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Nachrichten

14.02.2017 |

Zivilgesellschaft fordert klares Nein zu CETA!

Protest gegen die Freihandelsabkommen CETA und TTIP (Foto: Mehr Demokratie, Cornelia Reetz, flickr.com: http://bit.ly/2crdjqs) Protest gegen die Freihandelsabkommen CETA und TTIP (Foto: Mehr Demokratie, Cornelia Reetz, flickr.com: bit.ly/2crdjqs)

Das zivilgesellschaftliche Bündnis TTIPunfairHandelbar fordert alle EU-Abgeordneten auf morgen in Straßburg gegen eine Ratifizierung des Handelsvertrags zwischen der EU und Kanada (CETA) zu stimmen. Das Abkommen würde bei einer Zustimmung zum größten Teil vorläufig in Kraft treten, noch bevor die Parlamente aller 28 EU-Mitgliedsstaaten darüber abgestimmt haben.

Jürgen Maier, Geschäftsführer des Forum Umwelt und Entwicklung, fordert eine andere Handlungspolitik vom Europäischen Parlament. CETA sei ein rückständiges, brandgefährliches Abkommen mit weitreichenden Liberalisierungen und Konzernklagerechten, die die Demokratie gefährden würden. Ein solches Abkommen verschärfe die sozialen Krisen unserer Zeit und diene nur den großen Konzernen.
Das Abkommen enthält weiterhin eine Paralleljustiz für Unternehmen, die diesen einseitig Klagerechte gegen unliebsame Gesetze und Regulierungen ermöglichen. Auch werden parallele Organe außerhalb der Parlamente eingeführt, in denen mit Einflussnahme von Konzernen künftig Gesetze verwässert werden.

CETA und andere neoliberale Freihandelsabkommen seien laut Stolper, stellvertretender Bundesvorsitzender des BUND, keinesfalls die Antwort auf Trump und Brexit. Vielmehr seien sie eine der Ursachen dafür. Stolper meint: „Wer mit der Politik der ungebremsten Globalisierung im alleinigen Interesse der Konzerne stur weitermacht, nimmt die Verunsicherung billigend in Kauf, auf deren Boden die Ausländerfeinde, Klimawandel-Leugner und Hassprediger dies- und jenseits des Atlantiks ihr Unwesen treiben.“

Berit Thomsen, Mitarbeiterin für Internationale Agrarpolitik bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sagt mit CETA würde sich die Krise der bäuerlichen Landwirtschaft verschärfen, weil sich der Preisdruck auf die Bauern erhöht. Das widerspreche den Forderungen der Menschen in Europa, die eine globale Agrarindustrie ablehnen und eine bäuerliche und regionale Landwirtschaft wollen. Thomsen fordert daher die Bekämpfung der Ursachen und die Entwicklung einer sozial gerechten Handelsagenda und Agrarpolitik in Europa.

Alessa Hartmann, Referentin für Internationale Handelspolitik bei PowerShift, spricht von einem historischen Moment, um eine Handelsagenda für ein soziales und ökologisches Europa sowie einen international fairen Handel zu gestalten. Dazu müssten in Handelsabkommen auch Pflichten für Unternehmen festgeschrieben werden und wirksame Sanktionen, wenn diese gegen Umweltschutzbestimmungen oder Menschenrechte verstoßen.

09.02.2017 |

Europäische Bürgerinitiative zum Verbot von Glyphosat

Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosat. (Foto: Campact: http://bit.ly/2ksQh3C) Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen Glyphosat. (Foto: Campact: bit.ly/2ksQh3C)

Organisationen aus 13 EU-Ländern starteten vergangenen Mittwoch eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) zum Verbot des Pestizids Glyphosat. Bis Ende Juni wollen sie mehr als eine Million Unterschriften sammeln. Danach entscheiden EU-Kommission und Mitgliedstaaten über die erneute Zulassung des Pestizids. In Deutschland wird die Initiative vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, der Bürgerbewegung Campact, dem Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN Germany), dem Umweltinstitut München und WeMove.EU getragen. Parallel laufen Proteste gegen Glyphosat in Rom, Paris, Barcelona, Madrid und Wien.

