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Nachrichten

08.12.2016 |

Weizenkongress: Minister Schmidt mit G20 und Megakonzernen für Gentechnik und Hybridweizen

Weizenkongress (Foto Aktion Agrar) Aktion Agrar auf dem Weizenkongress

Heute, am 8. Dezember 2016, findet in Frankfurt am Main der „International Wheat Congress“ statt, bei dem Konzernvertreter*innen und Gentechnikbefürworter*innen über Hybridweizen und Gentechnik diskutieren. Der Internationale Weizenkongress ist zugleich die Auftaktveranstaltung der deutschen G20-Präsidentschaft. Aktive der von Aktion Agrar ins Leben gerufenen Kampagne „Freier Weizen statt Konzerngetreide“ und der internationalen “Kampagne für Saatgut-Souveränität“ sind in Frankfurt vor Ort und kritisieren den Einfluss großer Konzerne bei der Veranstaltung.

Im Jahr 2011 riefen die G20 die WeizenInitiative ins Leben, die bei dem Kongress die Federführung hat. Auf Einladung von Minister Schmidt erhalten neben den G20-Staaten wieder einmal Megakonzerne wie Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. Mitspracherecht in der Agrarpolitik. Befürworter*innen von Gentechnik und Agrarindustrie bekommen somit wieder einmal die Macht über unser Essen. Vertreter*innen einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft bleiben außen vor.
„Es ist bitter, zu sehen, wer im Programm nicht vorgesehen ist: sämtliche praktisch in der Landwirtschaft Tätigen, Erhaltungsinitiativen aus der ganzen Welt, bäuerliche Züchter, Beobachter von sozialen und ökologischen Folgen der großtechnologischen Produktion“, kritisiert Jutta Sundermann, die für Aktion Agrar die Protestaktion in Frankfurt mitorganisiert.
„Die Sorge um die Welternährung ist vorgeschoben – die Agrarkonzerne missbrauchen sie für ihre Interessen“, erklärt Andreas Riekeberg. „Der Hunger auf der Welt habe seine Ursache nicht in unzureichender Produktion von Nahrungsmitteln, sondern in Armut und in fehlendem Zugang zu Land und Wasser“, ergänzt der Aktivist der Saatgutkampagne.
Besonders umstritten ist die das Thema Hybridweizen. Denn Hybridweizen wird durch ein gentechnisches Verfahren hergestellt, bei dem Weizen kastriert und dann künstlich bestäubt wird. Für Agrarkonzerne ist das ein lukratives Geschäft, da die Samen dieser Pflanzen nicht wieder ausgesät werden können. Bäuerinnen und Bauern sind so gezwungen, jedes Jahr neues Saatgut einzukaufen. Gerade bei Weizen wäre das weltweit katastrophal. Denn bisher wird das Saatgut dafür noch zu einem großen Teil von Bauern und Bäuerinnen aus der eigenen Ernte gewonnen.
Beim Kongress sprechen mehrere Wissenschaftler*innen, die von der aktuellen Forschungsförderung für Hybridweizen durch das Bundesagrarministerium und Bundesforschungsministerium profitieren. „Die Forschungsförderung ist ein skandalöses Steuergeschenk an die Konzerne, das Bauern weltweit abhängig macht – und so Hunger verschärft!“, so Sundermann. Die Kampagne „Freier Weizen statt Konzerngetreide“ fordert in Frankfurt, dass keine weiteren Gelder für Wissenschaft im Dienst von Konzerninteressen bereitgestellt werden. Stattdessen soll in Zukunft ein Förderschwerpunkt auf bäuerliche Züchtung auf dem Feld gelegt werden.

