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Nachrichten

22.11.2016 |

Mit neun konkreten Forderungen ins Wahljahr

WHES2017 Nein zu Patenten von Bayer und Monsanto!

„Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ – unter diesem Motto werden am 21. Januar 2017 wieder Zehntausende in Berlin bei der 7. „Wir haben es satt!“-Demonstration für die Agrar- und Ernährungswende auf die Straße gehen. Im Wahljahr haben die mehr als 45 Trägerorganisationen der Demonstration neun konkrete Forderungen an die nächste Bundesregierung entwickelt.

Wie schon in den Vorjahren ist auch 2017 das bestimmende Thema für die DemonstrantInnen das Höfesterben, das unverändert dramatische Dimensionen hat. In den letzten zehn Jahren mussten mehr als 40.000 Milchviehbetriebe und 64.000 Schweine haltende Höfe aufgeben – eine Trendumkehr ist nicht abzusehen.

Im Fokus der Proteste steht auch die geplante Fusion von Bayer und Monsanto. Schon jetzt halten die beiden Konzerne eine Vielzahl von Patenten auf Leben, Saatgut und Pflanzen. Bei einer erfolgreichen Fusion würde der künftige Megakonzern auf einen Schlag zum globalen Marktführer im Bereich Pestizide und Saatgut. Die DemonstrantInnen befürchten, dass der Konzern durch seine Monopolstellung noch mehr Macht über die Ernährungsgrundlagen der Welt erhalten würde. Sie kritisieren insbesondere, dass Bayer-Monsanto mit Saatgut, das nur gegen seine eigenen Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat resistent ist, alternativlos für Bauern werden will.

Der Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“, Jochen Fritz, bringt es auf den Punkt: „Wer die Saat hat, hat das Sagen - dieses alte bäuerliche Sprichwort ist heute immer noch richtig.“ Die Fusion von Bayer und Monsanto sei eine Gefahr für uns alle, bemerkt der Landwirt im Nebenerwerb, der einer der Organisatoren der Demonstration ist. „Die Bundesregierung darf nicht länger zusehen, wie immer weniger Konzerne immer mehr Macht über unsere Teller und Äcker erhalten. Deswegen muss die Elefantenhochzeit von Bayer und Monsanto gestoppt werden!“, so Fritz. Man erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie nach der Wahl im Herbst die Agrarwende konsequent umsetzt. Bei der Demonstration gehen Bauern und Verbraucher gemeinsam dafür auf die Straße, damit Konzerne wie Bayer-Monsanto nicht länger über das Essen bestimmen!

Mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Herbst richten die VeranstalterInnen der Demonstration neun konkrete Forderungen an die zukünftige Bundesregierung. Ihre Absicht dabei: kleine und mittlere Bauernhöfe erhalten, den Weg zu gesundem Essen und mehr Tierwohl ebnen und Konzernmacht eindämmen.

Dafür fordert "Wir haben es satt!" unter anderem:

- Jährlich 500 Millionen Euro mehr in bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft investieren sowie Anreize für besonders artgerechte Tierhaltung und umweltschonendere Bewirtschaftung schaffen!
- Bis 2020 mindestens 50 % der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft!
- Tierschutzgesetz ohne Ausnahmen umsetzen! Bis zum Jahr 2020 Antibiotika um mindestens 50 % reduzieren, Antibiotikamissbrauch sofort stoppen und Reserveantibiotika in der Tierhaltung verbieten!
- Megakonzerne im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor aufbrechen und keine weiteren Fusionen – wie die von Bayer mit Monsanto – zulassen!

Den Aufruf und die neun Forderungen nachlesen: www.wir-haben-es-satt.de/aufruf

18.11.2016 |

Tierwohl durch Technik? "EuroTier"-Messe will technische Lösungen statt Veränderung

Eurotier Sieht so die Tierhaltung der Zukunft aus? (c) EuroTier

Heute endet die weltweit größte Messe für landwirtschaftliche Nutztierhaltung „EuroTier“, auf der sich BesucherInnen vier Tage lang in Hannover über technische Neuerungen in der Tierhaltung informieren konnten. Der Schwerpunkt der alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellung war das Thema „Tierwohl und Tiergesundheit“. Begleitet wurde die Veranstaltung von Protesten von TierschützerInnen und Umweltorganisationen, die die Auswirkungen von Massentierhaltung für Tiere, Umwelt und Klima kritisierten.