Nach Aussagen von Christoph Bautz, Geschäftsführer von Campact, werden die Bürger Europas der Lobbymacht von Monsanto die Stirn bieten. Ein Pestizid, das im Verdacht steht Krebs auszulösen, hätte in einer modernen, bäuerlichen Landwirtschaft nichts zu suchen. Mit der Europäischen Bürgerinitiative würden die Menschen auf ein demokratisches Europa mit hohen Umwelt- und Gesundheitsstandards setzen. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender, sieht in Glyphosat eine maßgebliche Ursache für das Artensterben in der Ackerlandschaft. Der EU-Kommission sei dies bekannt. Die Kommission müsse den Schutz unserer Lebensgrundlagen klar über die Profitinteressen der Pestizidhersteller stellen. Weiger fordert: „Für Glyphosat darf es keine Wiederzulassung geben
Ein Report von PAN International zeigt, welche Risiken für Natur, Umwelt und Mensch durch den massenhaften Einsatz des Agrargiftes von Monsanto und Co. bestehen. Jährlich werden weltweit rund 800.000 Tonnen glyphosathaltiger Spritzmittel hergestellt. Der Toxikologe Peter Clausing, einer der Autoren des PAN-Reports, spricht sich deutlich für ein Verbot von Glyphosat aus. Es gäbe harte Fakten, die die krebserregende Wirkung des Mittels bestätigen. Die Gegenargumente der Behörden würden jedoch auf tönernen Füßen stehen. Hinzu käme, dass Glyphosat im Körper nicht gleich verteilt sei. In bestimmten Organen wären die Konzentrationen zehn- bis hundertfach höher als im Blut.
Eine Europäische Bürgerinitiative ist ein Verfahren der EU für mehr Bürgerbeteiligung. Die EU-Kommission hat die Initiative offiziell zugelassen. Von der Kommission fordert die EBI das Verbot von Glyphosat, EU-weite obligatorische Pestizid-Reduktionsziele und eine von der Industrie unabhängige wissenschaftliche Bewertung von Pestiziden. Bisher tragen NGOs aus 13 Ländern den Protest gegen Glyphosat mit.

09.02.2017 |

Unwirksame EU-Regeln gegen Nahrungsmittelspekulation geplant

Wort halten: Nahrungsmittel­spekulation stoppen! (Foto: Oxfam) Wort halten: Nahrungsmittel­spekulation stoppen!

Der Vorschlag der EU-Kommission zur weiteren Eindämmung der Nahrungsmittelspekulation verfehlt in der jetzigen Form seinen Zweck. Unwirksame Grenzwerte ermöglichen mehr Spekulation und die Kontrolle von Rohstoffmärkten durch nur wenige Händler. Maßlose Spekulationen wären somit vorprogrammiert. Oxfam, die Kampagne "Meine Landwirtschaft" und andere NGOs fordern vom EU-Parlament, den Kommissionsvorschlag nächste Woche abzulehnen.