01.12.2016 |

TTIP bedroht die bäuerliche Landwirtschaft

Coronado Feeders, Dalhart, Texas, 2013; Foto von Mishka Henner/ Bruce Silverstein Gallery, New York Coronado Feeders, Dalhart, Texas, 2013; Foto von Mishka Henner/ Bruce Silverstein Gallery, New York-+-

Die heute erschienene Studie „Ausverkauf der Landwirtschaft – Agrarkonzerne wollen mit TTIP das Ruder übernehmen“ kommt zu dem Schluss, dass das mit dem transatlantische Freihandelsabkommen TTIP Konzerne noch mehr Marktmacht erlangen würden. In der Folge müssten vor allem in Europa immer mehr Bauern und Bäuerinnen ihre Höfe aufgeben müssten. Diese Entwicklung steht zivilgesellschaftlichen Forderungen nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und sozial gerechten Produktionsverhältnissen entgegen.

Die erstmals auf Deutsch veröffentlichte Studie, die vom US-amerikanischen „Institute for Agriculture and Trade Policy“ (IATP) in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und PowerShift herausgegeben wurde, zeigt, wie stark auch die Agrar- und Handelspolitik durch das geplante Handelsabkommen TTIP beeinflusst würde. Auf 106 Seiten untersuchen die AutorInnen die unterschiedlichen Produktionssysteme in den USA und in Europa, die durch den vermehrten Handel und die neue Generation von Handelsabkommen immer schonungsloser gegeneinander ausgespielt werden.

Shefali Sharma, Co-Autorin der Studie und Leiterin von IATP Europe, verdeutlicht die Entwicklungen, die mit TTIP zu befürchten sind: „Die Produktion von Fleisch ist in den USA stark industriell geprägt und nur wenige Richtlinien und Gesetze schützen Verbraucher, die Umwelt und eine artgerechte Tierhaltung. Mit Handelsabkommen wie TTIP wird dieses Agrarkonzept nach Europa exportiert.“ In den USA würden lediglich vier und in Kanada sogar nur zwei riesige Agrarkonzerne den Fleischmarkt kontrollieren.

Gegen die geplanten Freihandelsabkommen gehen in Berlin am 21. Januar 2017 wieder Zehntausende unter dem Motto: „Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ auf die Straße. Auf der größten bundesweiten Landwirtschaftsdemonstration fordern Bäuerinnen und Bauern zusammen mit der Zivilgesellschaft eine zukunftsfähige Agrar- und Handelspolitik. „Wir wollen Demokratie statt Konzernmacht! Mit TTIP, CETA, den EPAs mit afrikanischen Staaten würden Agrarkonzerne in Zukunft noch mehr Macht über unsere Äcker und Teller bekommen. Das dürfen wir nicht zulassen!“, sagt Jochen Fritz, Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ und Organisator der Demonstration. Die Zukunft von TTIP ist zwar noch ungewiss, nicht aber, welche Konsequenzen die Wahl Trumps hat: Deregulierung und die Stärkung der Interessen der Agrarindustrie!

29.11.2016 |

Eine Messe für nachhaltigen Konsum

Heldenmarkt / Forum Futura Heldenmarkt / Forum Futura

Am ersten Adventswochenende luden der Heldenmarkt und die VeggieWorld zur zweiten Kooperationsmesse für nachhaltigen Konsum und veganen Lifestyle in die STATION-Berlin am Gleisdreieck.

Tausende Besucher*innen machten die Messe mit rund 300 Aussteller*innen zu einem Erfolg für die Veranstalter*innen. Wie in den Jahren zuvor organisierte die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) auch dieses Mal den Marktplatz regionaler Bio-Vielfalt – eine Fläche, die ausschließlich für Brandenburger Akteur*innen vorbehalten war. Vertreten waren u. a. die Von Blythen Manufaktur und die Mosterei Ketzür. Die Messe bot für etliche Produkte eine nachhaltige Alternative: Ob für Lebensmittel, Mode, Kosmetik, Wohnen, Mobilität oder Geldanlagen. Dazu zählten beispielsweise Tees und Gewürze von Sonnentor, Möbel und Konstruktionen aus Wildholz von BadaBaum oder Upcycles von Lobetaler. Insgesamt lieferte die Messe eine spannende Plattform für innovative Ansätze nachhaltigen Konsums. Inwiefern ein jedes Produkt das Prädikat „nachhaltig“ erhalten sollte, oblag den Besucherinnen – denn schließlich sind wir alle mitverantwortlich für das Gelingen der Konsumwende.

