Meng-Landwirtschaft.lu

Nachrichten

09.02.2016 |

Fragwürdiger Rekord deutscher Schlachtunternehmen

Gewerbliche Fleischproduktion, Copyright: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016 Gewerbliche Fleischproduktion, Copyright: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016

Deutsche Schlachtunternehmen erzielten 2015 einen neuen Höchstwert: die Fleischproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25.300 Tonnen (0,3%) auf insgesamt 8,22 Millionen Tonnen. Diese Menge übersteigt nicht nur die Produktion des vorhergehenden Jahres, sondern übertrifft auch das bisher höchste Ergebnis der Gesamtschlachtmenge aus dem Jahr 2011, die damals bei 8,20 Millionen Tonnen Fleisch lag. Diese Zahlen zur Fleischerzeugung legt das Statistische Bundesamt vor.

Allein bei der Schlachtung von Schweinen nahm die Zahl des produzierten Fleisches im Vergleich von 2014 zu 2015 um 0,8% (das sind etwa 480 Tiere) zu. Dabei wurde in der ersten Jahreshälfte die Produktion so sehr gesteigert, dass die stark rückläufige Produktion des zweiten Halbjahres ausgeglichen werden konnte. (1. Halbjahr 2015: + 67 000 Tonnen; 2. Halbjahr 2015: - 23 300 Tonnen). Zugleich fiel Import von Schweinen zur Schlachtung – der Zuwachs ergab sich aus der Steigerung der heimischen Produktion. Die Schweinefleischerzeugung konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Bundesländer Nordrhein-Westfalen (1,9 Millionen Tonnen) und Niedersachsen (1,8 Millionen Tonnen), die 66,2 % des Schweinefleischs produzierten.

Bei Rindfleisch war die Produktionszahl mit 1,5% geschlachteten Tieren rückläufig. Führende Verarbeitungsregion ist das Bundesland Bayern (306 600 Tonnen), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (230 000 Tonnen). Erstmals seit 2006 fiel die dynamische Entwicklung bei Geflügelfleisch und die Produktion ging um 0,6% zurück.

Zur Seite des Statisches Bundesamts und der Statistik Gewerblicher Schlachtungen: bit.ly/1uuSi2k

22.01.2016 |

Patentamt widerruft Patent auf Melone

Zuckermelone, flickr.com: Edgar.Dorta, CC BY 2.0 Zuckermelone, flickr.com: Edgar.Dorta, CC BY 2.0

Das Europäische Patentamt (EPA) hat am Mittwoch ein Patent des Saatgutriesen Monsanto widerrufen. Der US-Konzern hatte 2011 das Patent auf eine in Indien herkömmlich gezüchtete virusresistente Melone (Cucumis melo) erhalten – ganz gegen das europäische Patentrecht. Eine internationale Koalition hatte dagegen Einspruch eingelegt, unterstützt von der indischen Regierung.

Christoph Then, Sprecher von „Keine Patente auf Saatgut!“, wertete den Schritt des EPA zwar positiv, gab aber zu bedenken: „Der Widerruf des Patents ist ein wichtiger Erfolg, aber das generelle Problem kann nicht durch Einsprüche am EPA gelöst werden. Die Politik muss dafür sorgen, dass Gesetze korrekt angewendet und Verbote nicht ausgehebelt werden. In Deutschland liegt die Verantwortung bei Justizminister Heiko Maas.“

Weiterlesen auf unserer Partnerseite Informationsdienst Gentechnik:

19.01.2016 |

Die Schere geht dramatisch auseinander

Slum Tondo in Manila, Philippinen, 2014. Copyright Foto: Dewald Brand, Miran für Oxfam Slum Tondo in Manila, Philippinen, 2014. Copyright Foto: Dewald Brand, Miran für Oxfam

Inzwischen besitzen die 62 reichsten Einzelpersonen genauso viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Dies geht aus dem Bericht „An Economy for the 1%“ hervor, den Oxfam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos veröffentlicht hat. Die soziale Ungleichheit schreitet nach Angaben der Entwicklungsorganisation immer weiter voran und fordert deshalb, Steueroasen auszulöschen und sehr hohe Vermögen stärker zu besteuern.