Wenn es zu Preisexplosionen bei Nahrungsmitteln kommt, leiden die Ärmsten der Armen am meisten, weil Essen für sie unerschwinglich wird. Die maßlose Spekulation kann zu extremen Preisschwankungen beitragen und damit mitverantwortlich für Armut und Hunger sein. Um diese Entwicklung zu stoppen, verabschiedete das Europaparlament 2014 die Finanzmarkt-Richtlinie. Kernpunkt sind sogenannte Positionslimits, Obergrenzen für den rein spekulativen Börsenhandel mit Agrarprodukten wie Weizen und Mais. Doch die von der Kommission vorgelegten technischen Standards (RTS21) versagen bei der Eindämmung der exzessiven Spekulation, weil sie zu hohe und damit unwirksame Grenzwerte erlauben.
Die Positionslimits sollen eine Verzerrung des Marktes verhindern und die extremen Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln reduzieren, die für Millionen Menschen in Entwicklungsländern zu einer Frage von Leben und Tod werden können. Das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verfahren erlaubt nationalen Behörden jedoch, sehr hohe und damit unwirksame Grenzwerte zu setzen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind Positionslimits in Höhe von bis zu 35 Prozent möglich. Das bedeutet, dass ein einziger Spekulant am Ende des Termingeschäfts 35 Prozent des auf dem Markt lieferbaren Weizens halten kann. Damit könnten nur drei Händler allein den Finanzmarkt eines Rohstoffes kontrollieren. Maßlose Spekulation ist dadurch vorprogrammiert. NGOs wie Oxfam hatten ein Positionslimit in Höhe von 10 bis 15 Prozent für Nahrungsmittel und Rohstoffe gefordert.
Die vorgeschlagenen Regeln beinhalten außerdem weitere Schlupflöcher: So sollten die Positionslimits ursprünglich für den Mutterkonzern einschließlich Tochtergesellschaften gelten. Im neuen Vorschlag können Konzerne diese Regelung umgehen, wenn sie nachweisen können, dass der Mutterkonzern keinerlei Einfluss auf die Anlageentscheidungen einer Tochtergesellschaft in Bezug auf die Positionen hat.
Das Europaparlament sollte den Kommissionsvorschlag ablehnen
Mit der Finanzmarkt-Richtlinie (MiFID II) brachte die EU 2014 erstmals eine Regulierung ihrer Rohstoffmärkte auf den Weg, die die maßlose Spekulation mit Nahrungsmitteln eindämmen sollte. Die damalige Regulierung ist als wichtiger Fortschritt zu begrüßen, bedenklich sind jedoch die Schlupflöcher, die die mächtige Finanzlobby ausnutzen könnte. Diese Sorge sehen die NGOs nun bestätigt. Um die exzessive Spekulation mit Nahrungsmitteln wirklich zu verhindern, müsse der Kommissionsvorschlag laut Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale abgelehnt werden. Dazu müssten die Europaabgeordneten jetzt Flagge zeigen und sich dafür einsetzen, dass für diesen unzureichenden Kommissionsvorschlag keine Mehrheit zustande kommt. Stattdessen solle ein neuer Vorschlag entwickelt werden, der die vom Europaparlament gewünschte regulierende Wirkung der Positionslimits sicherstellt und damit der Nahrungsmittelspekulation einen wirksamen Riegel vorschiebt. Das Europaparlament stimmt Mitte Februar über den Kommissionsvorschlag ab.
Hintergrund:
• Am 1. Dezember 2016 verabschiedete die EU-Kommission die Regulierungsstandards für die Umsetzung der Finanzmarkt-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive, kurz MiFID II). Der Rat und das Europäische Parlament haben nun bis zum 1. März Zeit, die technischen Standards anzunehmen oder abzulehnen.
• Am 30.06.2016 wurde im Amtsblatt der Europäischen Union bekannt gegeben, dass der Geltungsbeginn von MiFID II um ein Jahr verschoben wird. Geltungsbeginn ist somit der 3. Januar 2018. Das Datum, bis zu dem die Mitgliedstaaten MiFID II als nationale Gesetzgebung umsetzen müssen, wurde auf den 3. Juli 2017 verschoben.
• Zur Neufassung der Finanzmarkt-Richtlinie 2014 hatten Europaabgeordnete wie Markus Ferber (CSU), damaliger Verhandlungsführer für das EU-Parlament, das Ende der skandalösen, rein spekulativen Geschäfte mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen verkündet. Eine Zustimmung zu den nun vorgeschlagenen Regeln würde diese Aussage ad absurdum führen.

08.02.2017 |

Bauernweisheiten der Umweltministerin Hendricks in der Kritik

Kritik an neuen Bauernregeln (Foto: CC0, Pixabay) Kritik an neuen Bauernregeln (Foto: CC0, Pixabay)

Mit einer Öffentlichkeitskampagne will das Bundesumweltministerium auf Missstände in der Landwirtschaft hinweisen. Im Stile alter Bauernregeln werden in Reimform elf Aussagen unter anderem zu Tierschutz, Biodiversität und Überdüngung getroffen. So heißt es etwa: „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“

Einige Bauernvertreter fühlen sich durch den Versuch, auf die Missstände in der Landwirtschaft hinzuweisen, diffamiert und sprechen wieder einmal von „Bauern-Bashing“. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt nutzt die Gelegenheit für eine erneute Kritik an Hendricks. Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück. "Uns geht es nicht darum, einen Berufsstand zu diffamieren", versicherte ein Sprecher. Man wolle lediglich im Rahmen einer gesellschaftlichen Debatte "auf spielerische und humorvolle Art" auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen.

Der Handlungsbedarf in puncto Tierwohl, Monokulturen, Wasserbelastung durch übermäßige Düngung und Folgen eingesetzter Pflanzenschutzmitteln steht außer Frage. Dabei sollten aber die Probleme der Intensivlandwirtschaft nicht einzelnen Bauern angelastet werden.