22.11.2016 |

Mit neun konkreten Forderungen ins Wahljahr

WHES2017 Nein zu Patenten von Bayer und Monsanto!

„Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen!“ – unter diesem Motto werden am 21. Januar 2017 wieder Zehntausende in Berlin bei der 7. „Wir haben es satt!“-Demonstration für die Agrar- und Ernährungswende auf die Straße gehen. Im Wahljahr haben die mehr als 45 Trägerorganisationen der Demonstration neun konkrete Forderungen an die nächste Bundesregierung entwickelt.

Wie schon in den Vorjahren ist auch 2017 das bestimmende Thema für die DemonstrantInnen das Höfesterben, das unverändert dramatische Dimensionen hat. In den letzten zehn Jahren mussten mehr als 40.000 Milchviehbetriebe und 64.000 Schweine haltende Höfe aufgeben – eine Trendumkehr ist nicht abzusehen.

Im Fokus der Proteste steht auch die geplante Fusion von Bayer und Monsanto. Schon jetzt halten die beiden Konzerne eine Vielzahl von Patenten auf Leben, Saatgut und Pflanzen. Bei einer erfolgreichen Fusion würde der künftige Megakonzern auf einen Schlag zum globalen Marktführer im Bereich Pestizide und Saatgut. Die DemonstrantInnen befürchten, dass der Konzern durch seine Monopolstellung noch mehr Macht über die Ernährungsgrundlagen der Welt erhalten würde. Sie kritisieren insbesondere, dass Bayer-Monsanto mit Saatgut, das nur gegen seine eigenen Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat resistent ist, alternativlos für Bauern werden will.

Der Leiter der Kampagne „Meine Landwirtschaft“, Jochen Fritz, bringt es auf den Punkt: „Wer die Saat hat, hat das Sagen - dieses alte bäuerliche Sprichwort ist heute immer noch richtig.“ Die Fusion von Bayer und Monsanto sei eine Gefahr für uns alle, bemerkt der Landwirt im Nebenerwerb, der einer der Organisatoren der Demonstration ist. „Die Bundesregierung darf nicht länger zusehen, wie immer weniger Konzerne immer mehr Macht über unsere Teller und Äcker erhalten. Deswegen muss die Elefantenhochzeit von Bayer und Monsanto gestoppt werden!“, so Fritz. Man erwarte von der nächsten Bundesregierung, dass sie nach der Wahl im Herbst die Agrarwende konsequent umsetzt. Bei der Demonstration gehen Bauern und Verbraucher gemeinsam dafür auf die Straße, damit Konzerne wie Bayer-Monsanto nicht länger über das Essen bestimmen!

Mit Blick auf die Bundestagswahl im nächsten Herbst richten die VeranstalterInnen der Demonstration neun konkrete Forderungen an die zukünftige Bundesregierung. Ihre Absicht dabei: kleine und mittlere Bauernhöfe erhalten, den Weg zu gesundem Essen und mehr Tierwohl ebnen und Konzernmacht eindämmen.

Dafür fordert "Wir haben es satt!" unter anderem:

- Jährlich 500 Millionen Euro mehr in bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft investieren sowie Anreize für besonders artgerechte Tierhaltung und umweltschonendere Bewirtschaftung schaffen!
- Bis 2020 mindestens 50 % der öffentlichen Beschaffung aus regionaler und ökologischer Landwirtschaft!
- Tierschutzgesetz ohne Ausnahmen umsetzen! Bis zum Jahr 2020 Antibiotika um mindestens 50 % reduzieren, Antibiotikamissbrauch sofort stoppen und Reserveantibiotika in der Tierhaltung verbieten!
- Megakonzerne im Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor aufbrechen und keine weiteren Fusionen – wie die von Bayer mit Monsanto – zulassen!