Die reichsten der Welt werden immer reicher, und das noch schneller als erwartet: noch vor einem Jahr prognostizierte Oxfam, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung 2016 mehr besitzen würde als die restlichen 99 Prozent. Diese Grenze wurde bereits 2015 überschritten. Eine erhebliche Ursache für diese Entwicklung sieht die Organisation in den Strukturen der Steueroasen. Jedes weltweit führende Großunternehmen habe mindestens eine Präsenz in einer Steueroase. Dadurch würde Entwicklungsländern auf diese Weise jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren gehen.

Laut der Studie ist das Vermögen der reichsten 62 Personen in nur fünf Jahren um 44 Prozent gewachsen, was einem Anstieg von mehr als einer halben Billionen US-Dollar auf 1,76 US-Dollar entspricht. Gleichzeitig sei das Vermögen der armen Bevölkerung um 41 Prozent, zurückgegangen. Gründe für diese zunehmende Ungleichverteilung sieht Oxfam unter anderem in den hohen Renditen, durch die Kapitalbesitz stetig weiter gemehrt wird. Wenn bei Angestellten und Arbeitern überhaupt Lohnzuwachs zu beobachten war, fiel dieser gering aus.

Die Mehrheit der Gesellschaft profitiert also nicht von den durch wirtschaftliches Wachstum erzielten „Wohlstandsgewinnen“. Aus diesem Grund fordert Oxfam die Regierungen in den Ländern des Globalen Süden und Nordens auf, ihre Unternehmen zu einer öffentlichen länderbezogenen Berichterstattung zu verpflichten. Darüber hinaus sollen Steueranreize multinationaler Unternehmen transparent gemacht werden und faire Steuern eingeführt werden. Zudem soll das internationale Steuersystem zum Vorteil aller reformiert werden.

19.01.2016 |

Bauern und Verbraucher gegen Agrarindustrie

Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern in Berlin; Foto: Volker Gehrmann Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern in Berlin; Foto: Volker Gehrmann

Ein starkes Zeichen gegen die Agrarindustrie setzten 23.000 Menschen trotz eisiger Temperaturen am Samstag, 16.1.2016, in Berlin. Unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt! Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern" zogen sie angeführt von 130 Traktoren zum Bundeskanzleramt und forderten von der Bundesregierung die Weichen für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft zu stellen. Sie demonstrierten für Bauernhöfe, die umwelt- und klimafreundlich wirtschaften, damit das Recht auf Nahrung weltweit sichern, starke Strukturen im ländlichen Raum erhalten, artgerechte Tierhaltung verwirklichen, gentechnikfrei arbeiten und deren Grundsatz fairer Handel ist.

„Angesichts der katastrophalen und strukturzerstörenden Erzeugerpreise für Milch und Schweinefleisch ermutigen dieser starke Rückhalt und die Wertschätzung der Gesellschaft, den Kampf für den Erhalt unserer Höfe energisch zu führen“, so Ottmar Ilchmann, Milchbauer aus Ostfriesland. „Die Agrarpolitik in Berlin und Brüssel ist verantwortlich für die Rahmenbedingungen, die zu Überproduktion und Erzeugerpreisen deutlich unter den Produktionskosten führen. Dabei zerstören Agrarexporte zu Dumpingpreisen für den Weltmarkt bäuerliche Strukturen und regionale Märkte für Bauern hier und in der ganzen Welt. Die Bundesregierung muss jetzt umsteuern, damit es sich für Bauern lohnt, gute Lebensmittel für den heimischen Markt zu produzieren.“