Trotzdem verfehlt die angriffslustige Bauernweisheiten-Kampagne von Hendricks ihre angestrebte Wirkung. Ulrich Jasper, Bundesgeschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (AbL), meint, die Kampagne gehe „inhaltlich in die richtige Richtung". Es sei richtig, auf die Probleme in der Landwirtschaft hinzuweisen, aber dabei müsse klar sein, dass die agrarpolitischen Rahmenbedingungen verändert werden müssten. Denn die Bäuerinnen und Bauern dürften nicht die Leidtragenden des notwendigen Umbaus der Landwirtschaft sein. Auch wenn die Bauernweisheiten von manchen Landwirten als Affront verstanden werden können, verfehlt die Empörung über die Kampagne den Kern des Problems. Denn Agrarminister Schmidt blockiert seit Jahren alle ernsthaften Initiativen für mehr Tier-, Umwelt- und Klimaschutz in der Landwirtschaft. Er ist der Hauptverantwortliche für die anhaltenden Probleme im Agrarbereich und sollte Adressat neuer Regeln in der Landwirtschaft sein.

06.02.2017 |

Studie: Fleischalternativen sind meist gesünder als Fleisch

Sind Fleischalternativen gesünder als Fleisch? (Foto: CC0, Pixabay) Sind Fleischalternativen gesünder als Fleisch? (Foto: CC0, Pixabay)

Eine Studie der Albert Schweitzer Stiftung ergab, dass zahlreiche vegane und vegetarische Fleischalternativen in einigen wichtigen Punkten besser als ihr Fleisch- und Wurstpendant abschneiden. Die Stiftung gab die Studie zur ernährungsphysiologischen Bewertung von Fleischalternativen im letzten Jahr beim Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (IFANE) in Auftrag.
Seit einigen Jahren steigen Angebot und Nachfrage von Fleischalternativen insbesondere aus Gründen des Tier- und Umweltschutzes sowie der Gesundheit. Einige Tests in jüngerer Zeit hatten Fleischalternativen lediglich untereinander verglichen. Da die Alternativen allerdings oft das Fleisch auf dem Teller ersetzen, ist eine Gegenüberstellung von Alternativprodukten mit fleischhaltigen Produkten sinnvoll.

Insgesamt vergleicht die Studie 80 vegane und vegetarische Fleischalternativen mit 27 Fleischprodukten aus ökologischem und konventionellem Anbau in elf Kategorien: Brat- und Brühwürstchen, Nuggets, Gyros, Geschnetzeltes, Filets, Burger, Steaks, Schnitzel, Lyoner und Salami. Die häufigste Hauptproteinquelle der untersuchten Alternativprodukte ist Soja, gefolgt von Weizen, Lupine, Hühnerei, Milch, Erbse und Reis sowie Kombinationen daraus. Beurteilt wurden verschiedene Nährwerte und Inhaltsstoffe der Lebensmittel: Protein-, Energie- und Gesamtfettgehalt, die Menge an gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz sowie der Einsatz von Zusatzstoffen und Aromen. Das erfreuliche Ergebnis: Die Fleischalternativen schneiden in einigen ernährungsphysiologisch wichtigen Punkten besser ab und können gerade als Ersatz für Wurst- und Fleischerzeugnisse eine gesundheitlich günstigere Alternative sein.

Gerade bei den ungesunden gesättigten Fettsäuren können viele fleischfreie Produkte punkten. 63 % der untersuchten Fleischalternativen wurden diesbezüglich mit »gut« bewertet, nur bei 10 % ist der Gehalt zu hoch. Bei den fleischhaltigen Produkten ist der Trend umgekehrt: Fast zwei Drittel enthalten deutlich zu viele gesättigte Fettsäuren und bloß 12 % erreichen günstige Werte. In sieben von elf Produktkategorien haben die veganen Bio-Alternativen den höchsten Proteingehalt und übertrumpfen damit sogar die Fleischprodukte. Die häufige Kritik, dass Fleischalternativen voller Zusatzstoffe und Aromen stecken, kann die Studie nicht per se bestätigen. Ökologisch erzeugte Alternativprodukte enthalten keine zugesetzten Aromen und sogar durchschnittlich weniger Zusatzstoffe pro Produkt als die Fleischwaren. Konventionelle Fleischalternativen schneiden hierbei jedoch schlechter ab. Vegane Produkte weisen in den meisten Kategorien einen leicht geringeren Energiegehalt als Fleischprodukte auf. Insgesamt aber ist bei fast allen Produkten der Kaloriengehalt mittel bis hoch. Die veganen und vegetarischen Produkte erhielten beim Gesamtfett überwiegend eine mittlere Bewertung. Über die Hälfte der Fleischprodukte erhielt jedoch eine hohe. Sowohl Alternativen als auch Fleischwaren enthalten zu viel zugesetztes Salz.