Den Aufruf und die neun Forderungen nachlesen: www.wir-haben-es-satt.de/aufruf

18.11.2016 |

Tierwohl durch Technik? "EuroTier"-Messe will technische Lösungen statt Veränderung

Eurotier Sieht so die Tierhaltung der Zukunft aus? (c) EuroTier

Heute endet die weltweit größte Messe für landwirtschaftliche Nutztierhaltung „EuroTier“, auf der sich BesucherInnen vier Tage lang in Hannover über technische Neuerungen in der Tierhaltung informieren konnten. Der Schwerpunkt der alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellung war das Thema „Tierwohl und Tiergesundheit“. Begleitet wurde die Veranstaltung von Protesten von TierschützerInnen und Umweltorganisationen, die die Auswirkungen von Massentierhaltung für Tiere, Umwelt und Klima kritisierten.

Vier Tage lang präsentierten über 2600 Aussteller aus 57 Ländern ihre Innovationen auf den Gebieten der Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung. Als Weltneuheit wurde zum Beispiel die „Schweinewaage der Zukunft“ vorgestellt: eine stressfreie Alternative zur Käfigwaage. Das Gewicht wird dabei aus der 3D-Aufnahme eines Tabletts berechnet, wodurch Schweine psychisch entlastet werden sollen. Die meisten der Aussteller sind auf konventionelle Haltung ausgerichtet, aber auch die Biobranche ist dort vertreten. Bioland etwa informiert an seinem Stand über die Vorteile der Umstellung auf Biolandbau, insbesondere bei Milchvieh- und Geflügelbetrieben.

Problematisch ist die Vision der Tierhaltung, für die das Gros der Aussteller steht. Statt Tierzahlen zu reduzieren und konsequent an die Fläche zu binden, wird nahegelegt, mit technischen Lösungen könne Massentierhaltung in seiner aktuellen Form weiterbestehen. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert in diesem Zusammenhang beispielsweise, die Milchtierhaltung sei schon jetzt viel zu leistungsorientiert, weswegen die Lebenserwartung von Kühen in den letzten Jahren rapide zurückgegangen sei. Beim automatisierten Melken etwa würden Krankheiten viel später erkannt, als wenn per Hand gemolken wird.

Vor Beginn der Messe zogen am vergangenen Samstagzogen mehrere hundert Demonstranten durch die Innenstadt von Hannover, um gegen die „EuroTier“ zu protestieren. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass die Tierindustrie Umwelt und Tieren schade, so ein Sprecher des „Animal Climate Action“-Netzwerks. Die Tierproduktion sei „ein wichtiger Treiber für Land- und Wasserverbrauch, für die Abholzung von Urwäldern und nicht zuletzt für das rasante Artensterben“, so lautet die Kritik. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood schlug in die gleiche Kerbe. Zur Eröffnung der Messe entrollten AktivistInnen vor dem Haupteingang in neun Metern Höhe ein großes Banner mit der Aufschrift „Wald nicht verwursten – Tierfabriken schließen“. Die Organisation fordert eine drastische Reduktion der Tierproduktion zum Schutz der Regenwälder.

10.11.2016 |

BÖLW-Herbsttagung: Landwirtschaft und Klimakrise

BÖLW-Herbsttagung 2016 (Quelle: BÖLW) BÖLW-Herbsttagung 2016 (Quelle: BÖLW)

