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Nachrichten

20.06.2017 |

Bundesamt für Naturschutz fordert Kehrtwende in der Agrarpolitik

Rebhühner Rebhühner werden aussterben, wenn nicht umgesteuert wird. (Foto: K.Pitk/Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

In seinem heute veröffentlichten Agrarreport fordert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein Umdenken in der Agrarförderung. Das Bundesamt bilanzierte: Die Lage sei in allen Bereichen der Agrarlandschaft „alarmierend“. BfN-Präsidentin Beate Jessel forderte daher: "Wir brauchen deshalb dringend eine Kehrtwende in der Agrarpolitik." Aus dem Bericht geht hervor, dass sich die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft deutlich verschlechtert hat. Angesichts dessen verlangen Umwelt- und Naturschutzverbände eine rasche Umsetzung der Agrarwende.

"Praktisch alle Tier- und Pflanzengruppen in der Agrarlandschaft sind von einem eklatanten Schwund betroffen", schilderte die BfN-Präsidentin Beate Jessel heute im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Jessel verwies auf einen drastischen Rückgang bei der biologischen Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Besonders deutlich werde dies etwa bei Vögeln und Insekten. Weitgehend bekannt sind die Probleme bei Feldlerchen und Kiebitzen. Aber auch beim Rebhuhn hat es in den vergangenen 20 Jahren Bestandsrückgänge von über 90 Prozent gegeben. Ein Indikator dafür, dass es in vielen Landschaften kaum noch Strukturen gibt, die den Tieren Deckung und Nahrung bieten.

Die Professorin für Landschaftsplanung Jessel forderte eine konsequente Ausrichtung von Zahlungen an die Landwirtschaft am Gemeinwohlprinzip nach dem Grundsatz "Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen". Finanzielle Mittel müssten in ausreichender Höhe hierfür bereitgestellt werden. Die jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro, die als Greening-Prämie für LandwirtInnen in Deutschland vergeben werden, hält die Wissenschaftlerin für weitgehend wirkungslos. „Eine zu teure Fehlentwicklung“, lautet ihr Fazit. Der Ökolandbau alleine könne nicht alle Probleme lösen, wenngleich er eine wichtige Komponente für eine umweltgerechtere Bewirtschaftung sei. Deshalb würden spezielle Anreize in der Agrarförderung gebraucht, so Jessel.

Der NABU sieht sich in seiner Kritik an der aktuellen Agrarpolitik und dem bestehenden System der EU-Subventionen durch den Agrarreport bestätigt. Die Publikation sei eine besorgniserregende Zusammenstellung aller Problemfelder in der Agrarlandschaft. „Er macht deutlich, wo die Schwachstellen der Landwirtschaftspolitik liegen und warum die Agrarwende überfällig ist“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft befinde sich wegen des massenhaften Pestizideinsatzes und der rasanten Ausbreitung von Monokulturen im rasanten Sinkflug.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz forderte grundlegende Agrarreformen in Berlin und in Brüssel. „Die auf Agrochemie und auf industrieller Tierhaltung basierende Landwirtschaft ist Hauptverursacher des Artensterbens“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die Organisation benennt unterschiedliche Ursachen für diese Entwicklung. Der Artenschwund in der Agrarlandschaft, die Gewässerbelastung und das rasante Höfesterben, das alles sei miteinander verbunden, so Weiger weiter.

Immerhin tut sich auf EU-Ebene etwas. Das in der vergangenen Woche beschlossene Pestizid-Verbot auf den ökologischen Vorrangflächen war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Das Problem bleiben aber die wirkungslosen, pauschalen Flächenprämien. Momentan werden die Subventionen per Gießkanne an Landwirtschaftsbetriebe verteilt werden und Großbetriebe dadurch bevorteilt. Um die Natur zu schützen, muss in der Landwirtschaft bei der geplanten Agrarreform GAP 2020 gelten: Zuschüsse nur für Leistungen, die der Gesellschaft nützen - darin sind sich BfN und Umweltverbände einig.

12.06.2017 |

Trinkwasser bald bis zu 45 Prozent teurer: Verschärfung des Düngerechts gefordert

Wasser Den Wasserhahn aufdrehen wird bald bis zu 45 Prozent teurer, sagt das UBA (Foto: pakmingc/flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Trinkwasser könnte laut einer neuen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) in einigen Regionen Deutschlands künftig um bis zu 45 Prozent teurer werden. Ursache dafür sind die steigenden Kosten für die Aufbereitung des Wassers, weil die Landwirtschaft mit zu viel Nitrat aus Gülle und Mineraldünger das Grundwasser verschmutzt. Schon im Januar hatten die Wasserwerke vor Preissteigerungen von bis zu 62 Prozent gewarnt. Umweltverbände fordern daher, das Düngerechts müsse verschärft werden. Zudem dürfe die Aufbereitung nicht den VerbraucherInnen in Rechnung gestellt werden.