18.01.2017 |

Protest: Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!

Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker! (Foto: Wir haben es satt!/ Die Auslöser Berlin) Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker! (Foto: Wir haben es satt!/ Die Auslöser Berlin)

Berlin, 18.01.2017. Heute Morgen demonstrierten Bauern und Bäuerinnen sowie Imker und Imkerinnen im Schulterschluss mit engagierten Bürger*innen gegen die geplante Elefantenhochzeit von Bayer mit Monsanto vor dem Berliner Sitz der Bayer AG. Wenige Tage vor der „Wir haben es satt!“-Demonstration brachten die 50 Demonstrant*innen mit einem Traktor und einem zehn Meter langen Anhänger, auf dem „Bayer und Monsanto, bleibt uns vom Acker!“ zu lesen war, ihre Wut gegen die fortschreitende Konzentration im Saatgut- und Pestizidbereich zum Ausdruck. Stattdessen fordern sie eine bäuerliche und bienenfreundliche Landwirtschaft. Einer der anwesenden Imker und Imkerinnen, die in ihrer Berufskleidung mit Bienenkästen und Smokern gekommen waren, hatte eimerweise tote Bienen mitgebracht, um auf das dramatische Bienensterben hinzuweisen.

Die Kritik der Demonstrant*innen: Der Agrar- und Chemieriese Bayer-Monsanto würde bei erfolgreicher Fusion über rund 30 Prozent der Marktanteile des weltweiten Saatgut- und Agrochemiemarktes verfügen. Diese kritische Marktkonzentration würde die freie Saatgutwahl von Millionen Bauern gefährden, die Bedrohungen für Mensch, Umwelt, Biene und Co. durch die Agrarindustrie würden weltweit steigen. Nicht nur Monsanto, sondern auch die Bayer AG macht mit der Agrarsparte Bayer Crop Science weltweit Geschäfte mit Pestiziden und dem passenden, gentechnisch manipulierten Saatgut. Der Konzern hält viele Patente auf Pflanzen und Tiere, außerdem ist er mit der Verbreitung von Insektiziden wie Neonikotinoiden maßgeblich verantwortlich für das verheerende Bienensterben.
Bei der Protestkundgebung sagte Heinz Günther Klaas, Ackerbauer und Saatgutvermehrer aus Wie-
senhagen in Brandenburg, die geplante Fusion von Bayer und Monsanto bedrohe nicht nur die Saat-
gutvielfalt, sondern auch die Existenz vieler Bauern! Als Saatgutvermehrer wolle er auch in Zukunft
freies Saatgut ohne Gentechnik nutzen können. Es sei eine Anmaßung, dass Megakonzerne wie Bayer
und Monsanto versuchen, Patente auf sein Saatgut anzumelden. Unsere Schöpfung dürfe nicht pa-
tentiert werden.
Imker Günther Jesse aus Werneuchen in Brandenburg erklärte, dass ein stärkeres Vorkommen von Bienen in der Stadt, statt auf dem Land bedenklich wäre. Bayer und Monsanto würden für eine Landwirtschaft mit immer höherem Pestizideinsatz sehen. Als Imker wollten sie gesunden Honig aus blühenden Landschaften erzeugen. Die geplante Fusion lehnen die Imker*innen ab!
Jochen Fritz, Nebenerwerbslandwirt aus Werder und Mitorganisator der „Wir haben Agrarindustrie
satt!“-Demonstration rief zur Teilnahme an der Demonstration auf. Alle, die sich für eine bäuerliche
und bienenfreundliche Landwirtschaft einsetzen und gesundes Essen für alle wollen, sollten am
Samstag zur Demonstration kommen. Fritz fordert die Bundesregierung, die EU-Wettbewerbskommis
sarin Margrethe Vestager und das Bundeskartellamt auf, die Megafusion im Interesse der Bevölke-
rung zu verhindern.
Die Demonstration beginnt am 21.1. um 12 Uhr am Potsdamer Platz in Berlin und steht unter dem
Motto „Agrarkonzerne, Finger weg von unserem Essen!“. Die 100 aufrufenden Organisationen haben
im Wahljahr neun Forderungen für die Agrar- und Ernährungswende vorgelegt.

