Nachrichten
12.02.2014 | permalink
Tierquälerei: Putenmastanlage angezeigt
Kahle und kranke Tiere dokumentiert (Foto: PETA)
Die Tierschutzorganisation PETA hat Deutschlands größte Putenzuchtanlage, das Moorgut Kartzfehn mit 330.000 Puten, angezeigt. Die Tierschützer werfen den Betreibern Tierquälerei und Missachtung von Tierschutzrichtlinien vor; Elterntierfarmen, wie die kritisierten in Neuruppin, gelten durch die Hochleistungen, welche die weiblichen Puten erbringen müssen, als besonders gut geschützt. Belegt werden die beschriebenen Missstände durch Bild- und Filmaufnahmen, in welchen kranke und verletzte Tiere zu sehen sind. PETA kritisiert das System der Putenzucht, da die Tiere überzüchtet seien, eine natürliche Fortpflanzung ist so nicht mehr möglich. In einer Stellungnahme des Betriebs wird die Tierquälerei zurückgewiesen, der dokumentierte Zustand zeige nur Einzeltiere und nicht den Zustand der Farmen. Weiter heißt es: „Allerdings können wir nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass einzelne Tiere erkranken oder sich verletzen. Diese Puten werden in spezielle Krankenabteile verbracht und durch unser geschultes Farmpersonal gepflegt.“
11.02.2014 | permalink
Gentech-Mais 1507 steht vor EU-Zulassung
Wachsen bald Gentech-Maiskolben auf unseren Feldern?
Der umstrittene, gentechnisch veränderte Mais 1507 der US-Firma DuPont darf aller Voraussicht nach zukünftig in Europa angebaut werden. Bei der heutigen, entscheidenden Debatte der EU-Staaten in Brüssel wurde zwar eine breite Ablehnung der Europaminister deutlich, insgesamt konnte jedoch keine qualifizierte Mehrheit gegen die Zulassung erreicht werden, auch durch die Enthaltung Deutschlands. Da es zudem keine klare Mehrheit für den Anbau gab, liegt die Entscheidung nun bei der EU-Kommission. Diese muss, laut dem zuständigen Gesundheitskommissar Tonio Borg, zustimmen, denn in mehreren Studien der Efsa gibt es keinen Einwand gegen den Maisanbau. „Die Bundesregierung provoziert mit ihrem Abstimmungsverhalten wissentlich einen neuen Gentechnikkrieg auf den Dörfern“, so Gentechnikexpertin Annemarie Volling von der AbL. Christoph Bautz, Geschäftsführer von Campact, stellt klar: „88 Prozent der Bevölkerung lehnen Agro-Gentechnik ab. Doch Merkel macht Politik für die Gentechnik-Konzerne statt für die Menschen. Jetzt muss die Regierung sicherstellen, dass Gen-Mais in Deutschland nicht zurück auf unsere Felder kommt.“
11.02.2014 | permalink
Etappensieg: EU-Agrarausschuss gegen Saatgutverordnung
Breite gesellschaftliche Bewegung für Saatgut-Vielfalt
Mit einer überwältigenden Mehrheit hat heute der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments den umstrittenen Entwurf einer europäischen Staatgutverordnung zurückgewiesen. Der Ausschuss rief die EU-Kommission dazu auf, diesen nun ebenfalls zu annullieren und grundlegend zu überarbeiten. „Wir begrüßen die fast einstimmige Ablehnung“, so Benedikt Haerlin von der Kampagne „Freiheit für die Vielfalt“, „Wir erwarten allerdings nicht nur Ablehnung von den Abgeordneten, sondern auch ein klares Bekenntnis zur Vielfalt“. Wenn das Plenum des Parlaments im März dem Agrarausschuss folgt und sich dabei auf eine klare Begründung einigt, wäre dies ein wichtiger Etappensieg gegen die schleichende Reduzierung der Saatgut-Vielfalt in Europa und der Erfolg einer breiten Bürgerbewegung von mehr als 700.000 Menschen. Heute dominieren eine Handvoll Chemie-, Gentechnik- und Saatgut-Unternehmen beim Saatguthandel. Der Nachbau, Tausch und Kleinhandel mit samenfesten Sorten wird dadurch immer weiter eingeschränkt, Hybridsorten und auch künftig patentiertes Saatgut der Konzerne müssen von Landwirten und Gärtnern Jahr für Jahr neu bezogen werden.