Vier Tage lang präsentierten über 2600 Aussteller aus 57 Ländern ihre Innovationen auf den Gebieten der Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung. Als Weltneuheit wurde zum Beispiel die „Schweinewaage der Zukunft“ vorgestellt: eine stressfreie Alternative zur Käfigwaage. Das Gewicht wird dabei aus der 3D-Aufnahme eines Tabletts berechnet, wodurch Schweine psychisch entlastet werden sollen. Die meisten der Aussteller sind auf konventionelle Haltung ausgerichtet, aber auch die Biobranche ist dort vertreten. Bioland etwa informiert an seinem Stand über die Vorteile der Umstellung auf Biolandbau, insbesondere bei Milchvieh- und Geflügelbetrieben.

Problematisch ist die Vision der Tierhaltung, für die das Gros der Aussteller steht. Statt Tierzahlen zu reduzieren und konsequent an die Fläche zu binden, wird nahegelegt, mit technischen Lösungen könne Massentierhaltung in seiner aktuellen Form weiterbestehen. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert in diesem Zusammenhang beispielsweise, die Milchtierhaltung sei schon jetzt viel zu leistungsorientiert, weswegen die Lebenserwartung von Kühen in den letzten Jahren rapide zurückgegangen sei. Beim automatisierten Melken etwa würden Krankheiten viel später erkannt, als wenn per Hand gemolken wird.

Vor Beginn der Messe zogen am vergangenen Samstagzogen mehrere hundert Demonstranten durch die Innenstadt von Hannover, um gegen die „EuroTier“ zu protestieren. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass die Tierindustrie Umwelt und Tieren schade, so ein Sprecher des „Animal Climate Action“-Netzwerks. Die Tierproduktion sei „ein wichtiger Treiber für Land- und Wasserverbrauch, für die Abholzung von Urwäldern und nicht zuletzt für das rasante Artensterben“, so lautet die Kritik. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood schlug in die gleiche Kerbe. Zur Eröffnung der Messe entrollten AktivistInnen vor dem Haupteingang in neun Metern Höhe ein großes Banner mit der Aufschrift „Wald nicht verwursten – Tierfabriken schließen“. Die Organisation fordert eine drastische Reduktion der Tierproduktion zum Schutz der Regenwälder.

10.11.2016 |

BÖLW-Herbsttagung: Landwirtschaft und Klimakrise

BÖLW-Herbsttagung 2016 (Quelle: BÖLW) BÖLW-Herbsttagung 2016 (Quelle: BÖLW)