Wenn Grundwasser einen zu hohen Anteil von Nitrat enthält, eignet es sich nicht mehr als Trinkwasser. Es muss dann kostenintensiv verdünnt oder chemisch aufbereitet werden. Bei etwa einem Drittel aller Grundwassermessstellen in der Nähe landwirtschaftlicher Nutzflächen werden die Nitrat-Grenzwerte in Deutschland überschritten. Besonders hoch ist die Belastung durch das Gemisch aus Stickstoff und Sauerstoff in Gebieten mit viel Tierhaltung. Das UBA hat nun berechnet, dass die Wasserwerke bis zu 767 Millionen Euro im Jahr für die Aufbereitung aufwenden müssen. Für einen Vier-Personen-Haushalt sind das Mehrkosten von bis zu 134 Euro im Jahr.

„Es ist inakzeptabel, dass die Wasserwerke und letztlich die VerbraucherInnen hunderte Millionen Kosten tragen müssen, weil die Gewässer in Deutschland mit Düngemitteln belastet sind“, kommentierte der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Der Umweltverband fordert eine deutliche Verschärfung des Düngerechts und einen sofortigen Düngestopp in besonders belasteten Gebieten. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt solle endlich die schon vor langem angekündigte Hoftorbilanz für landwirtschaftliche Betriebe umsetzen. Diese sieht eine Erfassung der Stickstoffmengen vor, die über Dünger und Tierfutter in einen Betrieb gelangen und der Mengen, die dort produziert werden. So ließe sich nachweisen, wer die Stickstoffüberschüsse verursacht.

Die im Frühjahr beschlossene Novelle des Düngerechts sei bei weitem nicht ausreichend, kommentierte Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff. Ihr Fazit: „Der Agrarminister unternimmt zu wenig, um unser wichtigstes Lebensmittel ausreichend zu schützen.“ Dass die VerbraucherInnen die Zeche für die Vergehen der Agrarindustrie künftig mit der Wasserrechnung zahlen müssen, sei ungerecht und stelle das Verursacherprinzip auf den Kopf, so Greenpeace. Die tatsächlichen volkswirtschaftlichen Kosten – darunter auch die Schäden an Gewässern und Fischen, die das UBA nicht berücksichtigt – dürften in die Milliarden gehen. Dabei müssten eigentlich diejenigen, die das Wasser durch Überdüngung belasten, zur Kasse gebeten werden. Viele Nahrungsmittel sind nur auf den ersten Blick günstig. Würde nämlich die teure Wasseraufbereitung auf die Preise für konventionelle Lebensmittel aufgeschlagen, wären Öko-Lebensmittel im Verhältnis nicht viel teurer.

07.06.2017 |

Vor dem Patentamt: Freibier-Protest gegen Patente auf Gerste

Freibier gegen Patente in München Freibier gegen Patente in München (Foto: Falk Heller)

Ein traditionelles Bierfuhrwerk mit sechs Brauereipferden fuhr heute Morgen beim Europäischen Patentamt (EPA) in München vor. AktivistInnen schenkten vor Ort alkholfreies Ökobier kostenlos an die rund 100 Anwesenden aus. Das Bündnis „Keine Patente auf Saatgut!“ hatte diesen ungewöhnlichen Protest initiiert, bei dem ein Einspruch gegen Patente von Carlsberg und Heineken auf Braugerste an das Patentamt übergeben wurde. Rund 40 Organisationen, darunter Umweltorganisationen, kirchliche Vereinigungen und landwirtschaftliche Verbände, hatten den Einspruch gemeinsam vorbereitet.

Insgesamt drei Patente halten Heineken und Carlsberg - nach Anheuser-Busch InBev die größten Bierkonzerne der Welt - für Braugerste und Bier, die sie als ihre Erfindung beanspruchen. Zwei Schutzrechte beziehen sich auf Gerstenpflanzen, in denen durch eine zufällige Mutation Körner fehlen, die einen unerwünschten Geschmack hervorrufen. Das dritte Patent umfasst nicht nur die Gerste, sondern auch den Vorgang des Brauens sowie das Endprodukt Bier. Für diese Gerstensorte waren die beiden Gerstensorten gekreuzt worden, damit ihre Nachkommen eine Kombination der erwünschten Eigenschaften aufweisen. „Zufallsmutationen sind doch keine Erfindung“, kommentierte Lara Dovifat von der Campact am Rande der Kundgebung. „Niemand darf sich unsere Ernährungspflanzen über Patente aneignen, egal ob es um Braugerste, Reis oder Weizen geht.“