Am 09.11. diskutierten unter dem Aufhänger „Agriculture please!“ Referent*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik die Rolle der Landwirtschaft in der Klimakrise auf der Herbsttagung des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die Teilnehmenden des Panels zeigten sich sichtlich enttäuscht über die Vertagung des Klimaschutzplans.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte sich am Dienstagabend in letzter Minute geweigert, der nationalen Strategie für die zu erreichenden Klimaschutzziele aus Paris zuzustimmen. Damit stellt er Bundesumweltministerin Hendriks nicht nur bloß, sondern schickt sie „ohne Plan“ zum Klimagipfel nach Marrakesch, wo der jüngst in Kraft getretene Klimavertrag von Paris konkretisiert wird.
Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) stellte zunächst weltweite Herausforderungen für Landwirtschaft und Landnutzung sowie mögliche Lösungsansätze in einem Vortrag dar. Neben der steigenden Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nach Bioenergie benannte der Professor für nachhaltige Landnutzung und Klimawandel unter anderem die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen, die knapp ein Viertel des Gesamtausstoßes ausmachen, als zentralen Faktor. Die Tierproduktion sei hier eine wesentliche Stellgröße. Als mögliche Lösungsansätze nannte er beispielsweise Emissionshandel oder -besteuerung sowie Kompensationszahlungen, aber auch Technologieentwicklungen, Informationssysteme und die Integration verschiedener Politikbereiche.
Anschließend diskutierten Bernhard Walter (Brot für die Welt), Bärbel Höhn (Bündnis 90/ Die Grünen), Clemens Neumann (BMEL), Jan Plagge (BÖLW) und Lotze-Campen selbst die Rolle der Landwirtschaft als Täter, Opfer und Retter der Klimakrise. Die Panelist*innen kritisierten insbesondere die fehlenden Maßnahmen im Klimaschutzplan der Bundesregierung. Höhn prangerte beispielsweise an, längst vorhandene Studien zur Bedeutung des Fleischkonsums erneut zu erstellen. So ginge nicht-vorhandene Zeit verloren und die Klimaschutzziele rückten in weite Ferne. Schließlich forderte BÖLW-Vorstand Plagge vom Vertreter des Landwirtschaftsministeriums Neumann, dass Zielkonflikte nicht – wie im Klimaschutzplan formuliert – vermieden werden sollten. Vielmehr solle sich die Politik diesen Konflikten stellen, um eine Lösung zu finden.
Hoffnung verbreitete der Impulsvortrag von Sepp Braun, Bioland-Bauer aus Bayern. Anhand ausgewählter Positivbeispiele verdeutlichte Braun, wie er die Agrarwende tagtäglich auf seinem Betrieb Wirklichkeit werden lässt. Er stellte Agroforstsysteme sowie das Ausbringen von Kleegras-Kräutern zur Kohlendioxidspeicherung und für Humusböden als vielversprechende Beiträge für eine nachhaltige Landwirtschaft vor. Alexander Mahler vom Forum für ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) unterstrich in seinem Zwischenruf die Bedeutung der Internalisierung externer Kosten. Kund*innen würden noch immer überwiegend durch die Preispolitik beeinflusst, ihre Kaufentscheidung treffen. Das Label „Preis“ müsse folglich die ökologische Wahrheit sprechen.
Auf der Veranstaltung ist deutlich geworden, dass die Bundesregierung konkrete Maßnahmen im Klimaschutzplan integrieren muss. Sonst werden wichtige Klimaschutzziele wie die Kohlendioxidreduktion und das 2-Grad-Ziel keinesfalls erreicht.

09.11.2016 |

Milchbauern profitieren am wenigsten von aktueller Preiserhöhung

Bauern steht das Wasser bis zum Hals Milchbauern steht das Wasser immer noch bis zum Hals (Foto: Meine Landwirtschaft)

Nachdem die Milchpreise monatelang im Keller waren, entwickeln sich die Märkte in den letzten Wochen positiv. Die Discounterkette Aldi etwa erhöhte vergangene Woche die Preise für fettarme Milch um 43% auf 60 Cent pro Liter. Hintergrund ist der neue zum 1. November in Kraft getretene Halbjahresvertrag zwischen Großmolkereien und Handelskonzernen, der die Preise für Trinkmilch und andere Milchprodukte festlegt. Es ist davon auszugehen, dass andere Supermarktketten nachziehen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) verlautete vergangene Woche jedoch, dass die extreme Krise im Milchsektor damit noch lange nicht ausgestanden sei.