Am 09.11. diskutierten unter dem Aufhänger „Agriculture please!“ Referent*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Rolle der Landwirtschaft in der Klimakrise auf der Herbsttagung des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die Teilnehmenden des Panels zeigten sich sichtlich enttäuscht über die Vertagung des Klimaschutzplans.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte sich am Dienstagabend in letzter Minute geweigert, der nationalen Strategie für die zu erreichenden Klimaschutzziele aus Paris zuzustimmen. Damit stellt er Bundesumweltministerin Hendriks nicht nur bloß, sondern schickt sie „ohne Plan“ zum Klimagipfel nach Marrakesch, wo der jüngst in Kraft getretene Klimavertrag von Paris konkretisiert wird.
Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) stellte zunächst weltweite Herausforderungen für Landwirtschaft und Landnutzung sowie mögliche Lösungsansätze in einem Vortrag dar. Neben der steigenden Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nach Bioenergie benannte der Professor für nachhaltige Landnutzung und Klimawandel unter anderem die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen, die knapp ein Viertel des Gesamtausstoßes ausmachen, als zentralen Faktor. Die Tierproduktion sei hier eine wesentliche Stellgröße. Als mögliche Lösungsansätze nannte er beispielsweise Emissionshandel oder -besteuerung sowie Kompensationszahlungen, aber auch Technologieentwicklungen, Informationssysteme und die Integration verschiedener Politikbereiche.
Anschließend diskutierten Bernhard Walter (Brot für die Welt), Bärbel Höhn (Bündnis 90/ Die Grünen), Clemens Neumann (BMEL), Jan Plagge (BÖLW) und Lotze-Campen selbst die Rolle der Landwirtschaft als Täter, Opfer und Retter der Klimakrise. Die Panelist*innen kritisierten insbesondere die fehlenden Maßnahmen im Klimaschutzplan der Bundesregierung. Höhn prangerte beispielsweise an, längst vorhandene Studien zur Bedeutung des Fleischkonsums erneut zu erstellen. So ginge nicht-vorhandene Zeit verloren und die Klimaschutzziele rückten in weite Ferne. Schließlich forderte BÖLW-Vorstand Plagge vom Vertreter des Landwirtschaftsministeriums Neumann, dass Zielkonflikte nicht – wie im Klimaschutzplan formuliert – vermieden werden sollten. Vielmehr solle sich die Politik diesen Konflikten stellen, um eine Lösung zu finden.
Hoffnung verbreitete der Impulsvortrag von Sepp Braun, Bioland-Bauer aus Bayern. Anhand ausgewählter Positivbeispiele verdeutlichte Braun, wie er die Agrarwende tagtäglich auf seinem Betrieb Wirklichkeit werden lässt. Er stellte Agroforstsysteme sowie das Ausbringen von Kleegras-Kräutern zur Kohlendioxidspeicherung und für Humusböden als vielversprechende Beiträge für eine nachhaltige Landwirtschaft vor. Alexander Mahler vom Forum für ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) unterstrich in seinem Zwischenruf die Bedeutung der Internalisierung externer Kosten. Kund*innen würden noch immer überwiegend durch die Preispolitik beeinflusst, ihre Kaufentscheidung treffen. Das Label „Preis“ müsse folglich die ökologische Wahrheit sprechen.
Auf der Veranstaltung ist deutlich geworden, dass die Bundesregierung konkrete Maßnahmen im Klimaschutzplan integrieren muss. Sonst werden wichtige Klimaschutzziele wie die Kohlendioxidreduktion und das 2-Grad-Ziel keinesfalls erreicht.

09.11.2016 |

Milchbauern profitieren am wenigsten von aktueller Preiserhöhung

Bauern steht das Wasser bis zum Hals Milchbauern steht das Wasser immer noch bis zum Hals (Foto: Meine Landwirtschaft)

Nachdem die Milchpreise monatelang im Keller waren, entwickeln sich die Märkte in den letzten Wochen positiv. Die Discounterkette Aldi etwa erhöhte vergangene Woche die Preise für fettarme Milch um 43% auf 60 Cent pro Liter. Hintergrund ist der neue zum 1. November in Kraft getretene Halbjahresvertrag zwischen Großmolkereien und Handelskonzernen, der die Preise für Trinkmilch und andere Milchprodukte festlegt. Es ist davon auszugehen, dass andere Supermarktketten nachziehen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) verlautete vergangene Woche jedoch, dass die extreme Krise im Milchsektor damit noch lange nicht ausgestanden sei.

„In einem Preissystem, in dem sich immer erst Handel und Molkereien ihre Marge ziehen und die Milchbauern erhalten, was übrig bleibt, sind die Bauern nicht nur Restgeldempfänger“, erklärte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Die Bauern seien das letzte Glied in der Wertschöpfungskette und profitierten von Markterholungen viel zu spät. „Die Molkereien haben hier die Verantwortung, dass die deutlich besseren Vermarktungschancen unmittelbar ihren Niederschlag in den Milcherzeugerpreisen finden“, so Schaber.