„Wir geben heute möglicherweise die letzte Runde Freibier am Europäischen Patentamt aus“, sagte Georg Janßen am Rande der Veranstaltung. Das Europäische Patentamt habe seit seinem Bestehen immer nur den Interessen der Industrie und der Patentanwälte gedient, kritisierte der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und forderte, Patentverbote zugunsten von Verbrauchern, Landwirten und Züchtern umzusetzen. Damit verwies er auf einen Entwurf des EPA-Verwaltungsrats, den die VertreterInnen der 38 Vertragsstaaten erarbeitet haben. Dieser sieht vor, dass bestehende Verbote im Patentrecht gestärkt werden. Nicht zuletzt dank des langjährigen zivilgesellschaftlichen Protests soll nun untersagt werden, Patente auf Pflanzen und Tiere zu erteilen, deren Züchtung ausschließlich auf Kreuzung und Selektion beruht. Problematisch ist, dass der Entwurf weitreichende Ausnahmen erlaubt: Weisen die Pflanzen oder Tiere beispielsweise zufällige Mutationen – wie im Fall der nun patentierten Braugerste – auf, sind sie weiterhin patentierbar.

Die geplante EPA-Richtlinie steht im Widerspruch zu einer Stellungnahme der EU-Kommission von November 2016, nach der nur gentechnische Verfahren patentiert werden dürfen, bei denen gezielt auf der Ebene des Erbguts von Pflanzen und Tieren eingegriffen wird. Auch das Europäische Parlament hatte gefordert, Patente auf konventionelle Züchtung ausnahmslos zu verbieten. Die Organisationen, die den Einspruch einlegten, gehen noch weiter. Sie fordern, dass die konventionelle Zucht von Pflanzen und Tieren vollständig von der Patentierung ausgenommen werden müsse.

02.06.2017 |

Neuer Kinofilm „Code of Survival“: Auf der Suche nach zukunftsfähiger Landwirtschaft

Filmplakat Code of Survival Blühende Landschaften, guter Boden - das Filmplakat von "Code of Survival"

Die Geschichte vom Ende der Gentechnik erzählt der gestern in deutschen Kinos angelaufene Dokumentarfilm „Code of Survival“. In seinem neuesten Werk zeigt Filmemacher Bertram Verhaag („Der Bauer und sein Prinz“, „Gekaufte Wahrheit“) zwei Seiten der Landwirtschaft: Anbau unter Einsatz von Gentechnik und Pestiziden auf der einen Seite und ökologischer, nachhaltiger Umgang mit dem Boden auf der anderen. Das leidenschaftliche Plädoyer für eine ressourcenschonende Landwirtschaft ist ein weiterer Beitrag in der Reihe von spannenden Dokumentarfilmen, die sich in den letzten Jahren mit Essen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt haben.

„Gentechnisch veränderte Pflanzen haben unsere Arbeit grundlegend verändert“, sagt ein US-Farmer, der von Anbau genmanipulierten Mais lebt, zu Beginn des Films. Früher habe man drei bis vier Leute für die Bewirtschaftung von 400 Hektar gebraucht, dank Pestiziden und Gentechnik brauche man heute nur noch eine Person mit Traktor und Spritzwagen. Die Frage nach den Gefahren seines Genmaises beantwortet der Bauer nonchalant: „Ich pflanze ihn, ich es esse ihn, ich liebe ihn.“ Diese Aussagen kontrastiert der Film mit den verheerenden Auswirkungen, die vielfach mit dem Anbau genmanipulierter Pflanzen und die Nutzung chemischer Herbizide wie Monsantos Roundup einhergehen: vergiftete Böden, resistente Unkräuter und gesundheitliche Konsequenzen für Mensch und Tier.

Verhaag wirft in seinem Film die Frage nach dem Überleben auf diesen Planeten auf, er begibt sich sprichwörtlich auf die Suche nach der Landwirtschaft, die mit unserem „Code of Survival“ kompatibel ist. Dabei stellt er der fatalen, industriellen Wirtschaftsweise innovative Alternativansätze aus unterschiedlichen Teilen der Welt gegenüber. Die porträtierten Projekte in Ägypten, Indien, Deutschland und den USA zeigen, dass ökologische Landwirtschaft dazu beitragen kann, Böden fruchtbar zu machen und Erosion zu verhindern. Gleichzeitig verdeutlichten die Fallbeispiele, dass es möglich ist, ohne den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika ebenso hohe Erträge zu erzielen wie mit konventioneller Landwirtschaft.

Diese gelebten Alternativen einer Landwirtschaft, die den Boden und die natürlichen Ressourcen wertschätzt, weisen den Weg aus der scheinbar ausweglosen Situation, in der wir uns in Zeiten von sich immer mehr ausbreitenden agrarindustriellen Produktionsformen befinden. Der sehenswerte Film gibt allen Hoffnung und Mut, die denen die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt und die für eine zukunftsfähige Landwirtschaft eintreten.