„In einem Preissystem, in dem sich immer erst Handel und Molkereien ihre Marge ziehen und die Milchbauern erhalten, was übrig bleibt, sind die Bauern nicht nur Restgeldempfänger“, erklärte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. Die Bauern seien das letzte Glied in der Wertschöpfungskette und profitierten von Markterholungen viel zu spät. „Die Molkereien haben hier die Verantwortung, dass die deutlich besseren Vermarktungschancen unmittelbar ihren Niederschlag in den Milcherzeugerpreisen finden“, so Schaber.

Trotz der ökonomischen Trendumkehr machen die Milchviehhalter noch immer mit jedem Liter Milch Verluste. Die Milchbetriebe sind bereits massiv verschuldet und geschwächt durch die lange Krise. Sie fordern daher, dass die Mehrerlöse sofort und vollständig an die Produzenten weitergegeben werden müssen. Dafür hatten BDM-Mitglieder Anfang Oktober bundesweit bei Molkereien und Handel demonstriert.

08.11.2016 |

Weg von der Gießkannenförderung: NABU schlägt neues Modell für EU-Agrarförderung vor

Umwelt und Landwirte sollen von dem Modell gemeinsam profitieren (Foto: CCO, Pixabay) Umwelt und Landwirte sollen profitieren (CC0: Pixabay)

Angesichts der anhaltend schlechten Umweltbilanz der EU-Landwirtschaftspolitik fordert der Naturschutzbund (NABU) drastische Änderungen bei der künftigen Agrarförderung. Dabei stützt sich die Organisation auf eine jüngst erschienene Studie des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB). Diese berechnet erstmals anhand eines konkreten Modells, wie die Agrarsubventionen in Zukunft so verteilt werden können, dass Landwirte und Umwelt gleichermaßen profitieren.

Das entworfene Modell sieht vor, statt wie bisher bedingungslos und pauschal Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe auszugeben, diese durch neue, an konkrete Nachhaltigkeitskritierien geknüpfte Prämien zu ersetzen. Zusammen mit gezielten Zahlungen für bestimmte Umweltleistungen und -maßnahmen würde dies zu einem ökonomisch attraktiven Anreiz für die Landwirte führen, der weit über den Ausgleich von Einkommensverlusten hinausgeht. Bei gleich bleibender Fördersumme könnten drei Viertel der deutschen Agrarfläche besonders naturverträglich bewirtschaftet werden und gleichzeitig die Einkommen der teilnehmenden Betriebe steigen.
Insgesamt will der NABU mit dem Vorschlag die aktuelle ineffiziente „Gießkannenförderung“ durch Prämien für nachhaltiges Wirtschaften und Naturschutzleistungen ersetzen. Die hohen gesellschaftlichen Kosten, die zur Behebung der Schäden an Boden, Wasser und Natur entstehen, würden so wegfallen – und so auch die Doppelbelastung der SteuerzahlerInnen entfallen, so NABU-Präsident, Olaf Tschimpke.

Zugleich liefert der NABU mit dem Modell eine Antwort auf das derzeitige Höfesterben, die Klima- und Naturschutzzielen gerecht wird. Betriebe, die in Zukunft mindestens 10% ihres Ackerlandes oder 20% ihres Grünlandes als ökologisch hochwertige Flächen bewirtschaften, wären finanziell mindestens gleichwertig oder sogar besser gestellt als bisher. Der Autor der Studie, Rainer Oppermann betont: „ Es ist wichtig, dass weiterhin EU-Gelder bei Bauern und Waldbesitzern ankommen. Diese Gelder müssen aber denjenigen unter ihnen zu Gute kommen, die wirklich Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus.“ Betriebe, die nur die Mindeststandards der Umweltgesetze einhalten wollen, könnten dies auch weiterhin tun – erhalten dann aber kein Geld mehr von SteuerzahlerInnen.

