Nachrichten
02.05.2014 | permalink
Der Aufstand der Satten
Mathias Greffrath
Das Nachdenken über 'unser täglich Brot' hat die Esstische und die Kinder der Mittelschicht erreicht. Aber die Politik verzagt vor der Aufgabe einer wirklichen Ernährungs- und Agrarwende. Dabei ist der 'Aufstand der Satten' ähnlich explosiv wie die Anti-Atomkraft-Bewegung, meint Mathias Greffrath in seiner Epistel zum 1.Mai - zum Nachlesen oder Anhören empfohlen.
02.05.2014 | permalink
Nationales Gentechnik-Verbot im Hinterzimmer verhandelt
Genmais: Wächst er bald oder nicht?
Am heutigen Freitag verhandeln die EU-Mitgliedsstaaten über die Möglichkeit nationaler Anbauverbote. Erste Entscheidungen dazu können bereits am 7. Mai fallen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert dazu, dass die Verhandlungen geheim ablaufen und dass die Bundesregierung nach wie vor keine klare Meinung zu dem Thema hat.
„Es ist inakzeptabel, wenn fundamentale Fragen zur Sicherung der Gentechnik-Freiheit der EU-Mitgliedsstaaten von Beamten im Hinterzimmer verhandelt werden. Wir zählen deshalb darauf, dass die Bundesregierung verhindert, dass EU-Kommission und -Rat hektisch und in intransparenter Art und Weise den aktuell unzureichenden Vorschlag durchboxen“, so der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein.
Damit die Bundesregierung ihrer Verantwortung gerecht wird, müssten die Bundestagsfraktionen nun Druck aufbauen, rät der Biolandwirt. Die Initiative für einen interfraktionellen Antrag einiger Bundestagsabgeordneter sei zwar ein gutes Zeichen, genüge jedoch nicht. Löwenstein: „Gerade die Abgeordneten der Regierungsparteien müssen sich dafür stark machen, dass die Versprechen des Koalitionsvertrages eingehalten werden. Darin steht, dass die Bundesregierung die Bedenken der Menschen gegenüber der Gentechnik ernst nimmt.
30.04.2014 | permalink
EU-Agrarsubventionen: Viel für die Großen, wenig für die Kleinen
Viele Bündel gehen an Großkonzerne und Ministerien
Still und heimlich hat das Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlicht, wer im Jahr 2013 landwirtschaftliche Subventionen, die einen internationale Wettbewerbsfähigkeit garantieren sollen, bekommen hat. Dabei ist erstaunlich, welche Betriebe teils sehr hohe Förderungen erhalten, während die Kleinbauern häufig auf der Strecke bleiben. Den größten Anteil der Fördergelder erhalten staatliche Institutionen, wie beispielsweise die Landwirtschaftsministerien der Bundesländer. Millionenbeträge kommen zudem Großbetrieben wie Südzucker zugute. Auch die Chemiekonzerne BASF und BAYER erhalten sechsstellige Beträge für die Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik, 10.000 Euro gibt es für ein Waffentestfeld vom Panzerbauer Rheinmetall. Die Kleinbauern kommen dabei zu kurz, denn zwei Prozent der Betriebe bekamen 30 Prozent der Gesamtsumme. Den Kleinbetrieben blieb dabei meist weniger als 20.000 Euro. Reinhild Benning (BUND) kritisiert, dass einzelne Großbetriebe an so viel Geld kommen, während kleinere Landwirte nur einen Bruchteil der Beträge erhalten, die Subventionen sieht sie als 'eine Art Hartz IV für Bauern'.
28.04.2014 | permalink
McDonald's-Kritik: Kein Appetit auf Gentechnik-Nuggets?