31.05.2017 |

Gegen Patente und Fusionen: Agrarpolitische Resolutionen auf dem Kirchentag

Baysanto-Protest Nicht nur Bauern stellen sich gegen die Monsanto-Übernahme durch Bayer. Unterstützung bekommen sie nun auch von den TeilnehmerInnen des deutschen Kirchentags.

Auch in der Kirche werden agrarpolitische Fragen immer wichtiger. Auf dem diesjährigen Kirchentag wurden zwei Resolutionen zu drängenden landwirtschaftlichen Themen verabschiedet, die Trägerorganisationen der Kampagne Meine Landwirtschaft eingebracht hatten. In der ersten Resolution wird gefordert, Patente auf Pflanzen und Tiere zu verbieten. Die zweite richtet sich gegen die Megafusionen im Agrarsektor. Beide Dokumente erhielten die Unterstützung von mehr als 500 TeilnehmerInnen und gelten daher nun als offizielle Resolutionen des 36. Kirchentags, der am vergangenen Sonntag in Berlin zu Ende ging.

Die unter anderem von Brot für die Welt erarbeitete Resolution „Keine Patente auf Pflanzen und Tiere!“ bemängelt die Praxis des Europäischen Patentamts (EPA) in München, das seit Jahren Patente auf Pflanzen und Tiere erteilt, ganz so als handele es sich dabei um technische Erfindungen. Die AutorInnen erinnern an die breiten gesellschaftlichen Proteste, die dadurch hervorgerufen wurden: Insbesondere die Patente auf Schweine, Brokkoli, Tomaten und zuletzt Braugerste riefen massiven Widerspruch hervor – und mussten daher teilweise wieder zurückgenommen werden. Nach Angaben der Initiative „Keine Patente auf Saatgut!“ existieren dennoch derzeit etwa 200 vergleichbarer Patente.

In der Kirchentagserklärung heißt es: „Da durch Biopatente eine exklusive Verfügung über pflanzliches und tierisches Leben stattfindet und infolgedessen Artenvielfalt und Ernährungssicherung deutlich eingeschränkt werden, ergeben sich für die Kirche grundlegende kritische Anfragen an die Erteilung von Biopatenten.“ Weiterhin steht die EPA-Praxis im Konflikt mit den jüngsten Beschlüssen von EU-Kommission, EU Parlament und nationaler Regierungen, durch die klargestellt wurde, dass Pflanzen und Tiere aus konventioneller Zucht nicht patentiert werden dürfen. Trotz klarer Vorgaben in den maßgeblichen Gesetzestexten, sei das Europäische Patentamt offenbar nicht bereit, sich daran zu halten. Daher forderten die KirchentagsbesucherInnen mit der Erklärung die Bundesregierung und Justizminister Heiko Maas auf, die bestehenden Schlupflöcher im Patentrecht schnellstmöglich zu schließen.

Die zweite verabschiedete Resolution trägt den Titel „Gegen die Zusammenschlüsse/Übernahmen der größten Agrarchemieunternehmen der Welt“. Der Markt sei jetzt schon hochgradig konzentriert, heißt es in dem von der Agrar Koordination aus Hamburg eingebrachten Text. Die VerfasserInnen sind „alarmiert und besorgt“ angesichts der weiteren Zusammenschlüsse im Agrarsektor: Dow Chemical fusioniert mit DuPont, Bayer übernimmt Monsanto, ChemChina kauft Syngenta. Die drei Megakonzerne könnten künftig 70 % des globalen Agrarchemiemarktes und 60% des Saatgutmarktes kontrollieren.

„Diese Zusammenschlüsse werden die negativen Auswirkungen der industrialisierten Landwirtschaft für VerbraucherInnen, Bauern und Bäuerinnen, die Umwelt und die Ernährung noch verstärken“, heißt es in der Erklärung. Zudem gewännen die Konzerne noch mehr politischen Einfluss und auch der verminderte Wettbewerb habe nachteilige Folgen. Die Resolution richtet sich an die Europäische Kommission und das Bundeskartellamt. Sie sollen den Fusionen die Genehmigung versagen. Aber auch die Bundesregierung habe die Verantwortung, die Wettbewerbsregeln auch in Deutschland zu verbessern und derartige Marktkonzentrationen nicht zu erlauben.