10.01.2017 |

Konzernatlas 2017: Fusionswelle in Agrar- und Ernährungsindustrie

Die größten Agrar- und Foodkonzerne (Foto: Konzernatlas 2017) Die größten Agrar- und Foodkonzerne (Foto: Konzernatlas 2017)

Der heute veröffentlichte „Konzernatlas 2017“ bestätigt, dass immer weniger Konzerne weltweit über einen immer höheren Anteil der Lebensmittelerzeugung und Ernährung bestimmen. Dies gefährdet die regionale Lebensmittelversorgung, insbesondere der in ihr tätigen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Der „Konzernatlas 2017“ ist eine Zusammenstellung von Fakten und Grafiken zur Agrarindustrie, welche von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Oxfam Deutschland, Germanwatch und Le Monde Diplomatique herausgegeben wird. Die Herausgebenden warnen davor, dass die laufenden Konzentrationsprozesse im Agrarsektor die 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gefährden und fordern stärkere Kontrolle im Agrar- und Ernährungsbereich.

Fünf der zwölf kapitalintensivsten Übernahmen börsennotierter Konzerne in 2015 und 2016 fanden im Agrar- und Ernährungsbereich statt. Der Börsenwert der Fusionen im Landwirtschaftssektor übertraf vielfach den in anderen großen Branchen. So war 2015 der Wert der Fusionen von Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelindustrie mit 347 Milliarden Dollar fünf Mal höher als der im Pharma- oder im Ölsektor. Inzwischen kontrollieren lediglich vier Großkonzerne rund 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen. Drei Konzerne dominieren 50 Prozent des Weltmarkts für Landtechnik. In Deutschland decken vier Supermarktketten 85 Prozent des Lebensmitteleinzel-handels ab. Finden die weiteren derzeit geplanten Mega-Fusionen statt, würden nur drei Konzerne mehr als 60 Prozent des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und für Pestizide beherrschen.
Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, erklärt anlässlich der Präsentation des Konzernatlas, dass das Höfesterben, Landkonzentration, Patente und Monokulturen die Folgen der Konzernmacht im Ernährungssektor seien. Die Konzernmacht schaffe massive Abhängigkeiten für Bauern, Bäuerinnen und Konsumierende von Konzernentscheidungen. Die Vielfalt für Ernährung und Natur gehe dabei verloren. Die Macht der Konzerne würde durch das weltweite Verfolgen von Aktivist*innen und kritischer Zivilgesellschaft durch Regierungen zusätzlich verstärkt werden.
Auch der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger warnte vor einer weiteren Konzentration im Agrarsektor durch die geplante Übernahme des Saatgut- und Gentechnikkonzerns Monsanto durch Bayer. Dieser würde ein Drittel des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut und ein Viertel des Marktes für Pestizide dominieren und so die Art und Weise bestimmen, wie auf den Äckern gewirtschaftet wird. Die wachsende Marktmacht einiger weniger Großunternehmen gefährde eine bäuerliche, sozial und ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft. Weiger plädierte dafür, die Abschaffung umweltbenachteiligender Agrarsubventionen und eine Beendigung des Preisdumpings bei Lebensmitteln im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung festzuhalten. Er rief dazu auf, am 21. Januar gemeinsam mit vielen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, mit Verbraucherschutz- und alternativen Bauernverbänden unter dem Motto "Wir haben es satt" gegen die herrschende Agrarpolitik auf die Straße zu gehen.
Die Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, wies darauf hin, dass von Übernahmeschlachten und knallhartem Preiswettbewerb im Nahrungsmittelbereich vor allem Arbeitende und Angestellte direkt betroffen seien. Bei der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann drohe, dass EDEKA und REWE ihre Filialnetze nach fünf Jahren rigoros ausdünnen. Sie verwies auf den Abbau von über 5000 Stellen nach der Fusion von Heinz und Kraft Foods 2015. Die Preispolitik der Supermarktkonzerne drücke zugleich auf die Standards in der Produktion. Arbeit unter Pestizidregen auf Bananenplantagen oder Hungerlöhne für Teepflückerinnen seien auch dort verbreitet, wo für hiesige Supermarktregale geschuftet wird.
Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland e.V., bemerkte, dass Bauern und Bäuerinnen die schwächsten Glieder in der Lieferkette wären. Der Konzernatlas zeige eindrücklich die globale Dominanz von Großkonzernen und die daraus folgende Ungerechtigkeit und globale Ungleichheit. Darin sehe sie den Anstoß für Politiker und Politikerinnen, die Fusionskontrolle zu verschärfen und den Missbrauch der Marktmacht einzudämmen. Die Politik müsse die Verhandlungsmacht von Bauern und Bäuerinnen stärken. Außerdem müsse sie Unternehmen verpflichten, ökologische und soziale Mindeststandards entlang der Lieferkette durchzusetzen und Menschenrechte konsequent einzuhalten.
Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, betonte, dass es durchaus Alternativen zur wachsenden Konzernmacht gebe. Mehr als zehn Millionen Kleinbetriebe weltweit würden Reis nach agrarökologischen Methoden anbauen und so ihre Erträge steigern, ohne von Konzernsaatgut oder -dünger abhängig zu werden. In Brasilien erhielten rund 45 Millionen Kinder Schulessen von regionalen Kleinbauern. Milke forderte, es sei auch hierzulande an der Zeit, die öffentliche Beschaffung nach Kriterien wie bäuerlicher Erzeugung aus der Region, handwerklicher Verarbeitung und Ökolandbau auszurichten. So würde man viele regionale Akteur*innen anstatt überwiegend nur wenige Großunternehmen an der Wertschöpfung beteiligen.