Trotz der ökonomischen Trendumkehr machen die Milchviehhalter noch immer mit jedem Liter Milch Verluste. Die Milchbetriebe sind bereits massiv verschuldet und geschwächt durch die lange Krise. Sie fordern daher, dass die Mehrerlöse sofort und vollständig an die Produzenten weitergegeben werden müssen. Dafür hatten BDM-Mitglieder Anfang Oktober bundesweit bei Molkereien und Handel demonstriert.

08.11.2016 |

Weg von der Gießkannenförderung: NABU schlägt neues Modell für EU-Agrarförderung vor

Umwelt und Landwirte sollen von dem Modell gemeinsam profitieren (Foto: CCO, Pixabay) Umwelt und Landwirte sollen profitieren (CC0: Pixabay)

Angesichts der anhaltend schlechten Umweltbilanz der EU-Landwirtschaftspolitik fordert der Naturschutzbund (NABU) drastische Änderungen bei der künftigen Agrarförderung. Dabei stützt sich die Organisation auf eine jüngst erschienene Studie des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB). Diese berechnet erstmals anhand eines konkreten Modells, wie die Agrarsubventionen in Zukunft so verteilt werden können, dass Landwirte und Umwelt gleichermaßen profitieren.

Das entworfene Modell sieht vor, statt wie bisher bedingungslos und pauschal Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe auszugeben, diese durch neue, an konkrete Nachhaltigkeitskritierien geknüpfte Prämien zu ersetzen. Zusammen mit gezielten Zahlungen für bestimmte Umweltleistungen und -maßnahmen würde dies zu einem ökonomisch attraktiven Anreiz für die Landwirte führen, der weit über den Ausgleich von Einkommensverlusten hinausgeht. Bei gleich bleibender Fördersumme könnten drei Viertel der deutschen Agrarfläche besonders naturverträglich bewirtschaftet werden und gleichzeitig die Einkommen der teilnehmenden Betriebe steigen.
Insgesamt will der NABU mit dem Vorschlag die aktuelle ineffiziente „Gießkannenförderung“ durch Prämien für nachhaltiges Wirtschaften und Naturschutzleistungen ersetzen. Die hohen gesellschaftlichen Kosten, die zur Behebung der Schäden an Boden, Wasser und Natur entstehen, würden so wegfallen – und so auch die Doppelbelastung der SteuerzahlerInnen entfallen, so NABU-Präsident, Olaf Tschimpke.

Zugleich liefert der NABU mit dem Modell eine Antwort auf das derzeitige Höfesterben, die Klima- und Naturschutzzielen gerecht wird. Betriebe, die in Zukunft mindestens 10% ihres Ackerlandes oder 20% ihres Grünlandes als ökologisch hochwertige Flächen bewirtschaften, wären finanziell mindestens gleichwertig oder sogar besser gestellt als bisher. Der Autor der Studie, Rainer Oppermann betont: „ Es ist wichtig, dass weiterhin EU-Gelder bei Bauern und Waldbesitzern ankommen. Diese Gelder müssen aber denjenigen unter ihnen zu Gute kommen, die wirklich Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus.“ Betriebe, die nur die Mindeststandards der Umweltgesetze einhalten wollen, könnten dies auch weiterhin tun – erhalten dann aber kein Geld mehr von SteuerzahlerInnen.

31.10.2016 |

Konzernriesen gefährden Recht auf Nahrung

Konzernriesen kontrollieren Saatgutmarkt (Foto: CC0, pixabay) Konzernriesen kontrollieren Saatgutmarkt (Foto: CC0, pixabay)

Im Jahrbuch zum Recht auf Nahrung prangern Brot für die Welt, FIAN und ICCO zusammen mit internationalen Fachorganisationen und Netzwerken die Fusion von Megakonzernen auf den Saatgut- und Pestizidmärkten an. Der Fokus des mittlerweile neunten Berichts liegt diesmal auf dem Zugang zu Saatgut. Vor dem Hintergrund der angepeilten Fusion von Bayer und Monsanto zeigt sich, wie brisant das Thema ist.