Der lange Trecker-Konvoi wurde von der Menge auf dem Potsdamer Platz jubelnd empfangen. „Die Bauern stehen in der Mitte der Gesellschaft“, kommentierte Jochen Fritz, Landwirt und Sprecher der Demonstrations-Bündnisses „Wir haben es satt!“ den gemeinsamen Protest. „Die Menschen wollen, dass Bauern und nicht Konzerne ihr Essen erzeugen, sie wollen gesundes Essen, keine Gentechnik auf dem Acker, im Trog und auf dem Teller, sie wollen, dass Tiere auf der Weide grasen können, Schweine auf Stroh stehen und keine Schwänze oder Schnäbel abgeschnitten werden. Und die Bauern sind bereit dafür! Worauf wartet die Bundesregierung?“, so Fritz weiter.

Auch Sarah Wiener, Köchin aus Berlin, forderte einen Umbau des Ernährungssystems: „Wir wollen den Wandel mit Fairness und Genuss! Gute, köstliche Lebensmittel bekommen wir nur, wenn wir achtsam mit unserer Umwelt, den Pflanzen und Tieren umgehen. Wenn wir verstehen, dass wir mit der Natur arbeiten müssen und nicht gegen sie, werden wir die Wertschätzung für das, was uns ernährt wieder erlangen. Davon profitieren die Bauern, die Böden und die Nutztiere.“

14.01.2016 |

Wachstum ohne Wertschöpfung

Foto: Flickr.com /marfis75 Foto: Flickr.com /marfis75

Die Krise der Milchpreise und die dadurch existenzbedrohende Lage der Milchbauern zog sich in den letzten Monaten durch die Berichterstattung der Medien. Vor wenigen Tagen ließ der Bauernverband (DBV)Sachsen-Anhalt verlauten, dass er befürchte, in diesem Jahr könnten zehn Prozent der Milchviehbetriebe schließen. Das wären dreimal mehr als sonst. Wie äußern sich der Agrarminister Christian Schmidt und der DBV-Präsident Joachim Rukwied anlässlich der Eröffnung der Grünen Woche zur Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland? Bis 2020 solle sich nichts an der derzeitigen Agrarpolitik ändern: Wachstum wird weiterhin politisch vorgeschlagen und gewollt.

Heute erschien der Kritische Agrarbericht 2016, der den Wachstumswillen der Landwirtschaftspolitik auf den Prüfstand stellt. Wie nützlich ist es, in Krisenzeiten Wachstum anzukurbeln und wie nachhaltig und perspektivenreich ist es generell? Die Bilanz fällt negativ aus. Betriebliches Wachstum sei längst kein Garant für Wohlstand mehr. Allen betrieblichen Größenordnungen aber vor allem den kleineren fiele es immer schwerer, sich auf die schwankenden und sinkenden Erzeugerpreise einzustellen. Die Lebensgrundlage der Menschen hier sei ebenso gefährdet wie die Ernährungssouveränität in Ländern des Globalen Südens und das Tierwohl.

„Bundesminister Schmidt und der Bauernverband haben stets von wachsenden kaufkräftigen Exportmärkten für Milch und Schweinefleisch geredet und die Agrarpolitik danach ausgerichtet. Seit anderthalb Jahren bezahlen die Bauern nun dafür, dass diese Vorhersagen falsch sind. Molkerei- und Schlachtkonzerne steigern zwar ihre Exporte; aber auf Kosten der Bauern, die für Milch, Ferkel und Schweinefleisch Preise weit unterhalb ihrer Kosten erhalten“, so Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Die steigende Nachfrage nach regionalen und tier- und umweltgerechten erzeugten Lebensmitteln seit steigend und es sei daher Zeit für eine Qualiätsoffensive statt eines Setzens auf Weltmarktanteile.