26.05.2017 |

Neues Gesetz zur Schlachtung trächtiger Rinder ohne klare Vorgaben

Schlachtabfall Ungeborerne Kälber weiterhin Schlachtabfall? Das verabschiedete Gesetz schafft nur bedingt Abhilfe (Foto: Deutscher Tierschutzbund)

2015 wies „Report Mainz“ auf ein Thema hin, das viele Menschen fassungslos machte. Ungeborene Kälber ersticken massenhaft und qualvoll in der Gebährmutter, nachdem die trächtigen Muttertiere betäubt und geschlachtet wurden. Die Kälber werden danach als Schlachtabfall entsorgt. So die gängige - bislang durch das Gesetz gedeckte - Praxis in deutschen Schlachthöfen. Nachdem die schockierenden Bilder öffentlich wurden, versprach die Bundesregierung Abhilfe zu schaffen und in der vergangenen Woche passierte ein entsprechender Gesetzentwurf den Bundestag. Das Gesetz geht TierschützerInnen, Grüne und WissenschaftlerInnen allerdings nicht weit genug.

Der am vergangenen Donnerstag verabschiedete Gesetzentwurf von Union und SPD verbietet die Schlachtung von Säugetieren „im letzten Drittel der Trächtigkeit“. In dieser Zeit, so heißt es im Gesetzestext, empfinden die Ungeborenen bis zu ihrem Tod Schmerzen und Leiden und das massenhafte Ersticken stelle folglich eine „erhebliche Tierschutzproblematik“ dar. In Deutschland war bislang allein der Transport von hochträchtigen Tieren in den letzten zehn Prozent der Trächtigkeit verboten, nicht die Schlachtung selbst. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass von der jährlich in Deutschland geschlachteten Million Kühe etwa ein Zehntel trächtig sind, wobei der Großteil der Tiere sich in der zweiten Hälfte ihrer Trächtigkeit befänden.

Vor diesem Hintergrund begrüßt die Tierschutzorganisation das Schlachtungsverbot als Schritt in die richtige Richtung. Auf Unverständnis stößt jedoch die Ausklammerung von Ziegen und Schafen bei der Regelung. Laut Gesetz seien Haltung der Tiere und die Paarung „grundlegend anders“ als bei Rindern und Schweinen, weswegen das Stadium der Trächtigkeit schwieriger festzustellen sei. „Aus Tierschutzsicht dürfen einzelne Tierarten jedoch nicht aus wirtschaftlichen Gründen von der Regelung ausgeschlossen werden“, kritisiert der Tierschutzbund. Zudem bemängelt die Organisation, dass Rechtsvorschriften fehlten, um Verstöße zu sanktionieren.

Weiterhin erlaubt bleibt auch das Schlachten schwangerer Tiere nach tierseuchenrechtlichen Bestimmungen und im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation. „Die Ausnahmen sind viel zu vage und dadurch anfällig für Missbrauch“, sagte Nicole Maisch, Sprecherin für Tierschutzpolitik der Grünen-Fraktion, der Tageszeitung taz. Sie kenne keine „tierärztliche Indikation“, die eine Ausnahme vom Schlachtverbot trächtiger Tiere rechtfertigen könnte. „Denn selbstverständlich erleiden auch die ungeborenen Föten von kranken oder verletzten Tieren einen grausamen Erstickungstod bei der Schlachtung“, so Maisch.

Auch von wissenschaftlicher Seite bekommt das Gesetz Gegenwind. „Wir unterstützen diesen Gesetzentwurf nicht und appellieren an das Ministerium, ihn fachlich grundlegend zu überarbeiten“, schriebKatharina Riehn in einer Stellungnahme. Sie ist Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg und hat sich im Auftrag der Bundesregierung mit dem Thema befasst. Im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte die Veterinärmedizinerin: „Prinzipiell ist es ja gut, dass es jetzt eine gesetzliche Regelung geben soll.“ Das Problem am Gesetzentwurf sei aber, dass er Ausnahmen zulasse und damit hinter freiwillige Vereinbarungen in einigen Bundesländern zurückfalle. Die Vorgaben seien zu unkonkret, weswegen die Expertin „detaillierte und sehr viel enger gefasste Vorgaben durch den Gesetzgeber“ fordert.

19.05.2017 |

Forderung an die G20: Antibiotikamissbrauch in Tierfabriken eindämmen

Spritze Massentierhaltung heißt auch massenhaft Antibiotikaeinsatz (CC0: Myriams-Fotos/pixabay)

Vor dem G20-Gesundheitsministertreffen, das heute und morgen in Berlin stattfindet, warnt Germanwatch vor der Ausbreitung resistenter Keime und fordert das Verbot von Reserveantibiotika in der Tierhaltung. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation appelliert an die Regierungen der G20-Staaten, energisch gegen die Ursachen für den wachsenden Antibiotikaeinsatz in Tierhaltungen vorzugehen. Denn mit jeder Antibiotikabgabe im Stall vergrößert sich das Risiko, dass sich antibiotikaresistente Keime bilden. Gerade für Menschen stellen Antibiotika ein wachsendes Gesundheitsrisiko dar.