08.01.2017 |

Protest für „freien Weizen“ statt für Konzerngetreide

Protest am Forschungsministerium gegen Hybridweizen & Gentechniksaatgut (Foto: Aktion Agrar) Protest am Forschungsministerium gegen Hybridweizen & Gentechniksaatgut (Foto: Aktion Agrar)

Ausgestattet mit einem Riesen-Keks aus Holz, mit Backblechen, Kochlöffeln und Bäckermützen demonstrierten am Donnerstag Aktive von Aktion Agrar und der europäischen Saatgutkampagne gegen die Forschungsförderung der Bundesregierung. Jutta Sundermann von Aktion Agar kritisierte, dass Agrarkonzerne Steuermilliarden erhalten würden und damit Bauern ihrer Eigenständigkeit berauben würden. Gleichzeit würden die Megakonzerne jeden Nachbau von Samen aus eigener Ernte durch Hybridweizen verhindern wollen.

Bereits vor der Weihnachtszeit hatten rund 4300 Menschen aus knapp 100 Städten Kekstüten mit der Forderung nach „freiem Weizen“ verteilt. In der Forderung kritisierten sie die Forschungsprogramme vom Landwirtschaftsministerium und vom Forschungsministerium für die Züchtung von Hybrid-Weizen. Das ist technisch schwierig, denn normalerweise bestäubt sich Weizen selbst. Um Hybride herzustellen, muss Weizen mittels Chemie oder Gentechnik kastriert werden.
Sundermann stellte außerdem klar, dass Technologien, die Menschen den Zugang zu Saatgut erschweren, den Hunger weltweit nur verschärfen würden, statt eine Welternährung sicherzustellen, wie es Konzerne und die Bundesregierung behaupteten. Das neue Gentechnikgesetz würde Saatgutkonzernen wie Bayer, Monsanto, Syngenta und Co Wege für den Anbau gentechnisch veränderter Sorten offenhalten. Die Aktionsgruppe ruft ebenfalls zur Wir haben es satt!-Demonstration am 21. Januar in Berlin auf. Mit dem Thema „Freier Weizen“ wird Aktion Agrar mit Bündnispartnern zusammen im Block der Bäckerinnen und Bäcker dabei sein.