In Zeiten des Klimawandels und Konflikten mit Migrationsfolge bräuchte nicht die Wirtschaft vielmehr die Bodenfruchtbarkeit einen Wachstum: „Der jährliche Verlust von 10 Millionen Hektar fruchtbarer Böden weltweit sowie Humus zehrende, einseitige Fruchtfolgen in der industriellen Landwirtschaft bewirken aber das Gegenteil“, sagt Felix von Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Landwirtschaft könne regenerativ praktiziert werden und durch Humusaufbau so viel CO2 binden, dass Überhänge in der Atmosphäre wieder rückgängig gemacht werden könnten. „Die Destabilisierung von Gesellschaften durch Nahrungsmangel und Klimawandel zwingt uns, zu handeln. Es ist überfällig, alle agrarpolitischen Instrumente auf ein Ökologisches Agrarsystem und auf dessen Fortentwicklung auszurichten.“

13.01.2016 |

Immer weniger Betriebe produzieren immer mehr Fleisch

Grafik aus dem Fleischatlas Grafik aus dem Fleischatlas

Bis zu 80 Prozent der Betriebe mit Tierhaltung haben in den letzten 15 Jahren aufgegeben, so Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, zur Vorstellung des „Fleischatlas Deutschland Regional 2016“. Die in der Publikation versammelten Daten, Fakten und Grafiken belegen, dass die Produktion von immer mehr Fleisch von immer weniger Betrieben realisiert wird.

Der landwirtschaftliche Strukturwandel geht demnach ungebremst weiter: die absolute Zahl der Schweine- und Hühnerhaltungen ist rückläufig, die Produktion nimmer allerdings zu und konzentriert sich dadurch auf immer weniger dafür jedoch größere Betriebe. Laut Fleischatlas haben in Bayern 30.000 und in Niedersachen 13.000 Höfe ihre Schweinehaltung aufgegeben – die Last des derzeitigen landwirtschaftlichen Wandels tragen also kleinbäuerliche und mittelständische Betriebe.

„Der Trend zu Megamastanlagen geht weiter“, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Fleischproduktion wächst in jenen Bundesländern am stärksten, die ohnehin schon überdurchschnittlich viele Tiere mästen. Ammoniak-Emissionen und Nitratwerte im Grundwasser nehmen dort in Folge inakzeptabel hohe Werte an. Eindrückliches Beispiel sei der Landkreis Vechta: hier ist die „Schweinedichte“ im deutschen Vergleich extrem hoch und dennoch wurden zwischen 2013 und 2014 weitere 87.000 neue Schweinemastplätze genehmigt. 800 Schweinemäster produzieren in diesem einen Landkreis mehr als Schleswig-Holstein oder Hessen. Auch bei den Schlachtbetrieben zeigt sich eine ähnliche Struktur: die zehn größten Konzerne schlachten mehr als 70 Prozent der Tiere. Die riesigen Anlagen liegen dicht an dicht, fast alle in Niedersachen oder Nordrhein-Westfalen.

Agrarsubventionen sollten weniger nach Fläche und Größe vergeben werden, sondern stärker an Kriterien die die Leistungen der Betriebe für das öffentliche Wohl prüfen. Eine landwirtschaftliche Produktion die auf „Masse statt Klasse“ setze, ginge mit Dumpingpreisen, Massenproduktion und Exportorientierung einher. Dem müsse von politischer Seite entgegengesteuert werden. In Zeiten, wo 80 Prozent der Deutschen bereit seien, höhere Preise für Qualität und Regionalität auszugeben, müssten bäuerlicher Betriebe, die dementsprechend produzieren das auch finanziell zu spüren bekommen.

12.01.2016 |

Bauern wünschen sich Kennzeichnung von Milch- und Fleischprodukten

Wir haben Agrarindustrie satt: Eure Agrarpolitik ist Mist! Wir haben Agrarindustrie satt: Eure Agrarpolitik ist Mist!

