Hühner und schlugen auf uns ein“, erinnert sich Bäuerin Deziranta an den 18. August 2001, als die ugandische Armee in Mubende anrückte und 4000 Menschen von ihrem Grund vertrieb – um Platz für eine Groß-Kaffeeplantage der Hamburger Neumann-Kaffee-Gruppe zu schaffen. Seitdem unterstützt die Menschenrechtsorganisation FIAN die vertriebenen Kleinbauern in einem Rechtsstreit um Anerkennung ihrer Landrechte und eine Entschädigung. Nun hat sich auch Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in die Debatte eingemischt und scheint dem deutschen Unternehmen, welches einen Marktanteil von zehn Prozent an der weltweiten Kaffeenachfrage hat, den Rücken zu stärken. In einem Brief fordert Niebel die NGO auf, ihre Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Fall einzustellen. Das Projekt ‚Kaweri‘ sei „die größte Investition in Uganda und hat das Wohlwollen der Bundesregierung“ so der FDP-Politiker. Der Brief endete mit einer deutlichen Aufforderung: „Da Sie in meinem Wahlkreis ansässig sind, möchte ich Sie aus entwicklungspolitischer Sicht bitten, Ihre Darstellung des Falles zu überdenken und die Gesamtsituation in Uganda nicht noch weiter zu verschärfen.“ Auf einem Uganda-Besuch traf sich Niebel mit Regierungsvertretern Ugandas, Botschaftern und der Neumann-Gruppe, für Gespräche mit den Vertriebenen oder FIAN habe der Minister jedoch „keine Möglichkeit“ gehabt. Fian-Geschäftsführerin Hausmann bot Niebel ein klärendes Gespräch an und bat ihn auf die Sicherheitslage der Vertriebenen in Uganda zu achten.
14.08.2013 | permalink
Freihandel soll europäische Standards nicht aufweichen
Auch zum Obama-Besuch gab es Proteste gegen TTIP. (Foto:campact)
Im Hinblick auf die angestrebte Harmonisierung durch das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) macht Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer deutlich, dass dies nicht auf Kosten des Verbraucherschutzes umgesetzt werden darf. „Es kann nicht sein, dass mit dem Freihandelsabkommen genmanipulierte Lebensmittel, Fleisch von mit Wachstumshormonen behandelten und geklonten Tieren oder gechlortes Hähnchenfleisch auf den EU-Markt geschwemmt werden.“, so Meyer. Mit Blick auf die Agrarministerkonferenz vom 28. bis 30. August, macht er deutlich, dass „der Schutz der Verbraucher wichtiger sein muss als wirtschaftliche Interessen“. Mit einem von den rot-grünen Ländern unterstützten Antrag will er außerdem verhindern, dass Futter- oder Lebensmittel, die europäischen Standards nicht genügen, exportiert werden dürfen, wie die Ausfuhr des mit Schimmel belasteten Mais im vergangen Monat. In den Verhandlungen um das TTIP ist es wichtig ein besonderes Augenmerk auf die Errungenschaften der Europäischen Union im Bereich der Lebensmittelstandards und Verbraucherrechte zu richten. „Die Formel für die Verhandlungen ist ganz einfach: Um das höchste Schutzniveau zu sichern, muss der jeweils beste Standard des Partnerlandes übernommen werden“, so Meyer. Minderwertige Importe durch die Hintertür würden „die Qualitätslandwirtschaft in Niedersachsen massiv gefährden und den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Europa schaden“.