Hähnchenfleisch ab jetzt mit Gentechnik
Am Wochenende teilte die Fast-Food-Kette McDonald‘s mit, zukünftig gentechnisch veränderte Fütterung ihres Geflügels zuzulassen und folgt damit dem Großteil des Einzelhandels. Grund dafür ist die Aufhebung des Gentechnikverzichts, die der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) vor zwei Monaten mitteilte. Zuvor wurde deutlich, dass der Konzern weltweit erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste. Immer mehr Menschen, auch in Deutschland, kehren der Kette den Rücken zu. Die Entscheidung, nach 13 Jahren wieder Gentechnik einzuführen, dürfte diese Tendenz noch verstärken: Auf der Facebook-Seite von McDonald's sprechen sich bereits immer mehr für einen Boykott aus. Die Begründung für den Schritt, es gäbe keine ausreichenden Mengen an GVO-freien Futtermitteln „zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen“, stößt auf starke Kritik: Laut Greenpeace wäre nur eine Preissteigerung von einem Cent nötig, um Gentechnikfreiheit weiterhin zu garantieren. Stattdessen gibt es nun Essen, das Gifteinsatz und Gentechnik fördere, obwohl die Mehrheit dies ablehne, so die Umweltorganisation.
23.04.2014 | permalink
Tierhaltung: Antibiotikavergabe schadet Umwelt
Bei Schweinen wurde Antibiotikawirkung auf Umwelt beobachtet
Deutschlandweit wurden 2012 rund 1600 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt, nicht ohne Folgen: Bis zu 80 Prozent der antibakteriellen Wirkstoffe werden wieder ausgeschieden, wodurch die Umwelt geschädigt wird und Resistenzen entstehen. Jährlich sterben in Europa so 25.000 Menschen, bei denen die Medikamente nicht wirken. Ein Forschungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat zudem herausgefunden, dass besonders die Art der Medikamentenvergabe negative Umwelteinflüsse nach sich zieht. Meist werden die Stoffe in Pulverform über das Futter verabreicht, durch die hohe Staubentwicklung in den Ställen nehmen so auch gesunde Schweine, Tierärzte und Bauern diese auf und tragen sie nach draußen. Die Lösung könnte beispielsweise die Vergabe in Form von Pellets oder Granulat sein. Einen einzigen „Öko-Wirkstoff“, der die gesamte Problematik behebt, gibt es jedoch laut dem teilnehmenden Prof. Dr. Klaus Kümmerer nicht. Die Erkenntnis: Je nach Umgebung wird die Wirkstoffgruppe der wichtigen Sulfonamide unterschiedlich schnell abgebaut, wodurch zukünftig umweltfreundlichere Antibiotika entwickelt werden können.
22.04.2014 | permalink
Dumpingpreise: Lebensmittel verramscht, Tierwohl untergraben
Fleisch verliert zunehmend eigentlichen Wert
Die Preisspirale der Discounter dreht sich immer weiter nach unten, jetzt auch beim Geflügelfleisch. Aldi hat die Preise um bis zu 20 Prozent gesenkt, dass andere Ketten folgen, ist vorprogrammiert. Nun werden die kritischen Stimmen immer lauter. Der Vorsitzende des Verbandes der Milcherzeuger Bayern, Leonhard Welzmiller, verurteilt die Vorgänge: „Unsere Grundnahrungsmittel werden einfach verramscht“, so der Bauer. Die Wertschätzung für Lebensmittel geht zunehmend verloren, die Landwirte verdienen immer weniger und die geplante Tierwohlinitiative scheint immer schwerer umsetzbar. Zehn Cent pro Hähnchen bekommt beispielsweise der Mäster Richard Herb aus Aichach noch pro Tier, Tendenz fallend. Gleichzeitig kann das hohe Bedürfnis nach dem billigen Fleisch kaum mehr bedient werden. Paradox, dass sich zwar Konsumenten und Lebensmittelhandel für mehr Tierwohl aussprechen, nun aber die Läden einrennen und immer wieder neue Preisrunden einläuten. Das Tierwohl wird untergraben, „die Discounter unterlaufen die Initiative, die wir auf den Weg gebracht haben“, so Bauernpräsident Walter Heidl.