Die Mehrheit der deutschen Landwirte spricht sich für eine qualitative Kennzeichnung von Fleisch- und Milchprodukten aus. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die das Demo-Bündnis von „Wir haben es satt!“ in Auftrag gegeben hatte. 85 Prozent befürworten eine Herkunftskennzeichnung, 71 Prozent stimmen für eine Kennzeichnung der Tierhaltungsform und 75 Prozent wollen, dass erkennbar ist, wenn Gentechnik- Futtermittel im Trog war.

Die regionalen Bauern wirklich unterstützen könnten Verbraucher nur, wenn sie die Möglichkeit haben, das Produkt im Regal wirklich zu erkennen. Mit Namen und Labels wie „Wiesenglück“ oder „Bauerngut“ würden Produktionsbedingungen suggeriert, die de facto nicht dahinter stecken und böten dem Verbraucher keine Orientierung. Am Beispiel von Eiern sei sehr gut erkennbar, dass sich bessere Haltungsformen gekoppelt an transparente Kennzeichnung durchsetzen.

Von Agrarminister Schmidt fordert das Bündnis deshalb, sich nicht länger hinter der freiwilligen Tierwohldiskussion wegzuducken. Die Bedürfnisse der Verbraucher und der Bauern nach Kennzeichnung müssten gleichermaßen erfüllt werden. Erst letzte Woche erschien der vom Landwirtschaftsministerium veröffentlichte Ernährungsreport 2016, in dem sich Verbraucher sehr deutlich für bessere Informationen im Bereich Ernährung aussprechen und zudem bereit sind, mehr auszugeben, wenn das Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammt und Bauern dafür fair entlohnt werden.

„Wenn Bauern für einen Liter Milch 20 Cent weniger erhalten als das, was sie an Kosten hatten, können sie ihre Betriebe auf Dauer nicht halten, so Johanna Böse-Hartje Milchbäuerin aus Niedersachsen. Die Landwirtschaft sei aber mittlerweile in der Gesellschaft angekommen: „Immer mehr Landwirte sehen das Potenzial von regionalen Lebensmitteln und Produkten aus tier- und umweltgerechter Haltung ohne Gentechnik-Einsatz und wollen es besser nutzen, denn die Verbraucher fragen danach.“ Angesichts der Preiskrise kann die Kennzeichnungspflicht also eine Möglichkeit sein, einen Weg aus der Misere zu bieten. Vor allem die Milchbauern seien noch bäuerlich organisiert und sollten die Chance nicht verspielen, das auch zu bleiben und die Exportorientierung der deutschen Bundesregierung nicht mitgehen.

Die Auswirkungen europäischer Landwirtschaft beschrieb Kannaiyan Subramaniam, Milchbauer aus Indien und Landwirte-Vertreter. 2009 und 2011 drangen große Mengen von Milchpulver auf die indischen Märkte und brachte den dortigen Bauern die gleichen Probleme wie den hiesigen. Die Preise fielen und 70 Millionen Familien sahen sich extremen Existenznöten gegenüber. Auch deswegen müsse verantwortungsvolle und regionale Agrarpolitik betrieben werden, die bäuerliche Strukturen unterstützt und nicht ins Abseits und somit Aus drängt. Als Zeichen, dass die Regierung ihren agrarpolitischen Kurs wechseln muss, wurde ein Haufen Mist vor dem Reichstag unter dem Motto „Agrarindustrie ist Mist“ gekippt.

Gemeinsam werden am 16. Januar 2016 tausende Bäuerinnen und Bauern zusammen
mit vielen anderen engagierten Menschen für eine ökologischere und bäuerliche Landwirtschaft hier und weltweit auf die Straße gehen. Und es werden wieder viele Dutzend Traktoren sein, die unseren Demozug begleiten und noch kraftvoller machen.