Der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung wird seit Jahren immer mehr ausgeweitet, verantwortlich hierfür ist vor allem die Massentierhaltung. Aktuell wird weltweit die doppelte Menge an Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt als zur Behandlung von Krankheiten bei Menschen. Studien prognostizieren einen weltweiten Anstieg des Verbrauchs von Veterinärantibiotika um 67 Prozent bis zum Jahr 2030. "Das Hauptproblem ist die weltweite Entwicklung weg von bäuerlichen Haltungsformen und hin zu industriellen Massentierhaltungen", sagt Reinhild Benning von Germanwatch. Tiere, die auf engem Raum und ohne Auslauf gehalten werden seien in der Regel häufiger krank und hätten daher einen deutlich höheren Antibiotikabedarf als in tiergerechteren Haltungsformen wie etwa Weidehaltung, bemerkt die Agrarexpertin. Zusätzlich problematisch sei, dass in einigen G20-Staaten noch immer Antibiotika zur Mastbeschleunigung erlaubt sind.

Beim Fleischkauf im Supermarkt kommen KonsumentInnen immer schwieriger um antibiotikaresistentes Fleisch herum. Bei staatlichen Kontrollen in Supermärkten wurden auf 66 Prozent des deutschen Hühnerfleischs Antibiotikaresistenzen gefunden. Rund ein Drittel des hierzulande produzierten Hühnchenfleisches wird exportiert, teils in Länder, in denen die G20 ein besseres Krisenmanagement gegen Infektionen unterstützen wollen. "Wer ernsthaft die Ausbreitung von Infektionskrankheiten bekämpfen und Gesundheitssysteme verbessern will“, sagt Reinhild Benning „der darf nicht tatenlos zusehen, wenn bei der Billigfleischproduktion Antibiotika systematisch verschleudert und resistente Keime mit den Fleischexporten global gestreut werden.

Billigfleisch aus industriellen Tierhaltungen sei nur auf den ersten Blick billig. "In Wirklichkeit bezahlen wir das billige Fleisch mit Risiken und erhöhten Kosten für unsere Gesundheit“, gibt Benning zu Bedenken. Wenn Antibiotika wirkungslos werden, sterben weltweit wieder mehr Menschen an Krankheiten, die besiegbar schienen: Tuberkulose, Lungenentzündung oder Malaria. Nicht zuletzt daher warnt die Weltgesundheitsorganisation, dass ohne rasches politisches Handeln im Jahr 2050 weitaus mehr Menschen an resistenten Keimen als an Krebs sterben werden. In Deutschland sterben schon heute rund 15.000 Menschen pro Jahr, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

Daher müssten die G20-Staaten mit gutem Beispiel voran gehen, fordert Germanwatch. Die für die Menschen besonders wichtigen Reserveantibiotika - also Wirkstoffe, die erst eingesetzt werden, wenn gängige Antibiotika nicht mehr wirken - müssten in der Tierhaltung verboten werden. In den bisherigen Beschlüssen der G20 fehlen Regeln zu Reserveantibiotika in Mastanlagen, hier müssen die Gesundheitsminister nachlegen. Man müsse der Ausweitung der industriellen Tierhaltung und dem damit einhergehenden regelmäßig hohen Antibiotikaeinsatz einen Riegel vorschieben, findet Benning. Stattdessen sollte die bäuerliche Landwirtschaft mit regional angepassten Tierrassen und heimischen Futtermitteln weltweit gefördert werden.

17.05.2017 |

Neuer Dokumentarfilm: „Wie Monsanto die Welt vergiftet“

Pestizidflugzeug Literweise Glyphosat auf das Sojafeld: Mit dem Flugzeug geht es am schnellsten (CC0: Ken Hammond/USDA ARS)

„In Argentinien sterben die Menschen auf dem Land heutzutage vor allem an Krebs.“ So bringt ein Arzt aus dem argentinischen Córdoba auf den Punkt, welche Auswirkungen Sojanbau und flächendeckender Glyphosateinsatz für die Bevölkerung im ländlichen Raum hat. In Argentinien lassen sich die Auswirkungen von Glyphosat und anderen Ackergiften weltweit wohl am deutlichsten nachzeichnen. In ihrem packenden Dokumentarfilm „Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“, der kürzlich erschienen ist, beschreibt die Journalistin Gaby Weber die Monsanto-Tragödie in dem südamerikanischen Land.