Bayer-Monsanto würde zusammen mit den anderen fusionierenden Riesenkonzernen (Dow-DuPont sowie Syngenta-ChemChina) künftig 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes und 70 Prozent des Pestizidmarktes kontrollieren. Der Machtzuwachs wäre somit enorm. Die Konzerne könnten den Zugang zu Saatgut weitgehend kontrollieren und würden so das Recht auf Nahrung im bäuerlichen Saatgutsystem gefährden. Roman Herre von FIAN erklärt hierzu: "Es existiert weltweit ein informeller Saatgutmarkt, auf dem Bauern und Bäuerinnen Saatgut oft direkt tauschen und verkaufen." Diese direkten Tausch- und Handelsbeziehungen zwischen Bauern und Bäuerinnen sei besonders im globalen Süden außerordentlich wichtig, so der Menschenrechtsaktivist. Die aktuellen Entwicklungen gefährden die "farmers rights", die im Saatgutvertrag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisationen der UN festgeschrieben sind. Insbesondere kritisieren die Verfasser, dass die Rechte von Bäuerinnen und Bauern weltweit immer weiter durch Handelsabkommen und Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums entkräftet werden.

11.10.2016 |

Schweinerei: Geplante Bayer-Monsanto-Fusion

Schweinischer Protest vor Bayer-Konzernzentrale Schweinischer Protest vor Bayer-Konzernzentrale

Die Bayer AG wird Monsanto künftig keineswegs von seinen zerstörerischen Geschäftspraktiken abhalten, sondern auch weiterhin auf Patente, Gentechnik und Pestizide setzen, so die Überzeugung der Bauern, die heute vor der Bayer-Zentrale in Leverkusen demonstrierten. Mit einem Hällischen Landschwein und einem Traktor wiesen sie auf die Auswirkungen der Megafusion hin: weltweites Höfesterben durch weitere Machtkonzentration. Direkt angesprochen wurde die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die die Fusion stoppen könne und müsse.

Landwirt Rudolf Bühler, von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, war mit 40 Hällischen Landschweinen angereist. Die Polizei verhinderte allerdings, dass der Großteil der Schweine an der Kundgebung teilnahm. Auf eben diese Landschweine wollte Monsanto vor einigen Jahren ein Patent anmelden, was aber abgewendet werden konnte. „Saatgut ist neben Tierzucht die Grundlage für die bäuerliche Landwirtschaft“, so der Bauer, der einen Teil seiner Herde heute gegen Bayer aufstellt. „Die Fusion von Bayer und Monsanto bedroht die Existenz von Bauern auf der ganzen Welt! Wir Bauern werden nicht tatenlos zusehen, wie wir immer mehr von Chemiemultis und Saatgutkonzerne abhängig werden!“, so Bühler kämpferisch.

Dass Bayer keineswegs der feine Konzern sei, für den er sich gern ausgibt, stellte Georg Janssen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft klar. Schon heute macht Bayer Crop Science Geschäfte auf der ganzen Welt mit gentechnisch manipuliertem Saatgut und den dazu passenden Pestiziden. Dazu besitzt der Chemieriese zahllose Patente auf Leben. „Warum sollten wir als Bäuerinnen und Bauern multinationale Konzerne über unsere Lebensgrundlagen und unsere Lebensmittelerzeugung entscheiden lassen?“, fragte Janssen mit Blick auf die drohende Monopolstellung von Bayer-Monsanto.

10.10.2016 |

Neues Gentechnikgesetz erschwert Verbote für GVOs

Mit dem neuen Gesetz würden flächendeckende GVO-Anbauverbote faktisch unmöglich, kritisieren Gegner. (Foto: CCO, Pixabay) Mit dem neuen Gesetz würden flächendeckende GVO-Anbauverbote faktisch unmöglich, kritisieren Gegner. (Foto: CCO, Pixabay)

Die Bundesregierung hat sich auf einen Gesetzentwurf geeinigt, wonach der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie Mais bundesweit untersagt oder beschränkt werden kann. Dafür müssen zwingende umwelt- oder agrarpolitische Gründe vorliegen oder erhebliche Nachteile für das Allgemeinwohl drohen, heißt es in dem Gesetzestext, der dem Informationsdienst Gentechnik vorliegt. Der Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes soll am 2. November vom Kabinett verabschiedet werden.