11.02.2014 | permalink
Erfolgreicher Widerstand: Großmastanlagen verhindert
Überall entstehen neue Mastanlagen (Foto: Wittstock contra Industriehuhn)
Ende letzter Woche gab es gleich zwei gute Nachrichten für Gegner der industriellen Tierhaltung: Sowohl in Alt Daber, Brandenburg, als auch in Wattmannshagen, Mecklenburg-Vorpommern, wird aller Wahrscheinlichkeit nach keine Mastanlage gebaut. In Alt Daber sollten 450.000 Hähnchen gemästet werden. Nachdem die Investoren ihren Antrag ohne Angabe von Gründen zurückgezogen hatten, war die Freude bei der örtlichen Bürgerinitiative „Wittstock Contra Industriehuhn“ groß: „Es ist ein schöner Erfolg, und wir danken allen Menschen, die uns unterstützt haben“, betonte Philipp Wacker von der BI. Auch die Hähnchenmastanlage bei Güstrow, welche für 200.000 Tiere vorgesehen war, darf vorerst nicht gebaut werden. Das Verwaltungsgericht Schwerin gab einem Antrag des BUND statt, der die Genehmigungsunterlagen zur Beeinträchtigung geschützter Biotope anzweifelt.
07.02.2014 | permalink
Fleischskandal: Es gibt wieder Pferdehack
Schon wieder Pferd im Hackfleisch? (Foto: Flickr/David Reeves)
Nachdem es über ein Jahr um das Thema Pferdefleisch ruhig geworden war und die Behörden beteuert hatten, Kontrollen und Strafen umgehend zu verschärfen, scheint sich nun ein erneuter Pferdefleisch-Skandal anzubahnen: Niederländische Behörden haben rund 28.000 Tonnen verdächtiges Fleisch zurückgerufen. Eine Großschlachterei aus der Provinz Gelderland im Osten der Niederlande steht im Verdacht, teures Rind mit billigerem Pferdefleisch vermischt zu haben. Betroffen ist nach Angaben der Kontrollbehörde in Utrecht die gesamte Produktion der vergangenen zwei Jahre, wovon der Großteil bereits verzehrt worden sein soll. Nach Ermittlungen soll auf dem Schlachthof Pferde-DNA entdeckt worden sein, von den verunreinigten Produkten geht jedoch laut den Behörden keine Gesundheitsgefahr aus. Ob bereits falsch deklarierte Nahrungsmittel in Deutschland im Umlauf sind, ist noch unklar. Derweil fordert das EU-Parlament eine europaweite Kennzeichnung von Fleischprodukten, welche den Ort der Geburt, Aufzucht und Schlachtung der Tiere deutlich machen soll.
06.02.2014 | permalink
Amerikaner essen weniger Fleisch
USA: Land der Fleischliebhaber (Foto: Flickr/Southern Foodways Alliance)
Neben den Deutschen, die 2012 rund zwei Kilogramm weniger Fleisch aßen im Vergleich zum Vorjahr, hat sich auch die Ernährung der Amerikaner deutlich gewandelt. Jeder Amerikaner aß 2013 laut Daten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) mit 92,2 kg im Schnitt 7,3 kg weniger Fleisch als noch zehn Jahre zuvor. Bei den Fleischpräferenzen der US-Bürger zeigen sich Parallelen zu den Konsumenten in anderen Industriestaaten: Es wird weniger Rindfleisch und stattdessen mehr Huhn eingekauft.
