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25.10.2017 |

Missbildungen, Fehlgeburten, Krebs – Fotoausstellung zeigt die Folgen von Glyphosat

Schäden Glyphosat 13,4 Millionen Menschen sind in Argentinien gesundheitlich von Glyphosat geschädigt, Bild-Rechte liegen bei Pablo e. Piovano

Es sind erschreckende und schmerzvolle Bilder, die die am Donnerstag eröffnete Fotoausstellung „Landwirtschaft der Gifte – Ihr Preis für den Menschen“ des Fotografen Pablo E. Piovano im Berliner Willy-Brandt-Haus zeigt. Die Fotos dokumentieren die katastrophalen Auswirkungen des Unkrautvernichtungsmittels in den ländlichen Regionen Argentiniens, wo auch für den europäischen Markt Mais und Soja im großen Stil angebaut wird. Die gezeigten Schicksale sind – auch vor dem Hintergrund der geplanten Wiederzulassung des Ackergifts durch die EU – ein dringender Appell das „Experiment Glyphosat“ abzubrechen.

Das von Monsanto vertriebene Glyphosat ist das weltweit meist verkaufte Totalherbizid und steht massiv in der Kritik, da es laut Weltgesundheitsorganisation „höchst wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ist. In immer neuen Studien wurde in den letzten Jahren nachgewiesen, dass Glyphosat mittlerweile allgegenwärtig in der Nahrungskette ist. Immer zeigt sich zudem die skandalöse Nähe von staatlichen Institutionen und Agrochemie-Konzernen: Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das dem Bund unterstellte Institut für Risikobewertung ganze Passagen seiner Einschätzung bezüglich des Herbiszids vom Hersteller wortwörtlich abgeschrieben hat.

Mitte der 1990er Jahre hielt Glyphosat Einzug in die argentinische Landwirtschaft, als die Regierung den Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen zuließ. Seitdem nahm der Einsatz von Agrargiften in dem südamerikanischen Land exponentiell zu. Innerhalb von20 Jahren verzehnfachte sich die Menge der eingesetzten Pestizide und lag 2011 bei unvorstellbaren 370 Millionen Litern pro Jahr. Auch dort verließen sich staatliche Stellen beim Zulassungsverfahren, das innerhalb weniger Monate durchgewunken wurde, nur auf die Studien Monsantos ohne eigene Forschungen anzustellen.

„Es war nicht schwer, in diesen Gebieten betroffene Personen zu treffen“, sagt Piovano. Der Fotograf warrwar für seine Recherchen vier Jahre im Nordosten des Landes unterwegs. „Eine führte mich zur Nächsten“, erinnert er sich. „Aberdutzende Leute öffneten mir ihre Türen und offenbarten mir immer und immer wieder die gleichen Leidensgeschichten: angeborene Missbildungen, Fehlgeburten und Krebserkrankungen.“ Innerhalb von einem Jahrzehnt stiegen in den betroffenen Orten die Krebserkrankungen bei Kindern auf das Drei- bis Vierfache des Landesdurchschnitts. Seinen Angaben nach sind 13,4 Millionen Menschen unmittelbar betroffen – eine Aufklärung durch den Staat fand bis heute nicht statt.

Die Ausstellung kann noch bis zum 21. Januar 2018 besucht werden. Der Eintritt ist frei.