Nachrichten
16.07.2014 | permalink
Schweinezucht: ARD-Bericht löst Empörungswelle aus
Eingepferchte Sauen, gequälte Ferkel (Foto: ARIWA)
Die am Montagabend in der ARD ausgestrahlte Dokumentation „Deutschlands Ferkelfabriken“ ruft heftige Reaktionen hervor, weit über 100 Artikel sind erschienen, das Netz reagiert mit Entsetzen. Grund dafür: Die Exclusiv-Reportage offenbart, wie brutal es in konventionell betriebenen Schweineställen zugeht. Dabei wird deutlich, dass die Tiere nur noch als Produkt fungieren, für Tierschutz scheint in der Billigfleischrepublik Deutschland kein Platz zu sein. Gezeigt wird, wie Ferkel scheinbar systematisch gesetzeswidrig totgeschlagen werden, da die überzüchteten Muttersauen nicht ausreichend Zitzen für die vielen Nachkommen besitzen. Durchfüttern ist möglich, aber dem Preisdruck geschuldet nicht wirtschaftlich. Ein anderer Umgang mit fühlenden Lebewesen ist machbar, wie am Beispiel Schweiz gezeigt wird. Hier hat Tierschutz einen höheren Stellenwert, die Bauern werden dafür finanziell unterstützt. Nun werden auch vermehrt Stimmen vonseiten der Branche laut, „was zu sehen war, ist abschreckend und nicht akzeptabel!“, so beispielsweise der Lobbyverband der Schweinehalter (ISN). Die Bundestierärztekammer fordert derweil eine Abkehr der gezeigten Praxis und dem Zuchtziel „große Würfe“, der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gestellt.
11.07.2014 | permalink
TV-Bericht: Tierärzte als wandelnde Apotheken
Viele Medikamente für viele Tiere
Ein gestern Abend ausgestrahlte TV-Bericht bei MONITOR beschäftigte sich unter anderem mit dem Thema der Antibiotikavergabe in Tiermastbetrieben. Der Tierarzt Norbert Roers, den das System zum Ausstieg gebracht hat, erzählt dort, wie er früher agieren musste, um zu überleben: „Du lebst heute nicht mehr davon, im Wesentlichen Tiere zu untersuchen, Tiere zu behandeln, zu operieren, sondern leider in einem großen Maße davon, Medikamente an die größer werdenden Bestände, an die Anforderungen der modernen Landwirtschaft zu erfüllen“, so Roers. Damit verdiente er fast die Hälfte seines Gehaltes, je mehr Medikamente er an den Mann brachte, desto mehr blieb am Monatsende übrig. 1619 Tonnen Antibiotika wurden 2012 eingesetzt. Um das zu ändern müsse die Art der Tierhaltung dringend geändert werden, sonst könne keine Medikamentenreduktion erfolgen, so der frühere Arzt. Besonders auch, um zukünftig lebensbedrohlich Resistenzbildung beim Menschen und die Schädigung des Ökosystems zu verhindern.
10.07.2014 | permalink
Bundesregierung will Tierschutz stärken
Artgerechtere Tierhaltung anvisiert
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt plant den Tierschutz in Deutschland finanzkräftig weiter nach vorne zu bringen. Nach Angaben des Ministers soll vor allem im Bereich der Ausbildung und Forschung der Fokus verstärkt auf artgerechte Tierhaltung gelegt werden. Dafür sollen rund 20 Millionen Euro aufgewendet werden. 'Wir wollen eine nationale Tierwohloffensive entwickeln. Konkret werden wir die Sachkunde der Tierhalter fördern und die Forschung sowie Modell- und Demonstrationsvorhaben im Bereich Tierschutz intensivieren', so Schmidt gegenüber der Rheinischen Post. Der Politiker will sich dabei nicht nur auf Deutschland beschränken, auch auf EU-Ebene möchte er höhere Standards durchsetzen, zuletzt angeregt durch den Austausch mit dänischen Kollegen.
08.07.2014 | permalink
Über 3000 Menschen demonstrieren gegen Agrarindustrie
Mehrere tausend Demonstranten in Dresden
Am vergangenen Samstag demonstrierten in Dresden über 3000 Menschen für gutes Essen und eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Sachsen. Sie machten sich für die Wertschätzung unserer Nahrungsmittel und deren Erzeugung stark und forderten einen Wandel in der sächsischen Agrarpolitik. Zu der Demonstration hatte das im Mai dieses Jahres neu gegründete Agrar- und Verbraucherbündnis „Meine Landwirtschaft Sachsen“ aufgerufen, dem zahlreiche Verbraucher- und Erzeugerverbände, Umwelt- und Naturschutzvereine und Bürgerinitiativen angehören. Das Bündnis fordert eine Agrarwende, da es die derzeitige Form der agrarindustriellen Landwirtschaft nicht als zukunftsfähig erachtet, um die Nahrungsmittelversorgung im Einklang mit der Umwelt sicherzustellen. Auf der Demo setzten sich verschiedene RednerInnen konkret für ein Ende der Massentierhaltung, gegen TTIP und dessen Folgen für die Landwirtschaft und Ernährung und für eine Neuordnung der Agrarsubventionen, Förderung von Klein- und Jungbauern und eine ökologischere Landwirtschaft ein.