06.02.2014 | permalink
Preispolitik: Discounter machen Tierschutz unmöglich
Eierpreis fällt ins Bodenlose (Foto: flickr/Photog Bill)
Die Verbraucher wollen sie, Produkte, die von artgerecht gehaltenen Tieren stammen. Mindestens die Hälfte der Konsumenten achten beim Einkauf laut erst neulich erschienener SGS-Studie auf diese Form der Haltung und sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen, so die Landesbeauftragte für Tierschutz, Dr. Cornelie Jäger. Der Preiskampf der Discounter, welcher sich derzeit im Bereich des Eierverkaufs abspielt, mache dies jedoch unmöglich. Erst vor gut einer Woche hatte Aldi den Preis für Eier drastisch gesenkt, nur noch 99 Cent kosten zehn Stück jetzt, andere Supermärkte zogen nach: ein Teufelskreis für die Produzenten. Die Tierschutzbeauftragte stellt klar, dass man so Hühnerhalter demotiviert, die sich für mehr Tierschutz in den Geflügelställen einsetzen. Und man treibt sie in den Ruin, von einem bezahlten Euro erhielt der Bauer vorher gerade einmal 25 Cent, jetzt bleibt beinahe nichts mehr. Hinzukommt, dass viele Legehennenhalter hoch verschuldet sind, da in letzter Zeit viel Geld in moderne Anlagen gesteckt wurde, besonders auch weil die konventionelle Käfighaltung seit 2009 verboten ist.
05.02.2014 | permalink
Genmais: Deutschland kündigt Enthaltung an
Weg frei für DuPont (Foto: Infodienst Gentechnik)
Laut Regierungssprecher Steffen Seibert wird sich die Bundesrepublik bei der Abstimmung über den Anbau des Genmais 1507 wohl enthalten. Mit dieser Entscheidung ist es sehr wahrscheinlich, dass die Pflanze des US-Konzerns DuPont zukünftig auf den europäischen Feldern wachsen darf. Wie ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministers Friedrich klarstellte, wäre zwar auch durch eine deutsche Absage keine qualifizierte Mehrheit zustande gekommen, möglicherweise hätte ein klares „Nein“ jedoch andere europäische Staaten überzeugen können. Mit der Haltung der Bundesregierung wird zudem die breite Ablehnung der Bevölkerung übergangen, wie Grünensprecher Harald Ebner klarstellte: „Das ist eine Ohrfeige für eine überwältigende Mehrheit der Menschen in unserem Land, die keine Gentechnik auf Acker und Teller wollen.“
05.02.2014 | permalink
Protest am Kanzleramt: Bürger fordern klares NEIN zu Genmais
Kreativer Protest am Kanzleramt (Foto: Die Auslöser/Berlin)
Innerhalb von 48 Stunden hatten bereits über 170.000 Menschen gegen die Zulassung des Genmaises 1507 unterschrieben. Vor der Sitzung des Bundeskabinetts wurde diese Ablehnung nun vor das Kanzleramt getragen. Mit Schildern und Sprechchören forderten die Protestanten heute Morgen die Bundesregierung auf, einen europaweiten Anbau des DuPont-Pioneer-Mais zu verhindern und am 11. Februar in Brüssel gegen die Zulassung zu stimmen. „Der Koalitionsvertrag versprach vor wenigen Wochen, die Vorbehalte der Bevölkerung gegen Agro-Gentechnik anzuerkennen. Jetzt müssen Frau Merkel, Herr Gabriel und Herr Seehofer liefern!“, so Benny Haerlin von Save Our Seeds. Der Mais 1507 ist gentechnisch so verändert, dass er in allen Pflanzenteilen das für Insektenlarven tödliche Bt-Toxin „Cry1F“ produziert. Zudem ist er resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat, welches aufgrund schädlicher Wirkungen im menschlichen Organismus nur noch 2 Jahre verwendet werden darf.
03.02.2014 | permalink
TTIP zunehmend in Kritik
Widerstand immer größer (Foto: Grüne Jugend)
Das Freihandelsabkommen mit den USA stößt in der Öffentlichkeit zunehmend auf Widerstand. Nun werden auch kritische Stimmen aus der Politik laut, mehrere Parlamentarier zeigten sich besorgt. So machte Landwirtschaftsminister Friedrich gegenüber Spiegel Online deutlich, dass ein Freihandelsabkommen nicht zur Aufweichung der hohen deutschen und europäischen Standards führen darf, die Qualitäts-, Gesundheits- und Sicherheitsstandards gelte es zu verteidigen. Auch Dagmar Behrendt (SPD), Vizepräsidentin des Europäischen Parlament, fühlt sich in Bedrängnis: An sie seien bereits Lobbyisten herangetreten und hatten darum gebeten, ein Auge bei den Lebensmittelgesetzten zuzudrücken, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. Aufgrund der steigenden Skepsis will die EU-Kommission für die weiteren Gespräche nun Verbraucher- und Umweltschützer hinzuziehen.