06.01.2016 |

Verbraucher wollen regionale und faire Lebensmittel kaufen

Lokale Märkte für regionalen Anbau fördern / Foto: flickr.com, Franz Ferdinand Photography Lokale Märkte für regionalen Anbau fördern / Foto: flickr.com, Franz Ferdinand Photography

Deutsche Verbraucher wollen wissen, woher ihr Essen kommt und wie es produziert wird. Sie stehen hinter den Erzeugern ihrer Lebensmittel und wünschen sich eine faire Entlohnung ihrer Arbeit – Dies geht aus den Zahlen des Ernährungsreport 2016 hervor. Wie essen, kochen und kaufen die Deutschen ein, ließ Agrarminister Christian Schmidt (CDU) anhand einer Forsa-Umfrage ermitteln.

Es muss nicht billig sein! Nur an vierter Stelle steht der Preis als Entscheidungskriterium beim Einkauf. Geschmack und Regionalität sind für die Befragten wichtiger. Neun von zehn Deutschen greifen zu Produkten, die sie lecker finden – 76 Prozent entscheiden sich bei der Auswahl im Regal für das regionale Produkt. Die Inhaltsstoffe und Nährwerte liegen an dritter Stelle der Kauffaktoren. Schmidt sieht in diesen Ergebnissen neue Möglichkeiten für den landwirtschaftlichen Markt: „„Neue Vermarktungswege, die die Landwirte einschlagen, kann ich als gute Bewegung begrüßen“

Aus der Umfrage geht zudem hervor, dass die Verbraucher wissen wollen, was in ihren Lebensmitteln steckt und sich eine Ernährungsbildung auch für ihre Kinder wünschen. Dazu nutzen sie Informationen vor Ort, ihr Smartphone aber auch Sigel und Etiketten werden als wichtige Quelle angegeben. 92 Prozent der Befragten sprechen sich für eine kindgerechte Aufklärung und verpflichtenden Unterricht in Kitas und Schulen aus.

Verbesserungswünsche haben die Verbraucher in der landwirtschaftlichen Produktion, was die Bezahlung des Landwirte anbelangt. Nachdem im vergangenen Jahr die Preise für Milch und Fleisch im Einzelhandel so dramatisch fielen, dass viele Betriebe aufgeben mussten, sprechen sich 86 Prozent der Befragten für eine bessere Bezahlung aus. Auch das Thema der artgerechten Tierhaltung steht weiterhin im Fokus – immerhin ernähren sich nach dieser Umfrage drei Prozent der Deutschen komplett vegetarisch, umso mehr wünschen sich die Verbraucher eine größere Beachtung des Tierschutzes (88 Prozent). Im Durchschnitt würden die Deutschen 6,50 Euro mehr für ein Kilo Fleisch ausgeben, wenn es aus artgerechter Haltung kommt. Eine Landwirtschaft, die die Umwelt schont und erhält sind 7 von 10 Deutschen wichtig.

16.12.2015 |

Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne

Oxfam Farmer in South Sudan (Photo: Abdullah Ampilan/Oxfam)

Nichtregierungs- und Bauernorganisationen berichten, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seine umstrittene German Food Partnership (GFP) still habe auslaufen lassen. Das Programm stand in der Kritik, dass es Kooperationen mit großen Agrar- und Chemiekonzernen unter dem Deckmantel der "Entwicklungshilfe" fördere und damit Kleinbäuerinnen und –Bauern nicht helfe sondern sie ins Abseits dränge. Andere Projekte wie zu Reis- oder Kartoffelanbau, die ähnlich dem GFP arbeiten, laufen jedoch weiter.

FIAN, INKOTA, Oxfam und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisieren die staatliche Zusammenarbeit mit Konzernriesen wie Bayer, Syngenta und BASF, da sie die Armutsbekämpfung den Profitunteressen der Unternehmen unterordnen. Bauern und Bäuerinnen müssten viel mehr in die Hungerbekämpfung einbezogen werden, anstatt sie beispielsweise durch Privatisierung von Saatgut in Zusammenhang mit Düngemittel und Pestiziden in weitere Abhängigkeit und Verschuldung zu treiben.