11.04.2014 | permalink
Bundesrat gegen Chemie auf Öko-Vorrangflächen
Vorrangflächen sollen Naturschutz fördern
Der Bundesrat hat heute dafür gestimmt, auf den ökologischen Vorrangflächen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und keine Mineraldünger einzusetzen. Diese ökologischen Vorrangflächen müssen ab dem Jahr 2015 von landwirtschaftlichen Betrieben, die mehr als 15 Hektar Acker bewirtschaften, ausgewiesen werden, was etwa fünf Prozent der Betriebsackerflächen bedeutet. Die Einführung dieser ökologischen Vorrangflächen ist Bestandteil des „Greenings“ im Rahmen der neuen EU-Agrarpolitik, die im Januar 2015 EU-weit in Kraft tritt. Die nationale Umsetzung der Agrarpolitik ist den Mitgliedsstaaten weitgehend selbst überlassen, der Gesetzesentwurf der Bundesregierung dazu stand heute erstmals auf der Tagesordnung. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) begrüßte die Entscheidung des Bundesrates. Der Beschluss sei ein wichtiger Schritt zu einer ökologisch wirksamen Greening-Umsetzung.
10.04.2014 | permalink
Ostereier sind häufig aus Käfighaltung
Ostereier: Ursprung unbekannt!
Ostern steht vor der Tür, bemalte Eier in allen nur erdenklichen Farben dürfen da natürlich nicht fehlen. Diese stammen jedoch häufig von Hühnern aus Käfighaltung und der Verbraucher weiß davon nichts, warnen Tierschützer. Bereits seit über zehn Jahren müssen Eier zwar gekennzeichnet sein, Herkunft und Haltungsform sind so für jeden klar ersichtlich. Die Kennzeichnungspflicht betrifft jedoch nur frische Eier. Gekochte und weiterverarbeitete Eier und Eiprodukte sind von dieser Regelung ausgenommen. Die Tierschützer betonen, dass deshalb auch in Eierlikör, Backmischungen, Fertigkuchen und Keksen Eier von Hühnern enthalten sein können, die nur ein DIN4 Blatt zum leben haben. Dort können die Tiere ihre Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen nicht ausleben, so Wissenschaftler. Der Deutsche Tierschutzbund fordert, dass Firmen die Haltungssysteme auch auf allen Fertigprodukten kennzeichnen müssen.
08.04.2014 | permalink
Konsumausgaben: Nahrungsmittel haben niedrigen Stellenwert
Deutsche geben wenig für den Einkauf aus
Die Deutschen scheinen Lebensmittel keinen besonderen Wert zuzusprechen, nur ein Zehntel des Gesamteinkommens gibt der Bundesbürger für Essen und Trinken aus. Das teile das Bundeslandwirtschaftsministerium mit, nachdem es eine Anfrage der Grünen aufgrund des letzten Preiskampfes der Discounter gab. Insgesamt wurden die Ausgaben von zehn EU-Ländern verglichen, nur in Großbritannien und Österreich wird mit 9,5 Prozent noch weniger bezahlt. Dem gegenüber stehen Griechen und Polen, die beinahe ein Fünftel ihres Einkommens für den Einkauf verwenden.
07.04.2014 | permalink
Verbot von millionenfacher Küken-Tötung gefordert
Nur die weiblichen Küken bleiben (Foto: pixelio)
50 Millionen männliche Eintagsküken werden jährlich vergast oder geschreddert, weil sie weder Fleisch ansetzen noch Eier legen. Nun rückt ein deutschlandweites Verbot dieser grausamen Praxis immer näher. Die Agrarminister von Bund und Ländern waren sich bei der Agrarministerkonferenz Ende letzter Woche in Cottbus einig, schnellstmöglich Alternativen ausarbeiten zu wollen und Ergebnisse vorzulegen. Vielversprechend könnte dabei die Zucht des sogenannten „Zweinutzungs-Huhns“ sein, dass für die Fleisch- und Eierproduktion einsetzbar ist. Zudem fördert das Landwirtschaftsministerium ein israelisches Unternehmen, welches ein Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickelt. Der Zentralverband Deutsches Geflügel (ZDG) befürchtet indes erhebliche Probleme bei einem generellen Tötungsverbot. Zudem sei die Vorgehensweise im Sinne des Tierschutzgesetzes, da die Tiere nicht entsorgt sondern verfüttert würden, so der Branchenverband.