31.10.2016 |

Konzernriesen gefährden Recht auf Nahrung

Konzernriesen kontrollieren Saatgutmarkt (Foto: CC0, pixabay) Konzernriesen kontrollieren Saatgutmarkt (Foto: CC0, pixabay)

Im Jahrbuch zum Recht auf Nahrung prangern Brot für die Welt, FIAN und ICCO zusammen mit internationalen Fachorganisationen und Netzwerken die Fusion von Megakonzernen auf den Saatgut- und Pestizidmärkten an. Der Fokus des mittlerweile neunten Berichts liegt diesmal auf dem Zugang zu Saatgut. Vor dem Hintergrund der angepeilten Fusion von Bayer und Monsanto zeigt sich, wie brisant das Thema ist.

Bayer-Monsanto würde zusammen mit den anderen fusionierenden Riesenkonzernen (Dow-DuPont sowie Syngenta-ChemChina) künftig 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes und 70 Prozent des Pestizidmarktes kontrollieren. Der Machtzuwachs wäre somit enorm. Die Konzerne könnten den Zugang zu Saatgut weitgehend kontrollieren und würden so das Recht auf Nahrung im bäuerlichen Saatgutsystem gefährden. Roman Herre von FIAN erklärt hierzu: "Es existiert weltweit ein informeller Saatgutmarkt, auf dem Bauern und Bäuerinnen Saatgut oft direkt tauschen und verkaufen." Diese direkten Tausch- und Handelsbeziehungen zwischen Bauern und Bäuerinnen sei besonders im globalen Süden außerordentlich wichtig, so der Menschenrechtsaktivist. Die aktuellen Entwicklungen gefährden die "farmers rights", die im Saatgutvertrag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisationen der UN festgeschrieben sind. Insbesondere kritisieren die Verfasser, dass die Rechte von Bäuerinnen und Bauern weltweit immer weiter durch Handelsabkommen und Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums entkräftet werden.

11.10.2016 |

Schweinerei: Geplante Bayer-Monsanto-Fusion

Schweinischer Protest vor Bayer-Konzernzentrale Schweinischer Protest vor Bayer-Konzernzentrale

Die Bayer AG wird Monsanto künftig keineswegs von seinen zerstörerischen Geschäftspraktiken abhalten, sondern auch weiterhin auf Patente, Gentechnik und Pestizide setzen, so die Überzeugung der Bauern, die heute vor der Bayer-Zentrale in Leverkusen demonstrierten. Mit einem Hällischen Landschwein und einem Traktor wiesen sie auf die Auswirkungen der Megafusion hin: weltweites Höfesterben durch weitere Machtkonzentration. Direkt angesprochen wurde die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, die die Fusion stoppen könne und müsse.

Landwirt Rudolf Bühler, von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, war mit 40 Hällischen Landschweinen angereist. Die Polizei verhinderte allerdings, dass der Großteil der Schweine an der Kundgebung teilnahm. Auf eben diese Landschweine wollte Monsanto vor einigen Jahren ein Patent anmelden, was aber abgewendet werden konnte. „Saatgut ist neben Tierzucht die Grundlage für die bäuerliche Landwirtschaft“, so der Bauer, der einen Teil seiner Herde heute gegen Bayer aufstellt. „Die Fusion von Bayer und Monsanto bedroht die Existenz von Bauern auf der ganzen Welt! Wir Bauern werden nicht tatenlos zusehen, wie wir immer mehr von Chemiemultis und Saatgutkonzerne abhängig werden!“, so Bühler kämpferisch.

Dass Bayer keineswegs der feine Konzern sei, für den er sich gern ausgibt, stellte Georg Janssen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft klar. Schon heute macht Bayer Crop Science Geschäfte auf der ganzen Welt mit gentechnisch manipuliertem Saatgut und den dazu passenden Pestiziden. Dazu besitzt der Chemieriese zahllose Patente auf Leben. „Warum sollten wir als Bäuerinnen und Bauern multinationale Konzerne über unsere Lebensgrundlagen und unsere Lebensmittelerzeugung entscheiden lassen?“, fragte Janssen mit Blick auf die drohende Monopolstellung von Bayer-Monsanto.

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