06.08.2013 | permalink
Zoff um 'Veggie-Day'
Als Katholikin isst Ilse Aigner(CSU) Freitags sowieso Fisch. (Foto:Volker Gehrmann)
Erst vergangene Woche veröffentlichte ein Wissenschaftlerteam der University of Minnesota aus Saint Paul eine Studie in der sie beweisen, dass, wenn die weltweite Getreideernte zu Nahrungsmitteln anstatt zu Futtermitteln verarbeitet würde, vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden könnten. Würden Menschen kein Fleisch, aber noch Milchprodukte oder Eier essen, könnten 815 Millionen Menschen mehr satt werden. Auch andere Gründe wie Klimawandel, Waldsterben, Trinkwasserverseuchung und viele ethische Gründe sprechen für eine vegetarische Ernährungsweise. Bereits im Jahr 2010 sprachen sich Bündnis 90/Die Grünen für die Einführung eines „Veggie-Day“ aus, einem Tag in der Woche an dem es in Kantinen keine Fleischprodukte gibt. Die Stadt Bremen führte den „vegetarischen Donnerstag“ schon im Januar 2010 ein, mehrere Städte und auch große Unternehmen wie VW, Puma und Siemens folgten dem Beispiel. Nun ziehen die Grünen mit dem fleischlosen Tag in den Wahlkampf und stoßen auf heftige Gegenwehr. „Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität.“ reagierte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sofort, der CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warnte gar vor einer „grünen Verbots-Republik“. Selbst der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn wetterte gegen eine „grüne Erziehungsdiktatur“, was pateiintern auf viel Widerspruch traf. Auch Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) hält „generell wenig von Bevormundungen“ und findet, dass Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung dazu gehört. Wie sie die tägliche Bevormundung durch die Speisepläne der Kantinenbetreiber finden, dazu äußerte sich bisher niemand.
30.07.2013 | permalink
Gentechnik für Bienen
Honigbienen setzt nicht nur die Varroa-Milbe stark zu. (Foto: Maja Dumat / pixelio.de)
Auf die essentielle Bedeutung der Bienen für die Landwirtschaft wurde erst jüngst wieder auf der Fachtagung zu den Perspektiven der Imkerei im Landwirtschaftsministerium hingewiesen. Gleichzeitig wurden die besorgniserregenden Verluste von Bienenvölkern diskutiert, verursacht durch eine Vielzahl von Krankheiten, aber auch durch die industrielle Landwirtschaft. Diese setzt den Bienen u.a. durch die Abnahme blütenreicher Flächen und den Einsatz von bienenschädigenden Pestiziden zu.
Ausgerechnet ein Hersteller solcher Agrochemikalien stellte nun eine biotechnologische Methode vor, wie er einen bedeutenden natürlichen Feind der Honigbiene bekämpfen will. Dabei will Monsanto gezielt Einfluss auf die Aktivität von Zellen der Varroa-Milbe nehmen. Eine spezielle RNA-Lösung soll mit Zuckerwasser vermischt und den Bienenlarven verabreicht werden. Theoretisch sollen diese nicht geschädigt werden, wohl aber die Parasiten – in ihren Zellen werden durch RNA-Interferenz überlebenswichtige Gene abgeschaltet. Es bestehen allerdings erhebliche Zweifel daran, dass diese gentechnische Methode keinerlei negative Auswirkungen auf andere Organismen hat.
ImkerInnen setzten derweil auf die natürliche Bekämpfung der Varroa-Milbe mit Ameisensäure, Oxalsäure oder auch recht erfolgreich mit einer Wärmebehandlung und fordern eine generell bienenfreundlichere Landwirtschaft.
22.07.2013 | permalink
Letzte EU-Exportsubvention bald abgeschafft
Agrargüter-Export wird künftig nicht mehr subventioniert (Foto:neurolle - Rolf/pixelio)
Zum ersten Mal nach der Einführung 1970, wird die EU bald keinerlei Exporterstattungen für Agrargüter gewähren. Trotz des Widerstands von Frankreich, Polen, Griechenland und sieben anderen Staaten konnte vergangene Woche der Vorschlag der Europäischen Kommission nicht aufgehalten werden. Bisher wurden nur noch Ausfuhrerstattungen für ganze gefrorene „Geflügelschlachtkörper“ gewährt, diese werden nun in Kürze auf Null gesetzt. Die Kommission begründet dies mit hohen Absatzpreisen am Binnenmarkt, einer absehbaren Verringerung der Futterkosten und einem insgesamt günstigen Exportklima. Auch Entwicklungshilfeorganisationen wie Brot für die Welt kritisieren immer wieder Nahrungsmittelexporte in Entwicklungsländer, da diese europäischen Billigexporte lokale Märkte überschwemmen und zu mehr Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger führen.
Auch wenn in Zukunft keine Gelder mehr für Exportsubventionen vorhergesehen sind, bleiben sie als Instrument auch mit der Agrarreform 2014-2020 formell aber weiterhin erhalten.