04.01.2017 |

Statistische Viehbestandserhebung bestätigt Höfesterben

Zahl der Sauenhaltenden drastisch reduziert (Foto: CC0, Pixabay) Zahl der Sauenhaltenden drastisch reduziert (Foto: CC0, Pixabay)

Seit über zwei Jahren hält die Krise auf Milch- und Schweinemärkten nun an. Die Auswirkungen sind verheerend. Das Statistische Bundesamt bestätigte nach der jährlichen Viehbestandszählung am 3. November 2016 nun einen dramatischen Verlust an landwirtschaftlichen Betrieben. Knapp 10 Prozent der Milchviehhalter (-7300) und 9 Prozent der Schweinehalter (-2400) gaben seit 2014 ihren Betrieb auf.

AbL-Vorsitzender Martin Schulz führt dies auf die starke Senkung der Erzeugerpreise für Milch, Schweinefleisch und Ferkel zurück. Seiner Einschätzung nach hätten die Bundesregierung und die Milch- und Schlachtindustrie intervenieren müssen, um das Preistief möglichst schnell und dauerhaft zu beenden.
Bei der Milch habe die Bundesregierung jahrelang jegliche Anreize zur Vermeidung von preisdrückenden Überschüssen kategorisch abgelehnt und erst Mitte 2016 etwas eingelenkt. Im Schweinemarkt eröffnet die Bundesregierung den Bauern und Bäuerinnen bisher keine glaubwürdige wirtschaftliche Perspektive. Potenzielle Hofnachfolgende fühlen sich in puncto tierschutzgerechter Haltungssysteme und regionaler Überdüngung allein gelassen und wenden sich demzufolge ab. Dies belegen Zahlen aus der Sauenhaltung. In den letzten sechs Jahren (seit 2010) hat sich die Zahl der Sauenhaltenden um knapp 60 Prozent reduziert. Gleichzeitig hat sich die Tierzahl pro Betrieb in diesem Zeitraum veranderthalbfacht, d. h. um 144 Prozent erhöht.

09.12.2016 |

Neue Studie: Intensive Landwirtschaft führt überall zu den gleichen Arten

Weichwanze Eines der untersuchten Tiere ist der Kriechende Hauhechel - bei intensiver Grünlandnutzung verschwindet er (© Ekkehard Wachmann)

In einer großangelegten Studie unter der Leitung der Technischen Universität München und der Universität Bern haben sich 300 Forschende überregional mit der Frage beschäftigt, welchen Einfluss intensive Landwirtschaft auf die Biodiversität hat. Das Ergebnis: Durch die intensive Nutzung nimmt die Artenvielfalt nicht nur ab, sondern es bleiben im Endeffekt überall nur die gleichen Arten übrig.

Der Verlust der Biodiversität ist ein hinlänglich bekanntes Problem, in dem die landwirtschaftliche Nutzung eine zentrale Rolle spielt. Bisher wurden aber in wissenschaftlichen Studien nur die Auswirkungen auf einzelne Lebensräume oder auf bestimmte Artengruppen untersucht. Die Ende November in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie hat hingegen analysiert, welche Effekte in verschiedenen Landschaften auf die über 4.000 dort vertretenen Arten zu beobachten sind.

Im Normalfall ist jede Landschaft einzigartig und die einzelnen Organismen leben in komplexen Abhängigkeitsbeziehungen. Laut der Studie kommt es jedoch bereits bei moderater Bewirtschaftung zu „Biotischer Homogenisierung“ – es stellt sich eine Angleichung der Arten ein, bei der überall die gleichen, wenig anspruchsvollen Generalisten übrig bleiben. Die Landschaft wird also eintöniger und die verschiedenen Ökosystemdienstleistungen nehmen ab. Diese entstehen normalerweise in der Interaktionen zwischen den verschiedenen Arten und sind essenziell für das Funktionieren der gesamten Artengemeinschaft. Hierzu gehören zum Beispiel Aspekte wie die Bestäubung oder die Schädlingsbekämpfung.

Die Forscher*innen fanden heraus, dass der Intensivierungsgrad hierbei nicht die entscheidende Rolle spielt und bereits eine moderate Intensivierung erheblichen Einfluss auf die Natur hat. So erhalten Flächen, die extensiv genutzt werden, eine große Bedeutung. Ohne diese Ausgleichsflächen ist der Rückgang der Artenvielfalt nicht aufzuhalten. Deshalb müssen sie dringend bewahrt und geschützt werden.

Diese Ergebnisse verdeutlichen erneut, dass die aktuelle Politik nicht mit einer nachhaltigen Landwirtschaft zu vereinbaren ist und die voranschreitende Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft aufgehalten werden muss.

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