Damit setzt Deutschland eine Richtlinie der Europäischen Union um, wonach die Mitgliedsstaaten seit 2015 ihr eigenes Territorium vom Anbau EU-weit zugelassener Gentech-Pflanzen (GVO) ausnehmen können (sog. Opt out-Regelung). Der neue Gesetzentwurf regelt nun ein zweistufiges Verfahren, wie der GVO-Anbau in der Bundesrepublik verboten oder beschränkt werden kann. Indem der Entwurf in beiden Stufen die Angabe zwingender Gründe fordert, geht er allerdings über die EU-Richtlinie hinaus.

weiterlesen auf unserer Partner-Seite Informationsdienst Gentechnik:

29.09.2016 |

Umbau der Landwirtschaft gefordert

Breites gesellschaftliches Bündnis fordert Existenzsicherung bäuerlicher Betriebe (Foto: CCO, Pixabay) Breites gesellschaftliches Bündnis fordert Existenzsicherung bäuerlicher Betriebe (Foto: CCO, Pixabay)

„Wertschöpfung schaffen!“ lautet der dringende Appell mit dem die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ auf die existenzbedrohende wirtschaftliche Lage vieler deutscher und europäischer Höfe reagiert. In einem heute veröffentlichten Aktionsprogramm wendet sich das Bündnis aus 45 Organisationen an Bund und Länder und legt konkrete Sofortmaßnahmen vor, die beispielsweise die kurzfristige Milchmengenregulierung und die Umschichtung von 500 Millionen Euro aus der Flächensubvention in den Topf für tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft vorsieht. Langfristig müsste die Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) umgebaut werden.

Vielen bäuerlichen Betrieben fehlt in diesen Tagen der schweren Krise oft die wirtschaftliche Perspektive und sie sind vielerorts zur Aufgabe gezwungen. Allein 2015 gaben 3200 Betriebe in der Milchviehhaltung auf. Eine wesentliche Ursache dieser existenziellen Krise liegt in der zunehmenden Intensivierung und starken Exportorientierung der Landwirtschaft, welche von der Politik in Berlin und Brüssel in den vergangenen Jahrzehnten massiv vorangetrieben wurde. Die starke Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion geht dabei oft auf Kosten der Umwelt, des Tierschutzes und der Länder des globalen Südens. Doch die versprochenen kaufkräftigen Absatzmärkte stellten sich als Fehlprognose heraus. Es entstanden riesige Produktionsüberschüsse, die zu einem massiven Verfall der Preise führten – und so zum Ruin vieler Landwirte werden.

Deshalb müssten die Gelder der EU-Agrarförderung zweckgebunden eingesetzt werden und bei denen ankommen, die sich für tiergerechte Haltung, Agrarumweltmaßnahmen, Weidemilchprojekte und den Ökologischen Landbau in ihrer landwirtschaftlichen Praxis einsetzten. „Wir fordern die Bundesregierung auf, die Gelder für Programme der ländlichen Entwicklung von bislang 4,5 auf die möglichen 15 Prozent aufzustocken sowie eine höhere Förderung der ersten Hektare“, so Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Immer mehr Verbraucher sind bereit mehr zu zahlen, wenn Herkunft, Tierhaltungsform und positive Umweltwirkung auf den Produkten erkennbar sind, ist sich Jochen Fritz, Sprecher der Kampagne, sicher. Dies sei eine enorme Chance für den heimischen Markt, die derzeit bisher ungenutzt bliebe. Denn die heimische Öko-Erzeugung hält mit dem Wachstum des Marktes derzeit nicht Schritt. Für die Entwicklung des bäuerlichen Öko-Landbaus müssten dann aber auch „ausreichend Mittel für die Umstellung bereitgestellt werden“, so Antje Kölling von Demeter.

