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20.06.2017 |

Bundesamt für Naturschutz fordert Kehrtwende in der Agrarpolitik

Rebhühner Rebhühner werden aussterben, wenn nicht umgesteuert wird. (Foto: K.Pitk/Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

In seinem heute veröffentlichten Agrarreport fordert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein Umdenken in der Agrarförderung. Das Bundesamt bilanzierte: Die Lage sei in allen Bereichen der Agrarlandschaft „alarmierend“. BfN-Präsidentin Beate Jessel forderte daher: "Wir brauchen deshalb dringend eine Kehrtwende in der Agrarpolitik." Aus dem Bericht geht hervor, dass sich die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft deutlich verschlechtert hat. Angesichts dessen verlangen Umwelt- und Naturschutzverbände eine rasche Umsetzung der Agrarwende.

"Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen", schilderte die BfN-Präsidentin Beate Jessel heute im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Jessel verwies auf einen drastischen Rückgang bei der biologischen Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Besonders deutlich werde dies etwa bei Vögeln und Insekten. Weitgehend bekannt sind die Probleme bei Feldlerchen und Kiebitzen. Aber auch beim Rebhuhn hat es in den vergangenen 20 Jahren Bestandsrückgänge von über 90 Prozent gegeben. Ein Indikator dafür, dass es in vielen Landschaften kaum noch Strukturen gibt, die den Tieren Deckung und Nahrung bieten.

Die Professorin für Landschaftsplanung Jessel forderte eine konsequente Ausrichtung von Zahlungen an die Landwirtschaft am Gemeinwohlprinzip nach dem Grundsatz "Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen". Finanzielle Mittel müssten in ausreichender Höhe hierfür bereitgestellt werden. Die jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro, die als Greening-Prämie für LandwirtInnen in Deutschland vergeben werden, hält die Wissenschaftlerin für weitgehend wirkungslos. „Eine zu teure Fehlentwicklung“, lautet ihr Fazit. Der Ökolandbau alleine könne nicht alle Probleme lösen, wenngleich er eine wichtige Komponente für eine umweltgerechtere Bewirtschaftung sei. Deshalb würden spezielle Anreize in der Agrarförderung gebraucht, so Jessel.

Der NABU sieht sich in seiner Kritik an der aktuellen Agrarpolitik und dem bestehenden System der EU-Subventionen durch den Agrarreport bestätigt. Die Publikation sei eine besorgniserregende Zusammenstellung aller Problemfelder in der Agrarlandschaft. „Er macht deutlich, wo die Schwachstellen der Landwirtschaftspolitik liegen und warum die Agrarwende überfällig ist“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft befinde sich wegen des massenhaften Pestizideinsatzes und der rasanten Ausbreitung von Monokulturen im rasanten Sinkflug.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz forderte grundlegende Agrarreformen in Berlin und in Brüssel. „Die auf Agrochemie und auf industrieller Tierhaltung basierende Landwirtschaft ist Hauptverursacher des Artensterbens“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die Organisation benennt unterschiedliche Ursachen für diese Entwicklung. Der Artenschwund in der Agrarlandschaft, die Gewässerbelastung und das rasante Höfesterben, das alles sei miteinander verbunden, so Weiger weiter.

Immerhin tut sich auf EU-Ebene etwas. Das in der vergangenen Woche beschlossene Pestizid-Verbot auf den ökologischen Vorrangflächen war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Das Problem bleiben aber die wirkungslosen, pauschalen Flächenprämien. Momentan werden die Subventionen per Gießkanne an Landwirtschaftsbetriebe verteilt werden und Großbetriebe dadurch bevorteilt. Um die Natur zu schützen, muss in der Landwirtschaft bei der geplanten Agrarreform GAP 2020 gelten: Zuschüsse nur für Leistungen, die der Gesellschaft nützen - darin sind sich BfN und Umweltverbände einig.