04.07.2014 | permalink
Grünlandschwund: Bundesamt zeigt sich besorgt
Blumenwiesen fördern Artenvielfalt
Wiesen sind ein Eldorado für Kleintiere, allerlei Organismen und Wildpflanzen. Nicht aber, wenn diese immer häufiger in Ackerland umgewandelt werden oder intensiver Nutzung ausgesetzt sind. Das hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) diese Woche festgestellt. In den letzten fünf Jahren ist der Grünlandbestand deutschlandweit um 7,4 Prozent zurückgegangen, das entspricht etwa der Fläche Berlins. „Diese drastische Abnahme [...] zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft [...] nicht die beabsichtigte Wirkung hatten“, so Prof. Beate Jessel, Präsidentin des BfN. Immer häufiger müssen bunte Blumenwiesen weichen, da sie keinen Profit versprechen. Anstelle dessen werden vermehrt Energiepflanzen wie Mais angebaut, da diese zur Stromgewinnung in Biogasanlagen besonders gefördert werden. Der Kosten-Nutzen-Faktor steht an erster Stelle, es wird häufiger gedüngt und gemäht, um mehr Tierfutter erzeugen zu können. Das Bundesamt fordert deshalb „ein flächendeckendes Grünlanderhaltungsgebot“, um die Artenvielfalt zu erhöhen. Von der Agrarreform, die ab 2015 in Kraft tritt, verspricht es sich so gut wie nichts.
01.07.2014 | permalink
Erfolgreiche Demonstration in Haßleben
Über tausend Demonstranten waren dabei
Mit ihrer Demonstration „Wir haben es satt“ an dem geplanten Megastall im Uckermärkischen Haßleben protestierten am vergangenen Sonntag trotz Regen etwa 1000 Menschen gegen die Fehlentwicklung der deutschen Agrarindustrie. Sie fordern von der rot-roten Regierung in Brandenburg die Genehmigung der Mastanlage auf den Prüfstand zu stellen. Die naturschutz- und brandschutzfachlichen Voraussetzungen für die Genehmigung seien nicht ausreichend geprüft worden. Die Landesregierung riskiere 36 000faches unermessliches Tierleid. Unterdessen wird der Protest in Haßleben von 20 000 BrandenburgerInnen mit deren Unterschriften für die Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ des Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg unterstützt. „36 000 Schweine in einer DDR-Altanlage am Rande eines Naturschutzgebietes in der Uckermark zu halten - das ist aus ökologischen, ethischen und bäuerlichen Gesichtspunkten ein Super-Gau der Landwirtschaft. Die brandenburgische Regierung muss alles tun, um diese Genehmigung zurück zu ziehen,“ sagt Jochen Fritz, Pressesprecher des „Wir haben es satt“-Bündnisses.
25.06.2014 | permalink
Studien: Pestizide sind starke Bedrohung für Mensch und Tier
Pestizide werden weltweit in hohem Maße eingesetzt
In den letzten Tagen sind gleich zwei Studien erschienen, welche die schädlichen Auswirkungen von Pflanzenschutzmittel in der konventionellen Landwirtschaft aufzeigen. 29 unabhängige Forscher haben mehr als 800 Einzelstudien zum Thema Pestizide, insbesondere Neonicotinoide und Fipronil, ausgewertet. Das Ergebnis ist erschreckend: Die Chemikalien sind nicht nur für das dramatische Bienensterben verantwortlich, wie bereits bekannt. Zusätzlich schaden sie Bestäubern wie Schmetterlingen und Tieren, beispielsweise Vögeln sowie Regenwürmern in erheblichem Maße. „Die Forschungsergebnisse sind aufs Schwerste beunruhigend“, so der Vorsitzende Maarten Bijleveld van Lexmond. Die weltweit sehr beliebten, häufig eingesetzten Pestizide sollten sofort verboten werden, da sie auf die Lebewesen unmittelbar tödlich oder chronisch schädigend wirken, so die Forscher. Eine zweite Studie macht deutlich, dass die Pflanzengifte auch auf den menschlichen Organismus negative Auswirkungen haben. Schwangere Frauen, die in der Nachbarschaft von mit Pestiziden behandelten Feldern leben, haben ein um zwei Drittel erhöhtes Risiko autistische oder kognitiv eingeschränkte Kinder zu bekommen. Die US-Forscher verglichen die Wohnorte von rund tausend Mütter autistischer Kinder in Kalifornien mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vor Ort.
