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19.05.2017 |

Forderung an die G20: Antibiotikamissbrauch in Tierfabriken eindämmen

Spritze Massentierhaltung heißt auch massenhaft Antibiotikaeinsatz (CC0: Myriams-Fotos/pixabay)

Vor dem G20-Gesundheitsministertreffen, das heute und morgen in Berlin stattfindet, warnt Germanwatch vor der Ausbreitung resistenter Keime und fordert das Verbot von Reserveantibiotika in der Tierhaltung. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation appelliert an die Regierungen der G20-Staaten, energisch gegen die Ursachen für den wachsenden Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen vorzugehen. Denn mit jeder Antibiotikabgabe im Stall vergrößert sich das Risiko, dass sich antibiotikaresistente Keime bilden. Gerade für Menschen stellen Antibiotika ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar.

Der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung wird seit Jahren immer mehr ausgeweitet, verantwortlich hierfür ist vor allem die Massentierhaltung. Aktuell wird weltweit die doppelte Menge an Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt als zur Behandlung von Krankheiten bei Menschen. Studien prognostizieren einen weltweiten Anstieg des Verbrauchs von Veterinärantibiotika um 67 Prozent bis zum Jahr 2030. "Das Hauptproblem ist die weltweite Entwicklung weg von bäuerlichen Haltungsformen und hin zu industriellen Massentierhaltungen", sagt Reinhild Benning von Germanwatch. Tiere, die auf engem Raum und ohne Auslauf gehalten werden seien in der Regel häufiger krank und hätten daher einen deutlich höheren Antibiotikabedarf als in tiergerechteren Haltungsformen wie etwa Weidehaltung, bemerkt die Agrarexpertin. Zusätzlich problematisch sei, dass in einigen G20-Staaten noch immer Antibiotika zur Mastbeschleunigung erlaubt sind.

Beim Fleischkauf im Supermarkt kommen KonsumentInnen immer schwieriger um antibiotikaresistentes Fleisch herum. Bei staatlichen Kontrollen in Supermärkten wurden auf 66 Prozent des deutschen Hühnerfleischs Antibiotikaresistenzen gefunden. Rund ein Drittel des hierzulande produzierten Hühnchenfleisches wird exportiert, teils in Länder, in denen die G20 ein besseres Krisenmanagement gegen Infektionen unterstützen wollen. "Wer ernsthaft die Ausbreitung von Infektionskrankheiten bekämpfen und Gesundheitssysteme verbessern will“, sagt Reinhild Benning „der darf nicht tatenlos zusehen, wenn bei der Billigfleischproduktion Antibiotika systematisch verschleudert und resistente Keime mit den Fleischexporten global gestreut werden.

Billigfleisch aus industriellen Tierhaltungen sei nur auf den ersten Blick billig. "In Wirklichkeit bezahlen wir das billige Fleisch mit Risiken und erhöhten Kosten für unsere Gesundheit“, gibt Benning zu Bedenken. Wenn Antibiotika wirkungslos werden, sterben weltweit wieder mehr Menschen an Krankheiten, die besiegbar schienen: Tuberkulose, Lungenentzündung oder Malaria. Nicht zuletzt daher warnt die Weltgesundheitsorganisation, dass ohne rasches politisches Handeln im Jahr 2050 weitaus mehr Menschen an resistenten Keimen als an Krebs sterben werden. In Deutschland sterben schon heute rund 15.000 Menschen pro Jahr, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

Daher müssten die G20-Staaten mit gutem Beispiel voran gehen, fordert Germanwatch. Die für die Menschen besonders wichtigen Reserveantibiotika - also Wirkstoffe, die erst eingesetzt werden, wenn gängige Antibiotika nicht mehr wirken - müssten in der Tierhaltung verboten werden. In den bisherigen Beschlüssen der G20 fehlen Regeln zu Reserveantibiotika in Mastanlagen, hier müssen die Gesundheitsminister nachlegen. Man müsse der Ausweitung der industriellen Tierhaltung und dem damit einhergehenden regelmäßig hohen Antibiotikaeinsatz einen Riegel vorschieben, findet Benning. Stattdessen sollte die bäuerliche Landwirtschaft mit regional angepassten Tierrassen und heimischen Futtermitteln weltweit gefördert werden.