Seit vielen Jahren wird Argentinien mit Herbiziden, Insektiziden, Fungiziden und künstlichem Dünger überflutet. Denn in dem südamerikanischen Land sind 20 Millionen Hektar mit gentechnisch verändertem Soja bepflanzt. Das sind zwei Drittel der gesamten Ackerflächen des Landes. Kein Land weltweit sprüht mehr von dem unter dem Namen "Roundup" vertriebenen Ackergift auf seine Felder, im Jahr 2015 waren es mehr als 250 Millionen Liter. Nutznießer dieses Modells – Glyphosat und Gen-Soja-Monokulturen – ist Monsanto.

Dabei wird immer klarer: Das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für Monsanto und die Soja anbauenden Großgrundbesitzer, wohl aber für die LandwirtInnen vor Ort und für die VerbraucherInnen in den Städten. Die Krebsrate ist in den Soja-Anbaugebieten zwei- bis dreimal höher als in der Stadt. Riesige Landesteile sind überschwemmt, weil der Boden die Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann. Und was die Lebensmittelindustrie von diesen Feldern in die Supermärkte bringt und exportiert, ist gesundheitsschädlich.

„Tödliche Agri-Kultur – Wie Monsanto die Welt vergiftet“ lässt zahlreiche Betroffene und ExpertInnen aus Argentinien zu Wort kommen. Der 75-minütige Film ist ein eindeutiges Plädoyer gegen die Neuzulassung von Glyphosat, über die die EU dieses Jahr entscheiden wird. Die Dokumentation, die von der Autorin ohne finanzielle Hilfe erstellt wurde, kann auf Youtube angeschaut werden.

08.05.2017 |

Agrarsozialwahl 2017: Für mehr Demokratie in der Landwirtschaft

Mehr Demokratie - Eickmeyer Protest der Liste Eickmeyer in Stuttgart-Heslach (Foto: agrarsozialwahl.de)

Zum ersten Mal finden dieses Jahr Sozialwahlen in der Landwirtschaft statt. Noch bis zum 31. Mai können nicht nur die Mitglieder von Krankenkassen und Rentenversicherung, sondern auch alle selbstständigen Landwirte ohne fremde Arbeitskräfte (SofA) ihre VertreterInnen wählen. Insgesamt 20 gewählte SofA-RepräsentantInnen werden in die 60 Mitglieder starke Vertreterversammlung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (kurz: SVLFG) einziehen. Die beiden übrigen Drittel stehen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen zu, die allerdings nicht abstimmen, weil jeweils nur eine Liste zugelassen wurde.

Die Entscheidungen der SVLFG-Vertreterversammlung haben viel Einfluss auf das Leben und Arbeiten auf den Höfen. So werden etwa die Beitragssätze zur Berufsgenossenschaft, die Höhe von Betriebshilfen und auch Beratungsmöglichkeiten zu Alterskasse oder Kranken- und Pflegeversicherung festgelegt. Bis dato wurde die Vertreterversammlung nicht durch Wahlen bestimmt, weil es nur Einheitslisten gab. Diese wurden maßgeblich vom Deutschen Bauernverband dominiert, weswegen immer wieder Kritik an der mangelnden Demokratie und der Nähe des Gremiums zur Agrarindustrie laut wurde. Vor diesem Hintergrund ist die „Freie Liste Eickmeyer“ angetreten, um für mehr Pluralismus und für eine Stimme der bäuerlichen und kleinen Betriebe im SVLFG-Parlament zu sorgen.

Zentraler Kritikpunkt der KandidatInnen der Liste Eickmeyer, die unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) unterstützt werden, sind die Beitragssätze zur Berufsgenossenschaft. Nach der Wahl wollen sie eine Überarbeitung des ungerechten Modells erreichen, denn kleine Betriebe werden überdurchschnittlich stark belastet. Für den eigentlich von der Betriebsgröße abhängigen Grundbeitrag wurde eine Mindest- und eine Maximalhöhe festgelegt, so dass kleine Betriebe durch einen für sie unverhältnismäßig hohen Ansatz benachteiligt werden. Zusätzlich unterliegt der risikoorientierte Beitragsanteil einer Mengendegression. Das heißt ein 30-Kuh-Betrieb muss im Vergleich zum einem 400er-Betrieb doppelt so viel pro Kuh zahlen, für einen Hektar Grünland oder Druschfrüchte im 50-Hektar-Betrieb wird das Anderthalbfache wie im 500-Hektar-Betrieb fällig. Belege für entsprechende Zusammenhänge mit dem Unfallrisiko gibt es nicht und letztlich begünstigt die aktuelle Regelung vor allem große Betriebe.