24.06.2014 | permalink
Ökomonitoring: Wo Bio drauf steht ist Bio drin
Quelle: www.oekolandbau.de/Copyright BLE/Naturkostladen "Dolce Bio"
Bio boomt wie selten zuvor. Gleichzeitig fragen sich viele Verbraucher, ob ihre Mehrinvestitionen in ökologisch hergestellte Produkte tatsächlich gerechtfertigt sind. Aus diesem Grund werden Bio-Produkte in Baden-Württemberg zusätzlich zu den vorgeschriebenen Kontrollen im sogenannten Ökomonitoring geprüft. Das Ergebnis auch in diesem Jahr: „Die Bioprodukte genießen zu Recht einen guten Ruf, da wo Bio drauf steht ist auch Bio drin“, so Verbraucherminister Bonde bei der Vorstellung des Berichts gestern. Insgesamt wurden 800 Produktproben auf Rückstände und Verunreinigungen wie beispielsweise Pestizide und GVO-Organismen untersucht. Bei 97 Prozent der getesteten Artikel war die Öko-Auslobung gerechtfertigt. Im Vergleich dazu enthielt konventionell angebautes Obst im Schnitt einen 40-fach höheren Gehalt an Pestiziden, konventionelles Gemüse war sogar um das 95-fache stärker belastet.
23.06.2014 | permalink
Demonstration gegen Megastall in Haßleben
Heutige Pressekonferenz zur Demo
Am Sonntag, den 29. Juni, ruft das breite Agrarbündnis der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ erneut zu einer „Wir haben es satt“-Demo auf, diesmal im brandenburgischen Haßleben. Grund: Ein geplanter Megastall mit 36.000 Plätzen für Schweine soll dort in Betrieb genommen werden, Symbol von verfehlter Agrarpolitik in Deutschland. Bei der heutigen Pressekonferenz in Berlin machte Sybilla Keitel, von der Bürgerinitiative „Kontra Industrieschwein Haßleben“, deutlich, dass dem holländischen Investor aus gutem Grund der Bau im Heimatland verwehrt wurde: „Über die fürchterlichen Bedingungen sowie die globalen Konsequenzen ist inzwischen jeder informiert“, so Keitel. Bernd Voß, Bundesvorsitzender der AbL, kritisierte, dass die steigende Überproduktion an Schweinefleisch besonders den Landwirten finanziellen Schaden zufüge und der Fleischindustrie in die Hände spiele. Vor allem dürften auch nicht die globalen Auswirkungen der Fleischproduktion außer Acht gelassen werden, so Stig Tanzmann, von Brot für die Welt: „Der industrielle und monokulturelle Sojaanbau in den in südamerikanischen Anbauländern geht häufig mit gravierenden Menschenrechtsverstößen und dramatischen Umweltproblemen einher“. Hintergrundinformationen zur Schweinemarkt-Entwicklung und deren Folgen liefert die Studie „System billiges Schweinefleisch“.
20.06.2014 | permalink
Tierschutz-Prämie: Mein Schwanz bleibt ganz
Ringelschwänze sieht man selten
Der grüne Landwirtschaftsminister Christian Meyer will in Niedersachsen einen weiteren Schritt in Richtung verbesserter Tierschutz gehen. Mit der sogenannten Ringelschwanz-Prämie sollen konventionelle Landwirte finanziell unterstützt werden, wenn sie auf das Kupieren der Schweineschwänze verzichten. Dafür muss die Haltung der Tiere angepasst werden: Die Schweine sollen auf Stroh gehalten werden, Beschäftigungsmaterial und mehr Platz erhalten sowie intensivere Betreuung bekommen. Den Bauern sollen diese Zusatzleistungen mit 16 bis 18 Euro honoriert werden, so die Landwirtschaftskammer. Meyer geht mit dieser Idee auf die Forderungen der Landwirte ein, Tierschutzleistungen auch finanziell zu unterstützen. Das sei sehr attraktiv, wie erste Rückmeldungen zeigen würden, so der Minister. Die korrekte Umsetzung des Tierschutzprogramms soll unabhängig überprüft werden. Vom Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) kommt bereits harsche Kritik an dem Vorhaben: Ein Verzicht auf die gängige Praxis sei „unverantwortlich“ und berge ein hohes Tierschutz- und Wirtschaftsrisiko.