Würde der Fokus der BMZ-Programme auf Ernährungssouveränität statt Außenwirtschaftsförderung gelegt, könnte die von Hunger am stärksten betroffene Bevölkerungsgruppe, nämlich marginalisierte Kleinbäuerinnen- und Bauern in Förderungs-Initiativen mit einbezogen werden. Nach wie vor lebt knapp die Hälfte der Weltbevölkerung von der Landwirtschaft und produziert für den Eigenbedarf oder lokale Märkte. Diese mit ihrem traditionellen und lokalen Wissen in die Formulierung und Umsetzung der Programme einzubinden, sei notwendig.

2014 hatte ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher und bäuerlicher Organisationen unter dem Slogan „Keine Entwicklungshilfe für Agrarkonzerne!“ das Entwicklungsministerium aufgefordert, die Kooperation mit Agrar- und Chemiekonzernen zu beenden. Mehr als 65.000 Menschen hatten diese Forderung mit ihrer Unterschrift unterstützt. Die Mitinitiatoren begrüßen das nun verkündete Ende der GFP, fordern aber einen prinzipiellen Kurswechsel.

14.12.2015 |

Klimagipfel hat die Landwirtschaft vergessen

Klima Dürren werden häufiger (Foto: Asian Development Bank)

Samstag Nacht endete der zweiwöchige Klimagipfel in Paris mit der Unterzeichnung eines Abkommens, mit dessen Hilfe die Erderwärmung auf 1,5 Grad gesenkt werden soll. 196 Staaten unterzeichneten das Dokument, dessen Beschlüsse jedoch nicht rechtsbindend sind. Als „historischen Klimavertrag“ feiern ihn die einen. Bauern-, Umwelt- und Verbraucherorganisationen mahnen jedoch die Inhalte des Abkommens als zu schwammig an.

Trotz Versammlungsverbot gingen am Samstag nochmals mehrere tausend Menschen auf die Straße, um gegen die aus ihrer Perspektive unzureichenden Ergebnisse des Gipfels zu demonstrieren. "Die EU und USA haben es geschafft, sich als 'hochambitionierte' Klimavorreiter zu profilieren. Doch was hier beim Klimagipfel als Erfolg verkauft wird, wird die Klimakrise weiter verschärfen. Die Regierungen bedienen vorrangig die Interessen der Öl-, Agrar- und Finanzmarktkonzerne und ignorieren die Ursachen des Klimawandels", sagte Dorothee Häussermann von attac.

Aus der Perspektive des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist es erschreckend, dass die Landwirtschaft im Klimavertrag nicht erwähnt wird. Und das, obwohl sie in drei verschiedenen Rollen eine Schlüsselposition hat. Erstens ist die Landwirtschaft prominentes Opfer der globalen Erwärmung. Wie jetzt in Syrien führt der Klimawandel zu Ernteausfällen und wird so zum Auslöser für Konflikte und Migration. Zweitens ist die Landwirtschaft mit einem Drittel der Treibhausgaserzeugung gleichzeitig Klima-Täter. Und durch das Potential gesunder Böden, Kohlenstoff zu binden, könnte eine klimafreundliche Landwirtschaft drittens auch zur Lösung der Klimakrise beitragen - wenn die Zerstörung fruchtbarer Böden gestoppt und stattdessen Humus aufgebaut wird. Deshalb müsse die Landwirtschaft weltweit auf regenerative Methoden ausgerichtet werden.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) konstatiert, dass das Paris-Abkommen keine angemessene Antwort auf die Klimakrise liefere. Es „befreit die Welt nicht von ihrer Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas“ so Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender. Der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien und der zügige Ausstieg aus dem Kohlestrom würden jetzt im Vordergrund stehen. 2018 solle bei einer neuerlichen Prüfung des globalen Klimaschutzes nachgebessert werden. Noch seien die vereinbarten Ziele und die reale Klimapolitik zu weit auseinander.

Gehe zu Seite: ... 10 11 12 13 14 15 16 17 18 ...