Meng-Landwirtschaft.lu

Nachrichten

07.03.2018 |

Saatgut ist Gemeingut

Das Saatgut der Open Source Tomate "Sunviva" darf frei genutzt, vermehrt, weiterentwickelt, züchterisch bearbeitet und im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben werden. (Foto: Open Source Seeds) Das Saatgut der Open Source Tomate "Sunviva" darf frei genutzt, vermehrt, weiterentwickelt, züchterisch bearbeitet und im Rahmen bestehender Gesetze weitergeben werden. (Foto: Open Source Seeds)

In den letzten Monaten ist intensiv über die Fusion von Bayer mit Monsanto berichtet worden. Wenn die Behörden dem Deal zustimmen, wäre „Baysanto“ der größte Agrarkonzern weltweit und nur noch drei Konzerne würden sich über 60 Prozent des weltweiten Marktes für kommerzielles Saatgut teilen. Deswegen startet in dieser Woche die Mitmach-Aktion „Vielfalt statt Macht“ von der Heinrich-Böll-Stiftung, Aktion Agrar und OpenSourceSeeds-Agrecol. Das Saatgut der patentfreien Open-Source-lizenzierten Tomate „Sunviva“ kann ab nun kostenfrei bestellt werden, um damit ein Zeichen gegen die Abhängigkeit von Konzernen in Landwirtschaft und Ernährung zu setzen.

Karen Schewina von Aktion Agrar erklärt den Hintergrund der Aktion: „Bayer, Monsanto und Co haben nur ihre Gewinne im Sinn. Sie reden von Welternährung, doch ihnen geht es um Milliardenmärkte. Open Source steht für ein ganz anderes Herangehen. Wir brauchen neue Konzepte für den Umgang mit Saatgut, um vielfältige bäuerliche Landwirtschaft zu stärken!“ Das Prinzip der Open Source Seeds-Lizenz erhält Saatgut als Gemeingut, da für die neue Sorte und all ihre Nachzüchtungen eine Patentierung und damit Kommerzialisierung verboten ist. Das Saatgut ist dabei frei nutzbar, darf vermehrt, weiterentwickelt, züchterisch bearbeitet und legal weitergegeben werden. Ob auf dem Balkon, im Garten oder auf dem Feld in Europa oder Afrika soll so ein Schritt Richtung Vielfalt bei Saatgut und Ernährung gemacht werden.

„Wenn Bäuerinnen und Bauern aufgrund von Patenten nicht die Chance haben, Saatgut selbst nachzuziehen oder untereinander zu tauschen, müssen sie es jedes Jahr wieder vor der Aussaat von den Konzernen für teures Geld kaufen. Für viele der mehr als 500 Millionen Kleinbauern und Bäuerinnen weltweit bedeutet das eine enorme finanzielle Belastung und nicht selten das Abrutschen in eine Schuldenspirale“, so Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Doch nicht nur Bäuerinnen und Bauern sind von der Monopolisierung des Saatguts betroffen - auch Klein- und Hobbygärtner haben immer weniger Saatgut-Auswahl und sind zunehmend eingeschränkt, Saatgut selbst zu ziehen und weiterzuentwickeln. „Vielfalt statt Macht“ soll daher für Saatgut als Gemeingut werben, und die „Open Source Seeds“-Lizenz bekannt machen.