Fehlanreize gehören abgeschafft, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und eine tiergerechte Nutztierhaltung unterstützt:„Erst wenn Landwirte angemessene Erlöse für ihre Produkte erhalten und eine gesellschaftlich erwünschte Tierhaltung mit öffentlichen Geldern gefördert wird, kann ein hohes Tierschutzniveau etabliert werden.“ Auch die Umwelt würde von einem Umbau der Nutztierhaltung, der den Tierbestand an die Fläche bindet, profitieren. Denn obwohl der Fleischkonsum in Deutschland seit Jahren rückläufig ist, steigt die Fleischproduktion in überproduzierenden Megaställen. Die dabei anfallende Gülle und der damit einhergehende Stickstoffüberschuss gehöre zu den derzeitig größten Umweltproblemen, so Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Ab morgen diskutieren Aktive aus der Wir haben es satt!-Bewegung auf einem viertägigen Kongress Themen um das Motto „Landwirtschaft Macht Essen“. Auf Einladung der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ werden sich auch Verbandsvertreter und Politikerinnen in öffentlichen Veranstaltungen zu den globalen Machtverhältnisse im Agrar- und Ernährungssektor positionieren. Die nächste Wir haben es satt!-Demonstration ist für den 21. Januar 2017 angekündigt.

28.09.2016 |

Landwirtschaft im Herzen Berlins

Ein Wochenende, das mit zwei Veranstalungen im Zeichen der bäuerlichen Landwirtschaft steht. (Foto: Markthalle Neun) Ein Wochenende, das mit zwei Veranstalungen im Zeichen der bäuerlichen Landwirtschaft steht. (Foto: Markthalle Neun)

Am Wochenende werden Zehntausende nach Kreuzberg strömen, um am Stadt Land Food-Festival teilzunehmen und den Wir haben es satt!-Kongress besuchen. Zuvor luden die Markhalle Neun und die Kampagne „Meine Landwirtschaft“ zu einem Frühstück, um das bunte Programm vom 30. September bis 3. Oktober vorzustellen und bereits vorab zu zeigen: das Reden über Lebensmittel und das Schmecken von Essen gehören zusammen.

„Die Alternative einer bäuerlich-ökologischeren Landwirtschaft gibt es schon, in Berlin wird sie am ersten Oktoberwochenende sichtbar und erlebbar!“ so Jochen Fritz, Sprecher der Kampagne. Bereits zum zweiten Mal veranstalten die Organisatoren am Erntedank-Wochenende dieses Format, das den hohen Anspruch hat, die Landwirtschaft der Zukunft mitzugestalten. Märkte, Werkstätten, Kulturveranstaltungen und der politische Kongress verbinden die theoretische Seite der Lebensmittelproduktion mit ihrer praktischen Seite.

Mit Blick auf die geplante Fusion von Bayer und Monsanto äußerte Marita Wiggerthale, Agrarexpertin von Oxfam, dass zukünftig wenige große Konzerne maßgeblich über das Essen aller bestimmen, ohne dass sich Einzelne noch entscheiden könnten. Diese Form der Machtkonzentration in den Händen von Megakonzernen müsse verhindert werden. Das Motto des Kongresses“ Landwirtschaft Macht Essen“ nimmt diese Dimension von Lebensmittelproduktion in den Blick.

Auch über die katastrophale Lage auf dem Milchmarkt der seinen Bauern derzeit Preise auszahlt, von denen sie nicht mehr überleben können, wird ein großes Thema auf dem Kongress sein. „Doch wer weiß noch, wie Milch veredelt und zu Käse gemacht wird?“, fragt Ursula Heinzelmann, Kuratorin der Stadt Land Food Käse-Werkstatt. An der „Milchkostbar“ wird Milch in ihren vielfältigen Formen und Verarbeitungen erfahrbar und schmeckbar gemacht. Täglich gibt es mehrmals Workshop, um selbst Ricotta zu schöpfen oder Käse zu schmieren.

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