Um den Anliegen der Eickmeyer-Liste Gehör zu verschaffen, veranstalteten Mitglieder in den letzten Wochen mehrere Kundgebungen. Beim Protest vor der SVLFG-Geschäftsstelle in Mühldorf am Inn kritisierte Gertraud Gafus, Kandidatin aus Bayern, die Vertreterversammlung folge nicht dem Solidarprinzip und sei demzufolge gesellschaftspolitisch nicht tragbar. Entgegen dem Solidaritätsgedanken einer Sozialversicherung würden einige Betriebe bevorzugt und dafür die große Mehrheit der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe belastet – gerade auch kleinere, tierhaltende Betriebe. Gafus forderte vor diesem Hintergrund unter anderem die Überarbeitung der bestehenden Regularien zur Hofübergabe, die Aufnahme der Landwirte in das gesellschaftliche Rentensystem und eine vom Bauernverband unabhängige Sozialberatung. Ihr Berufsgenosse und AbL-Regionalsprecher, Georg Planthaler, wies auf die enge personelle Verstrickung zwischen Bauernverband und SVLFG-Vertreterversammlung hin und bemerkte: „Der Bayrische Bauernverband vertritt nicht die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe, sondern die der Agrarindustrie“. Deutlich werde dies beispielsweise in der ungerechten Beitragserhebung zur Sozialversicherung, die kleine Betriebe benachteilige.

Daher ist die Liste Eickmeyer angetreten, um sich für bäuerliche Interessen einzusetzen und dabei auch WinzerInnen, ImkerInnen und JägerInnen zu unterstützen. Dabei ist zu hoffen, dass die Sozialversicherung in der Landwirtschaft künftig durch mehr Beitragsgerechtigkeit, Transparenz bei Beschlüssen, Generationengerechtigkeit und unabhängige Beratungsangebote geprägt sein wird.

03.05.2017 |

Mehr als eine Viertelmillion EU-Bürger fordern Agrarreformen

Danke Living Land Danke Living Land

Die Umweltverbände BUND, DNR, NABU und WWF haben die Beteiligung von rund 260000 EU-Bürgern an einer von der EU-Kommission gestarteten Online-Debatte um die künftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik gelobt. Innerhalb von nur vier Wochen sei es gelungen mit dem Projekt "Living Land", eine breite öffentliche Diskussion um den Reformbedarf im Agrarsektor anzustoßen und viele Menschen für die Interessen von Bäuerinnen und Bauern, Umwelt und Verbrauchern zu interessieren.

„Erforderlich ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik. Die bisherigen pauschalen Flächenprämien sind abzuschaffen“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Agrarbetriebe dürften künftig nur noch Geld erhalten, wenn sie Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz und die artgerechte Tierhaltung erbrächten, so die Forderung des Umweltverbands. „Mit diesem Geld muss endlich eine naturverträgliche Landwirtschaft und die Ausweitung des Ökolandbaus gefördert werden. Nur eine solche Politik gibt der bäuerlichen Landwirtschaft eine Zukunft und stoppt das Höfesterben“, so Weiger.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Debatte Beteiligten forderten von EU-Agrarkommissar Phil Hogan einen Kurswechsel bei der Vergabe von Agrarsubventionen. Die Fördermittel im Landwirtschaftsbereich machen derzeit 38 Prozent des EU-Haushalts aus. Kritisiert wird auch, dass bislang der Großteil der Fördergelder in pauschale und flächenbezogene Agrarsubventionen fließe und damit agrarindustrielle Produktionsmethoden zum Schaden von Natur und Landwirten bevorzugt würden. NABU-Präsident Olaf Tschimpke kommentierte: „EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger und sein Kollege Phil Hogan müssen jetzt auf die Stimmen aus der Gesellschaft hören und nicht nur auf die Besitzstandwahrer der Agrarindustrie." Mit einer mutigen Reform könnten nicht nur die ländlichen Räume geretten werden, sondern auch das Vertrauen von Millionen Menschen in die EU gestärkt werden.

Die ab 2020 geplante neue Agrarpolitik müsse ökologisch nachhaltiger und global verantwortungsvoller ausgerichtet werden und zugleich die Interessen von Landwirten und Verbrauchern stärker berücksichtigen, so die Forderung der Verbände. Dafür erforderlich seien eine gezielte Förderung von Leistungen im Tier- und Naturschutz sowie die Beendigung der Subventionsvergabe „mit der Gießkanne“, die vor allem großen Betrieben nützt. Politisch vorangebracht werden müssten außerdem tierschutzgerechte Haltungsformen für Nutztiere sowie eine Reduzierung des Pestizid- und Düngemitteleinsatzes in der Landwirtschaft.

Hintergrund der EU-Konsultation, die am 2. Mai endete, ist die geplante Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarreform, die im Jahr 2020 in Kraft treten soll. Auf Grundlage der nun beendeten Befragung will die EU-Kommission spätestens im November diesen Jahres erste Reformvorschläge vorlegen.

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